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Lufthansa sieht Licht am Horizont

·Lesedauer: 5 Min.

Frankfurt/Main (dpa) - Bei ihrem Flug durch die Corona-Krise sieht die Lufthansa allmählich Licht am Horizont. Nachdem der MDax-Konzern am Mittwoch einen ersten Mini-Gewinn für das Sommerquartal 2021 berichtete, sollen die starke Fracht und das wieder anlaufende US-Geschäft bald wieder dauerhaft für schwarze Zahlen sorgen.

Im laufenden Jahr traut sich das Management um Chef Carsten Spohr nun zu, den operativen Vorjahresverlust von fast 5,5 Milliarden Euro zumindest zu halbieren. «Die Krise ist nicht vorbei, aber wir machen enorme Fortschritte, gestärkt aus der Krise hervorzugehen», sagte er.

Der Lufthansa-Chef zeigte sich überzeugt, die Krise bereits weitgehend hinter sich gelassen zu haben. Mindestens 70 Prozent des Konzernumbaus umgesetzt, jährliche Kosten von 2,5 Milliarden Euro gestrichen. Bei weiter steigenden Impfquoten und zunehmenden Booster-Impfungen werde man im kommenden Jahr wieder einen operativen Gewinn erzielen.

Das Flugangebot soll 2022 von jetzt 60 Prozent auf bis zu 80 Prozent des Vorkrisenniveaus steigen, sagte Finanzvorstand Remco Steenbergen. Der Jahresschnitt werde dann bei etwa 70 Prozent liegen nach rund 40 Prozent im laufenden Jahr.

Hoffen auf Fracht und US-Geschäft

Helfen sollen das anhaltend starke und mit zwei weiteren Maschinen ausgeweitete Frachtgeschäft sowie der US-Markt, der ab Montag (8. November) auch für geimpfte EU-Bürger wieder zugänglich wird. «Die USA macht endlich auf», freute sich Spohr. Für die kommende Woche liege die Nachfrage bereits bei 81 Prozent des Vorkrisenniveaus und für Sommer 2022 sogar drüber.

Dabei laufe das US-Geschäft schon seit Monaten gut, denn Lufthansa fliegt eine Menge Fracht über den Atlantik sowie US-Bürger, Araber und andere Nationen, die nicht unter den Einreise-Bann fallen, den die USA im März 2020 verhängt hatten.

Neben dem hohen Nachholbedarf der Privatreisenden zeige die Erfahrung mit US-Unternehmen, dass auch die Geschäftsreisen deutlich stärker wieder zurückkämen als erwartet, erklärte Spohr. Die Einbußen in diesem Sektor durch zunehmende Online-Konferenzen und steigende Sorgen um Umweltbelastungen erwarte er langfristig bei unter 10 Prozent.

Mit dem Einkauf von nachhaltig produziertem, synthetischem Kraftstoff (SAF) in Höhe von 250 Millionen US-Dollar bis 2024 will Lufthansa zudem der Forderung nach klimaneutralen Flügen nachkommen. Gerade habe man einen ersten Vertrag mit einem Firmenkunden abgeschlossen, dessen Manager künftig nur noch mit SAF-Flügen unterwegs sein sollen, berichtete Spohr.

Der Chef des Internationalen Airlineverbands IATA, Willie Walsh, wies in Genf auf große Lücken im Interkont-Verkehr hin. Das Geschäft von Europa nach Asien lag demnach 87 Prozent unter dem Vorkrisenniveau, über dem Nordatlantik betrage das Minus gut zwei Drittel. Die Airlines hätten zudem Probleme, zuvor entlassenes Personal zu ersetzen.

Lufthansa fliegt im Sommer kleinen Gewinn ein

Für das Sommerquartal (Juli bis September) hat der Lufthansa-Konzern mit 17 Millionen Euro den ersten operativen Gewinn (bereinigtes Ebit) seit Beginn der Corona-Krise ausgewiesen. Neben der Fracht brachten hier insbesondere Urlaubsflüge innerhalb Europas Geld in die Kasse.

Unterm Strich stand aber auch in diesem Quartal noch ein Minus von 72 Millionen Euro - nach 2,0 Milliarden Euro Verlust im Sommerquartal 2020 aber eine deutliche Verbesserung. Der Quartalsumsatz verdoppelte sich in der Jahresfrist nahezu auf 5,2 Milliarden Euro. Trotz des Sommerhochs und weiter hoher Gewinne bei der Fracht bis Jahresende bleibt Lufthansa im Gesamtjahr weit von schwarzen Zahlen entfernt.

Am Montag hatte bereits Europas größter Billigflieger Ryanair einen Reingewinn von 225 Millionen Euro für die Sommermonate Juli bis September berichtet. Operativ waren es bei den Iren mit ihren geringen Restrukturierungskosten sogar 254 Millionen Euro. Gruppenchef Michael O'Leary kündigte weitere Kampfpreise an, um weitere Passagiere in seine Maschinen zu locken.

Die Frachttochter Lufthansa Cargo profitierte weiter von der hohen Nachfrage und den knappen Kapazitäten im weltweiten Logistik-Markt. Mit 301 Millionen Euro operativen Gewinn verdiente sie so viel wie noch nie in einem dritten Quartal und peilt mit dem traditionell starken Jahresendgeschäft deutlich mehr als eine Milliarde Euro Jahresgewinn an.

Zudem gelangen der Direktflugtochter Eurowings, der Wartungssparte Lufthansa Technik und der Catering-Tochter LSG Sky Chefs im Sommer wieder operative Gewinne. Die Netzwerk-Airlines des Konzerns - Lufthansa, Austrian, Swiss und Brussels - flogen hingegen erneut rote Zahlen ein.

Spohr warnte vor steigenden Gebühren und Kosten bei den verschiedenen Systempartnern wie Flughäfen und Flugsicherungen. Die Nachteile aus dem geringeren Flugaufkommen dürften nicht einfach auf die verbliebenen Flüge umgelegt werden. Dem Drehkreuz Frankfurt attestierte der Lufthansa-Chef Probleme, das nun wieder einsetzende Wachstum zu bewältigen. Man verlagere daher zunehmend Flugzeuge nach München. Fraport-Chef Stefan Schulte hatte am Dienstag personelle Engpässe beim Hochlauf geschildert und die Kunden auf längere Wartezeiten beim Service eingestimmt.

Der Stellenabbau geht weiter

Der Stellenabbau im Lufthansa-Konzern ging unterdessen weiter. Ende September beschäftigte Lufthansa den Angaben zufolge noch rund 107.000 Menschen. Allein in Deutschland hätten in diesem Jahr bislang 4000 Beschäftigte das Unternehmen verlassen, mit weiteren 3000 sei man sich über deren Ausscheiden einig. Nach Einschätzung des Managements hat die Lufthansa in Deutschland noch bis zu 3000 Mitarbeiter zu viel, darunter viele Piloten. Spohr erklärte erneut, sie gerne mit Teilzeitmodellen an Bord halten zu wollen.

Bis Jahresende will die Lufthansa auch die letzte Milliarde aus der stillen Beteiligung des deutschen Staats zurückgezahlt haben. Dazu hatte das Unternehmen bei einer im Oktober abgeschlossenen Kapitalerhöhung 2,16 Milliarden Euro eingesammelt. Der noch bestehende Aktienanteil des staatlichen Wirtschaftsstabilisierungsfonds betrug nach der Kapitalerhöhung noch 14,09 Prozent des Gesamtkapitals.

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