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Lufthansa zahlt alle Corona-Finanzhilfen zurück

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Lufthansa-Maschinen auf dem Münchner Flughafen (AFP/Christof STACHE)

Früher als geplant hat die Lufthansa alle Corona-Hilfen des Staates zurückgezahlt. Am Freitag sei eine Milliarde Euro an den Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) der Bundesrepublik gegangen, nicht abgerufene Mittel seien zudem gekündigt worden, teilte die Lufthansa mit. Konzernchef Carsten Spohr sprach von einem "mentalen Befreiungsschlag".

Die Lufthansa hatte in der Corona-Krise mit der Bundesregierung und der EU-Kommission ein insgesamt neun Milliarden Euro schweres staatliches Rettungspaket ausgehandelt - drei Milliarden Euro als Darlehen der staatlichen Förderbank KfW und sechs Milliarden Euro aus dem WSF. Der Konzern nahm nach eigenen Angaben rund 3,8 Milliarden Euro in Anspruch.

Darin enthalten sind rund 306 Millionen Euro, mit denen der WSF seine Aktienbeteiligung am Unternehmen aufbaute. Der Fonds will die Anteile früheren Angaben zufolge frühestens in fünf Monaten verkaufen - spätestens aber bis Oktober 2023.

Die Lufthansa hatte bereits im Februar einen Kredit der staatlichen Förderbank KfW in Höhe von einer Milliarde Euro vorzeitig getilgt. Im Oktober zahlte der Konzern 1,5 Milliarden Euro an den WSF, nun eine weitere Milliarde.

Die Rückzahlungen ermöglicht hätten vor allem "die steigende Nachfrage nach Flugreisen, die schnelle Restrukturierung und Transformation" sowie "das Vertrauen der Kapitalmärkte in das Unternehmen", teilte Lufthansa mit. Der Konzern gab seit November 2020 mehrere Anleihen aus und lieh sich so Geld von Investoren; im Oktober gab die Airline neue Aktien aus und sammelte so knapp 2,2 Milliarden Euro ein. Der Konzern strich zudem mehr als 30.000 Stellen.

Lufthansa-Chef Carsten Spohr erklärte am Freitag, er bedanke sich im Namen aller Beschäftigten bei der Bundesregierung und den Steuerzahlern. "In der schwersten finanziellen Krise unserer Unternehmensgeschichte haben sie uns eine Zukunftsperspektive gegeben. Dadurch konnten wir mehr als 100.000 Arbeitsplätze erhalten."

Dem "Handelsblatt" sagte Spohr: "Als wir nach den drei besten Jahren unserer Unternehmensgeschichte plötzlich auf finanzielle Hilfe angewiesen waren, war das ein großer Schock. Dass wir nun vor fast allen anderen in der Branche finanziell wieder auf eigenen Beinen stehen können, ist deshalb mental sehr wichtig." Auch nach Rückzahlung aller Kredite und Einlagen an den WSF bleibe "noch mehr als dreimal so viel Liquidität wie vor der Krise".

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) erklärte, die frühzeitige Rückzahlung zeige, dass die in der Corona-Pandemie eingesetzten Instrumente "wirken" und "die richtigen Anreize für eine rasche Rückkehr zur Selbständigkeit" setzen. Der WSF habe als Kriseninstrument funktioniert.

Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) erklärte: "Der Kranich hat wieder ordentlich Auftrieb." Die Hilfe sei zudem ein gutes Geschäft für die Staatskasse gewesen – "denn wie es aussieht, wird der Staat am Ende seines Engagements ein Plus machen."

Der "Spiegel" berichtete vorab aus seiner neuen Ausgabe, dass aktuell das Schweizer Catering-Unternehmen Gategroup um Hilfe vom WSF bittet. Gategroup hatte im Dezember 2020 das Europageschäft der Lufthansa-Tochter LSG endgültig übernommen. Die Hilfe ist möglich, weil das Schweizer Unternehmen Standorte in Deutschland hat - um wieviel Geld es gehen soll, wird laut "Spiegel" noch geprüft.

Die Übernahme der LSG bereue Gategroup aber nicht, berichtete der "Spiegel". "Mittel- und langfristig bietet die Übernahme für uns weiterhin eine gute Perspektive."

ilo/cha

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