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Die Märkte werden zunehmend nervös: Der eigentliche Crash könnte uns demnach erst noch bevorstehen!

Andre Kulpa, Motley Fool beitragender Investmentanalyst

Eigentlich sollte es ja jedem Anleger bewusst sein. Nämlich der Umstand, dass die Börse grundsätzlich unberechenbar ist. Dies haben wir in diesem Jahr besonders schmerzlich erfahren müssen. Denn Anfang des Jahres sahen wir bei den großen internationalen Indizes noch neue Höchststände. Doch Ende Februar schlug die Stimmung schlagartig um und die Kurse stürzten in die Tiefe. Schuld war hier die Angst vor dem Coronavirus, das sich weltweit immer schneller ausbreitete.

Aber genauso schnell, wie die Panik gekommen ist, war sie ab Ende März wieder verschwunden. Die Notierungen stiegen wieder an und gingen in eine Gegenbewegung über, die mehr oder weniger bis heute anhält. Ich habe aber das Gefühl, dass die Volatilität an den Märkten langsam wieder zunimmt. Am 11.06.2020 beispielsweise verlor der amerikanische Dow Jones im Tagesverlauf über 1.150 Punkte. Bahnt sich hier etwa schon die nächste Katastrophe an?

Warum sind die Kurse so schnell wieder angestiegen?

Ja, warum drehte sich im März eigentlich der Wind so schnell wieder und ließ die Kurse in die Höhe klettern? Ich vermute, die Gegenbewegung ist deshalb eingetreten, weil sowohl in den USA als auch in Deutschland und anderen europäischen Ländern gewaltige Hilfspakete in Milliardenhöhe beschlossen wurden. Dies stimmte wohl die Investoren zuversichtlich und wirkte sich positiv auf die Märkte aus.

Und es gab in den folgenden Wochen immer weitere erfreuliche Nachrichten. Zum Beispiel haben die Notenbanken die Geldschleusen geöffnet und alle Teilnehmer mit frischem Geld versorgt. Als Nächstes hat die amerikanische FED eine Ankündigung gemacht, die nochmals die Börsen befeuert hat. Sie versprach nämlich weitere Maßnahmen wie den direkten Kauf von Unternehmensanleihen oder den unbegrenzten Kauf von hypothekengesicherten Wertpapieren und US-Staatsanleihen.

Im Moment scheinen die Märkte noch halbwegs stabil zu sein. Und dies lässt sich wohl durchaus mit der Hoffnung auf ein rasches Ende der Coronabeschränkungen erklären. Auch gibt es weitere Finanzspritzen aus Brüssel. Von der EU-Kommission wurden nämlich 750 Mrd. Euro mobilisiert. Ganze 500 Mrd. Euro sollen als nicht rückzahlbare Zuwendungen bereitgestellt werden. Die restlichen 250 Mrd. Euro werden in Form von Krediten gewährt.

Ist also alles in bester Ordnung?

Dies ist wohl eine berechtigte Frage. Denn genau wie zu Beginn des Jahres werden die dunklen Wolken, die am Horizont aufgezogen sind, von der Börse fast komplett ignoriert. Dabei steht die Welt immerhin vor der größten Krise seit dem Zweiten Weltkrieg. So ist es zumindest einer Einschätzung der Vereinten Nationen (UN) zu entnehmen. Ihr Generalsekretär António Guterres hat immerhin dazu verlauten lassen: Die Coronakrise werde eine Rezession bringen, „die in der jüngsten Geschichte wahrscheinlich keine Parallele hat“.

Angela Merkel sagte am 18.03.2020 in einer Fernsehansprache: „Es ist ernst. Nehmen Sie es auch ernst.“ So sieht es mittlerweile auch die Europäische Zentralbank (EZB). Bereits am 27.05.2020 sagte EZB-Präsidentin Christine Lagarde, dass infolge der Viruspandemie die Konjunktur im Euroraum drastisch einbrechen werde. Bis zu 12 % könne laut ihrer Aussage die Wirtschaft der 19 Länder im Währungsraum schrumpfen. Also insgesamt keine gute Ausgangslage für die Märkte, wie ich finde.

Wie werden die Börsen reagieren?

Es sind ja derzeit nicht nur wirtschaftliche Probleme, die weltweit die Menschen beschäftigen. Denken wir hier nur einmal an George Floyd. Nachdem der Afroamerikaner am 25.05.2020 durch Polizisten zu Tode kam, zog dies eine Welle von Protesten und Gewalt nach sich. Vor allem in den USA herrschen bis heute chaotische Zustände.

Aber auch die fürchterlichen wirtschaftlichen Folgen der Maßnahmen, die zur Eindämmung der Coronapandemie ergriffen wurden, werden bald nicht mehr zu übersehen sein. Und es stellt sich mit Recht die Frage, wie die Akteure an den Märkten wohl reagieren werden. Dann nämlich, wenn das ganze Ausmaß der Katastrophe auch in den Geschäftsberichten der Unternehmen deutlich erkennbar wird.

Auch ich bin natürlich kein Hellseher. Aber ich könnte mir vorstellen, dass es dann mit der Party, die derzeit noch an den Börsen gefeiert wird, ganz schnell vorbei sein könnte. Und wenn die Stimmung dann ein zweites Mal kippt und eine erneute, aber größere Panik die Notierungen nach unten treibt, dann bleibt nur zu hoffen, dass uns nicht ein Crash bevorsteht, in dessen Verlauf die Tiefststände vom März vielleicht deutlich unterschritten werden.

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