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Lufthansa: Coronakrise gefährdet Zukunft der Luftfahrt ohne staatliche Hilfe

Unzählige Flüge weltweit gestrichen

Die Coronavirus-Pandemie birgt nach Einschätzung der Lufthansa die Gefahr, dass die Luftfahrtbranche künftig nur noch mit staatlicher Unterstützung überleben kann. Die Verbreitung des Virus habe die gesamte Weltwirtschaft und auch die größte deutsche Fluggesellschaft "in einen bislang ungekannten Ausnahmezustand versetzt", erklärte Konzernchef Carsten Spohr am Donnerstag. Bei der Lufthansa bleiben derzeit rund 90 Prozent der Maschinen am Boden.

Die Pandemie und ihre Auswirkungen auf das Reisen zwingt Fluggesellschaften weltweit derzeit zu drastischen Einschnitten. Die Internationale Luftverkehrsvereinigung IATA rechnet inzwischen damit, dass die Airlines weltweit Nothilfen in Höhe von bis zu 200 Milliarden Dollar (186 Milliarden Euro) benötigen.

Diese Krise werde die Luftfahrt nachhaltig und strukturell verändern, sagte Spohr. "Je länger diese Krise andauert, desto wahrscheinlicher wird es, dass die Zukunft der Luftfahrt ohne staatliche Hilfe nicht gewährleistet werden kann."

Der derzeitigen Situation müsse der Konzern nun "mit drastischen und zum Teil schmerzhaften Maßnahmen begegnen", kündigte Spohr an. So stellt die Lufthansa etwa den Langstreckenbetrieb in München ein und wird vorerst nur noch Langstreckenflüge ab Frankfurt anbieten. Rund 700 der 763 Flugzeuge der Lufthansa Group werden vorübergehend geparkt. Außerdem gibt es Kurzarbeit und die Rendite wird ausgesetzt; der Vorstand will in diesem Jahr auf 20 Prozent seiner Grundvergütung verzichten.

"Gleichzeitig müssen wir der besonderen Verantwortung gerecht werden, die Fluggesellschaften in ihren Heimatländern tragen", betonte Spohr. Der Konzern unternehme alles, "um mit Rückkehrerflügen so viele Passagiere wie möglich nach Hause zu bringen".

Die Airlines der Lufthansa bieten nach Unternehmensangaben in diesen Tagen rund 140 Sonderflüge an. Mehr als 20.000 Passagiere sollen so mit Lufthansa, Eurowings, Swiss, Austrian Airlines, Brussels Airlines und Edelweiss nach Hause fliegen können. "Und wir helfen nach Kräften mit, dass Lieferketten für viele tausend Betriebe nicht abreißen, indem wir zusätzliche Kapazitäten für Luftfrachttransporte mobilisieren", fügte Spohr hinzu.

Lufthansa Cargo halte "die gesamte Frachterflotte in der Luft" und fliege mit Ausnahme von Festlandchina "weiterhin ihr reguläres Programm", erklärte der Konzern. Aktuell werde darüber hinaus geprüft, Passagierflugzeuge ohne Passagiere als reine Frachtflugzeuge einzusetzen, um die Frachtkapazität weiter zu erhöhen.

Trotz der außergewöhnlichen Lage, in der Flugplan der Lufthansa nach Angaben Spohrs ungefähr dem des Jahres 1955 gleicht, sieht sich der Konzern im Vergleich zu anderen Fluggesellschaften nicht schlecht gewappnet. Hierbei verwies er darauf, dass die Bilanz der Lufthansa stärker, die Eigentumsquote an der Flotte höher und der Verschuldungsgrad geringer als bei Wettbewerbern sei.

Angesichts der massiven Auswirkungen der Coronakrise rückte die Veröffentlichung der Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr in der Hintergrund. 2019 verbuchte die Lufthansa unter dem Strich ein Konzernergebnis von 1,2? Milliarden Euro - 44 Prozent weniger als die 2,2 Milliarden Euro des Vorjahres. Ursachen dafür waren nach Unternehmensangaben vor allem gestiegene Treibstoffkosten sowie eine spürbare wirtschaftliche Abkühlung, vor allem in den Heimatmärkten des Konzerns.