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Luxus-Ferienhaus-Startup Myne kauft Rivalen für mehrere Millionen

Erleichterung bei den Gründern nach dem Exit (v.l.n.r.): Nikolaus Thomale (Co-Founder Myne), Jean-Pierre Fumagalli (Co-Founder Villa Circle), Roland Schaber (Co-Founder Villa Circle) und Fabian Löhmer (Co-Founder Myne). - Copyright: Myne
Erleichterung bei den Gründern nach dem Exit (v.l.n.r.): Nikolaus Thomale (Co-Founder Myne), Jean-Pierre Fumagalli (Co-Founder Villa Circle), Roland Schaber (Co-Founder Villa Circle) und Fabian Löhmer (Co-Founder Myne). - Copyright: Myne

Erst sammelte Myne-Gründer Nikolaus Thomale im Juli vergangenen Jahres rund 23,5 Millionen Euro bei Investoren ein – trotz Krise am Kapitalmarkt . Nun ist bekannt, wofür das Geld gut war: Die Berliner Firma, die Anteile an luxuriösen Ferienhäusern an Privatanleger vermittelt, übernimmt das Düsseldorfer Startup Villa Circle, wie Gründerszene exklusiv erfahren hat.

Dieses hatte zuvor denselben Markt wie Myne bespielt und noble Feriendomizile etwa in Spanien, Österreich, Deutschland und an der Côte d’Azur als geteiltes Eigentum an bis zu acht Kunden anteilsmäßig verkauft. Die genaue Kaufsumme geben beide Parteien zwar nicht bekannt. Insidern zufolge soll es sich bei dem Exit um einen zweistelligen Millionenbetrag handeln.

Eine Marke verschwindet

Mit der Übernahme wandern nicht nur die Luxus-Immobilien von Villa Circle in den Besitz von Myne. Thomales Startup wird fortan auch die Kunden und Hauseigentümer der Düsseldorfer über die Myne-Plattform betreuen. Somit wird die Marke Villa Circle langfristig vom Markt verschwinden. Die rund 15 Mitarbeiter des Düsseldorfer Startups sollen übernommen werden. Ob die Villa Circle-Geschäftsführer Roland Schaber und Jean-Pierre Fumagalli nach der einjährigen Exit-Übergangszeit, in der sie ihr Startup weiterführen, bei Myne bleiben, ist bislang nicht bekannt.

Für Thomale ist die Übernahme ein nötiger Schritt, um seine Marktposition zu festigen und den Kundenkreis zu erweitern: „Für uns spielen Zukäufe eine wichtige Rolle für das weitere Wachstum und unterstreichen unseren Anspruch, die führende Plattform für die Beteiligung an Ferienimmobilien in Europa zu sein“, so der Myne-CEO. Villa Circle-Gründer Roland Schaber hofft durch den Zusammenschluss, für Kunden künftig ein „noch breiteres und hochwertiges Angebot“ zu schaffen.

Kunden werden Teileigentümer von Ferienhäusern – Kritiker warnen vor hohen Preisen

Beide Startups bauen auf den Trend des sogenannten „Managed Co-Ownership“ bei Ferienimmobilien auf, der in den USA mit dem Einhorn Pacaso seit längerem etabliert ist. Die Idee dahinter: Statt die gesamten Investitionskosten für ein hübsches Reetdachhaus an der Ostsee, ein Chalet im Salzburger Land oder für eine Loftwohnung auf Mallorca als Einzeleigentümer schultern zu müssen, werden die Kosten durch mehrere Familien geteilt. Voraussetzung dafür ist, über Eigenkapital in Höhe von mindestens 50.000 Euro zu verfügen.

Die Teileigentümer, bis zu acht, können sich so den Traum eines Ferienhauses erfüllen und sind gleichzeitig von Verwaltungsaufgaben befreit – sie buchen ihren Urlaub bequem über die App. Die Startups kümmern sich sowohl um die Einrichtung und Instandhaltung der Häuser als auch um die Vermietung an Gäste für Zeiträume, in denen keiner der Besitzer Urlaub vor Ort verbringt.

Vor jedem Besuch richtetet das Startup die Häuser wie im Hotel frisch her. Für den Service berechnet Myne dabei monatlichen zwischen 70 und 90 Euro. Die Preise für ein Achtel Neubauwohnung auf Mallorca fangen bei 109.000 Euro an. Das Konzept ist nicht unumstritten: Kritiker warnen, dass Teileigentümer im Verhältnis mehr zahlen würden als beim vollständigen Erwerb einer Immobilie, wie es etwa andere Makler anbieten.

Myne-Gründer Thomale ist sich indes sicher, dass die Nachfrage nach Ferienhäusern als Teilerwerb weiter steigen wird: „Die ökonomischen Rahmenbedingungen mit hohen Zinsen, Inflation und deutlich gestiegenen Unterhaltskosten von Immobilien verstetigen den Trend zu Co-Ownership.“

Der Berliner hat sein Startup im Jahr 2021 zusammen mit Fabian Löhmer gegründet und beschäftigt aktuell 25 Mitarbeiter. Bei der Seed-Finanzierung im vergangenen Sommer sicherten sich die Gründer bekannte Investoren, darunter Embedded Capital, der Fonds des Finleap-Gründers Ramin Niroumand und Michael Hock, das Family Office TruVenturo von Hometogo-Gründer Nils Regge sowie die Proptech-Beteiligungsfirmen Scope Hanson und Rivus Capital.