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Lufthansa-Lounge: Ikea-Fans kommen voll auf ihre Kosten

·Lesedauer: 3 Min.

Die nagelneue Lufthansa-Lounge am nagelneuen BER macht vieles anders. Wer hineingeht, kommt sich vor wie ein Statist in einem modernen Möbelkatalog. Ist das die neue Bescheidenheit einer demütigen Branche?

Die Küche bleibt kalt. Auch wenn die Verpflegung kostenlos gewesen wäre: Gastro ist Gastro und im November am Sitzplatz auch in Flughafenlounges verboten. Dafür bekommen die Gäste am BER beim Rausgehen von der Lufthansa-Bodencrew ein Tütchen mit Snacks in die Hand gedrückt. Soll ja keiner sagen, die Lufthansa würde auf diese Weise die Verluste durch die Coronakrise wieder reinholen wollen.

Wäre die Architektur und Innenausstattung nicht schon lange vor der Lufthansa-Krise definiert worden, man könnte den Eindruck haben: Die Lounge soll Ausdruck sein einer neuen freundlichen Demut von Europas größter Airline. Zumindest fügt sich die Einrichtung perfekt in das neue BER-Gefühl von Bescheidenheit, Wärme und Gemütlichkeit.

Erster Eindruck: Was machen die fremden Leute da in meinem Wohnzimmer? Die Auswahl der Möbel, der Deko und der Bilder an der Wand trifft sicher sowohl den Geschmack der Ikea-Fans unter den Vielreisenden als auch derer, die sich sonst in der hanseatisch aufgeräumten Gemütlichkeit von Lobbys moderner Business-Hotels vor allem im Norden Europas wohlfühlen:

Als Raumtrenner fungieren zig quaderförmige Regale aus schwarzen Metallgestänge und Einlegeböden aus hellem Holz (vermutlich Kirsche). Wer sich im Internet mit einer Möblierungssoftware probeweise sein Wohnzimmer einrichten würde, würde es sicherlich genau so machen: hier eine Vase aus bernsteinfarbenem Glas, dort ein Büschel Kunstgras, hier ein paar Bildbände von egal wo. Von der Decke hängen lauter Kabel, am Ende offene LED im Glühbirnen-Retro-Design in der Größe von Grapefruits. Mit dem obligatorischen warmweiß leuchtenden Glühdraht.

Weder spielt das Thema Fliegen noch das Thema Berlin in der Inneneinrichtung eine Rolle. Das soll sich noch ändern, sagt die Lufthansa. Bald komme zumindest noch ein Berliner Bär rein. Wer weiß: Vielleicht ja in der Empfangshalle neben die zwei riesigen Hochglanz-Bilder aus Havanna. Warum nun ausgerechnet Kuba den Besucher als erstes ins Auge springen soll, vermittelt sich nicht. Aber dekorativ aussehen tut es.

Alles in allem könnte so eine Lounge auch als Leseecke in einer Stadtbibliothek neu eröffnen. Oder als Ruhebereich neben dem Speisesaal einer Uni-Mensa. Und das ist als Kompliment an die Bodenständigkeit gemeint.

Apropos: Etwas weiter hinten schließt sich das zweite Buffet an. Dort stehen auf der Ablage immerhin schon ein paar gusseiserne Töpfe. Die Wand ist gekachelt. Offenbar sollen sich die Gäste so fühlen, als dürften sie sich ganz frisch direkt etwas aus der Küche stibitzen (die sich natürlich in Wirklichkeit hinter der Kachelwand befindet). Der rustikale Work-in-Progress-Stil hat Charme, ist aber nicht sehr weit entfernt vom Ambiente einer schwedischen Möbelhaus-Cafeteria. Man fragt sich allerdings: Na und?

Der Lufthansa geht es ganz offenbar um etwas anderes: Um Wohnlichkeit. Wohligkeit. Begegnung. Kennenlernen. Netzwerken. Geselligkeit.

Dass es sich hier um eine Flughafenlounge handelt, das fällt einem erst wieder ein, wenn man aus dem Fenster auf die zurzeit noch wenigen herumrollenden Flugzeuge guckt.

Irgendwann soll man auch direkt von der Lounge ohne Umwege über die angeschlossene Brücke ins Flugzeug einsteigen können. Zumindest wenn das an dem einzigen dafür vorgesehenen Gate andockt. Das sollen dann vor allem die Zubringerflüge nach München sein. Aber bislang hat Lufthansa dieses besondere Einsteige-Procedere für die Stammkunden noch nicht mit dem Flughafen zu Ende ausgedealt.

Eilt zurzeit ja auch nicht.

Mehr zum Thema: Das Geschäft mit den Vielfliegern bricht weg. Ausgerechnet. Es ist die profitabelste Sparte der Lufthansa. Die Zukunft von Miles & More hängt nun davon ab, ob HONs und Senatoren wieder in den Flieger steigen – und ob sich das Programm attraktiv modernisieren lässt.