Deutsche Märkte geschlossen

Märkte zwischen Rekorden und Epidemie-Sorgen

An den Börsen ebben die Sorgen über die wirtschaftlichen Folgen des Coronavirus ab. Das könnte verfrüht sein, wie sich an den Rohstoffmärkten zeigt.

Am Ölmarkt wirkt sich das Coronavirus deutlich auf die Nachfrage aus. Foto: dpa

Die Tage, an denen das Coronavirus die Finanzmärkte über China hinaus fest im Griff hatte, dürften vorerst vorüber sein. So war es auch beim deutschen Aktienindex, der in den vergangenen Tagen mehrfach Rekordhöhen erklomm. Die abgelaufene Woche schloss der Leitindex mit einem Gesamtplus von 1,7 Prozent ab.

Der Kurs könnte sich auch in der neuen Woche in diese Richtung fortsetzen. Zahlreiche Firmen ziehen Bilanz für das abgeschlossene Jahr und die Anleger sind – trotz der vorangegangenen Konjunktursorgen und dem Gewinneinbruch bei Daimler – optimistisch.

Lediglich eine Reihe von Konjunkturdaten könnte die Zuversicht in der kommenden Woche schmälern, je nachdem wie sie ausfallen. Dennoch: Insgesamt stehen reichlich Daten zur Ablenkung vom tödlichen Covid-19-Virus und seinen Folgen für die Wirtschaft zur Verfügung.

Der Chef-Anlagestratege der Deutschen Bank, Ulrich Stephan, schreibt in einem Marktkommentar, dass das Coronavirus die chinesische und globale Konjunktur zwar durchaus heftig, aber nur kurz schwächen dürfte. „Daher sollten die deutschen Unternehmen ihre Gewinne in diesem Jahr wieder steigern können“, schreibt Stephan.

Ähnlich sieht das Martin Lück, Chef-Anlagestratege für Deutschland, Österreich und Osteuropa bei Blackrock. Die Unternehmensgewinne in den USA könnten um neun bis zehn Prozent, in Europa um sieben bis acht Prozent zulegen. In dieser Dimension könnten dann auch die erwarteten Kurszuwächse liegen.

Das Gros der Marktteilnehmer scheint dieser Argumentation zu folgen. Die vermeintlich sicheren Häfen werden weniger gefragt. Der Goldpreis legte in dieser Woche kaum noch zu, zumindest in der am Weltmarkt gehandelten US-Dollar-Notierung. Goldanleger in Europa konnten sich hingegen über ein neues Rekordhoch freuen – vor allem dank des zuletzt starken Dollars.

Rohstoffe sorgen für Unsicherheit

Wie groß die Unsicherheit jedoch nach wie vor ist, zeigt ein Blick auf den Ölpreis. Ein Fass (159 Liter) der richtungsweisenden Sorte Brent verbilligte sich zwischen Anfang Januar und Anfang Februar um 14 Dollar auf 54 Dollar. In dieser Woche hingegen kletterte der Preis auf knapp 57 Dollar, nachdem das Ölkartell Opec in der vergangenen Woche weitere Förderkürzungen beschloss.

Der wichtigste Opec-Partner Russland hat bei dem jüngsten Deal allerdings nicht mitziehen wollen. Infolge der Corona-Epidemie stehen in China noch immer viele Fabriken still. Die Ölnachfrage werde um mindestens ein Viertel niedriger sein als zuvor angenommen, kommentieren die Analysten von Rystad Energy.

Außerdem seien die zusätzlich Förderkürzungen der Opec und ihrer Partnerländer „bei weitem nicht ausreichend“. Für mindestens das erste und das zweite Quartal des Jahres rechnen die Experten mit einer Überproduktion. Der wirtschaftliche Teil-Stillstand sorge für den größten Nachfrageschock seit 2008, kommentiert Bjørnar Tonhaugen, Leiter Ölmärkte bei Rystad Energy.

Die Unsicherheit verharrt aber nicht an den Rohstoffmärkten. Der Chef der amerikanischen Notenbank Federal Reserve sagte in dieser Woche, dass die konjunkturellen Folgen des Coronavirus auch die US-Wirtschaft spürbar bremsen werden. Um die Effekte abschätzen zu können, sei es aber noch zu früh.

Der Analyst Christoph Weil von der Commerzbank schreibt, dass auch die Exportunternehmen im Euroraum die negativen wirtschaftlichen Folgen des Coronavirus zu spüren bekommen. Zumindest „dürfte der Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe im Euroraum seine Aufwärtsbewegung im Februar nicht fortgesetzt haben“.

Auch sein Pendant für den Dienstleistungssektor dürfte stagnieren. Die Daten werden am Freitag veröffentlicht. Robert Greil, Chefstratege von Merck Finck, zufolge müssten sich diese Daten aber „dringend verbessern“, um die Kursgewinne zu untermauern. Die konjunkturellen Vorgaben sind derzeit bestenfalls durchwachsen. Im vergangenen Jahr stagnierte die deutsche Wirtschaftsleistung.

Stützen könnten die gute Stimmung an den Aktienmärkten in der kommenden Woche zahlreiche Firmenbilanzen. Knapp ein Drittel aller Dax-Unternehmen gibt in der neuen Woche Geschäftszahlen bekannt, darunter Deutsche Börse (Montag), Deutsche Telekom (Mittwoch), Fresenius (Donnerstag) und die Allianz (Freitag). International legt unter anderem die Bank HSBC (Dienstag), der Versicherungskonzern Axa (Donnerstag) und der Bergbaukonzern Anglo American (Dienstag) Zahlen vor. Außerdem veröffentlichen sowohl die Fed (Mittwoch) als auch die Europäische Zentralbank (Donnerstag) die Protokolle ihrer letzten Ratssitzungen.