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Machtverlust bei Richemont

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Die Personalchefin des französischen Luxuskonzerns stolpert über zu große Gehaltserhöhungen in der Krise. Ihren Job behalten darf sie trotzdem.

Mitten in der Coronakrise wurde die resolute Richemont-Personalchefin Sophie Guieysse heftig kritisiert. Es ging um die Gehaltspolitik des Schweizer Luxuskonzerns. Nun wurde die 57-Jährige entmachtet. Nach Medienberichten hatte Richemont, Besitzer von so schillernden Marken wie Cartier und Piaget, eine Überprüfung begonnen. Ergebnis: Guieysse muss sofort aus der Geschäftsleitung austreten. Im Herbst wird sie auch den Verwaltungsrat verlassen. Das Amt der Personalchefin behält sie aber weiterhin.

Richemont begründete die Entscheidung nicht. Doch nach der Überprüfung kommt der Schritt nicht überraschend. Laut Medienberichten gab es in der Gruppe Spannungen über die Gehaltserhöhungen der Geschäftsleitung, die Guieysse vorangetrieben haben soll. Einer der Gewinner der Gehaltspolitik war Richemont-Chef Jérôme Lambert, der im vergangenen Geschäftsjahr 8,1 Millionen Franken verdiente – im Vorjahr waren es noch 5,4 Millionen gewesen. Nicolas Bos, Chef der Schmuckmarke Van Cleef & Arpels, legte von 4,9 auf 9,2 Millionen Franken zu. Guieysse selbst erhielt 3,1 Millionen Franken statt 1,9 Millionen Franken. Zusammen kassierten die acht Personen in der Geschäftsleitung insgesamt 41,4 Millionen Franken, die neun Mitglieder kamen im Vorjahr auf 30,5 Millionen.

Viele Konzernmitarbeiter waren über diese üppigen Zuschläge schockiert. Andere Manager und das Personal mussten in der Krise Kürzungen von 20 bis 50 Prozent akzeptieren. Zudem soll Guieysse einen harten Ton angeschlagen haben, der vielen nicht gefiel.

Typische Elitekarriere

Guieysse hat eine lange Karriere in Personalabteilungen hinter sich. Sie war erst im Oktober 2017 zu Richemont gekommen. Vorher absolvierte sie eine typisch französische Elitekarriere: Sie besuchte die Top-Ingenieurs-Schulen École Polytechnique und École Nationale des Ponts et Chaussées. Ihre Karriere begann sie in verschiedenen französischen Ministerien. Von 1997 bis 2005 war sie beim Luxuskonzern LVMH vor allem in Personalabteilungen, zuletzt als Personalchefin der LVMH-Gruppe.

Dann ging sie zum Fernsehsender Canal plus, wo sie zehn Jahre als Personalchefin tätig war. Seit 2016 war sie als Internetberaterin beim Modehaus Dior, das zu LVMH gehört. Ihr Umgangston wurde auch früher schon kritisiert. Laut französischen Medien musste sie bei Canal plus ebenfalls gehen, weil sie nicht sozial genug war und gar als despotisch galt. Sie soll Angestellte entlassen haben, ohne mit der Wimper zu zucken. Diese Eigenschaft brachte sie offenbar auch zu Richemont, wo sie für Personaleinsparungen sorgen sollte.