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Lufthansa-Aktie: Die Staatshilfen werden zum Politikum!

Vincent Uhr, Motley Fool beitragender Investmentanalyst

Die Aktie der Lufthansa (WKN: 823212) besitzt mindestens ein großes Problem: Liquidität. In den Zeiten der Coronakrise ist das aus eigener Kraft nicht mehr lösbar gewesen. Darum wird jetzt ordentlich um Staatshilfen gefeilscht. Beziehungsweise darum, wie genau diese aussehen sollen.

Im Kontext der diesjährigen Hauptversammlung hat CEO Carsten Spohr darum geworben, dass diese möglichst frei von Einflussnahme sein sollen. Allerdings auch nicht zu einer krassen Schuldensituation führen dürfen, um den internationalen Wettbewerb nicht zu verzerren. Ein Mix, der schwierig werden dürfte.

Vor allem jetzt: Die Staatshilfen der Lufthansa scheinen sich nämlich zum Politikum zu entwickeln. Das wiederum könnte zu einer schlechteren Ausgangslage der Kranich-Airline führen.

Die Diskussionen gehen los

Bis zur Wochenmitte schien es noch keine Lösung hinsichtlich Umfang und Art der Staatshilfen zu geben, weshalb sich das Thema insgesamt mehr denn je zu einer Hängepartie entwickelt. Dafür gab es jedoch neue Meldungen darüber, wie die Staatshilfen aussehen könnten. Beziehungsweise gravierende Differenzen, wie Teile der Politik mögliche Szenarien ausgelotet haben.

Insbesondere der Spiegel berichtet dabei von möglichen Interessenkonflikten zwischen CDU/CSU und der SPD. Demnach seien die Christdemokraten der Auffassung, dass eine stille Beteiligung ausreichend sei. Bei einer solchen würde der Staat zwar Miteigner werden, hätte allerdings kein Mitspracherecht bei der Kranich-Airline. Die Sozialdemokraten befürworten hingegen die Variante, die ein Mitspracherecht bei Deutschlands größter Fluggesellschaft vorsieht. Das galt es eigentlich zu vermeiden.

Erschwerend kommt hinzu, dass auch mit anderen Nationen Deals getroffen werden müssen. Die Tochtergesellschaften Brussels und AUA verhandeln derzeit mit Österreich und Belgien, was ebenfalls individuelle Lösungen nach sich ziehen könnte. Oder weitere politische Diskussionen, die eine Konsensfindung erschweren.

Was das für die Kranich-Airline bedeutet

Im Endeffekt zeigen die aktuellen Meldungen zum einen, dass die politische Konsensfindung alles andere als einfach sein dürfte. Unterschiedliche politische Ansätze führen zu ebenso differenzierten Meinungen, was das Beste für Unternehmen, Steuerzahler oder Sozialstaat ist. Das wird den Prozess vermutlich weiter verzögern. Oder sich auf Feinheiten des Deals auswirken.

Für die Lufthansa und die Investoren dürften das keine guten Vorzeichen sein. Die Politik neigt schließlich zu Kompromissen im Rahmen einer Konsensfindung. Dass jetzt das Wörtchen Mitspracherecht eine staatliche Einflussnahme andeutet, das ist ein Szenario, das es zu vermeiden gilt, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Und eben keine Diskussionen über Routen oder Staatsinteressen führen zu müssen.

Dass die Lufthansa nicht den heiligen Gral als Lösung, sprich ein Geldgeschenk ohne Rechte und Pflichten, erhalten würde, das war abzusehen. Allerdings scheint selbst die Worst-Case-Rettung aus Sicht des Managements nicht vom Tisch zu sein. Mit der verbundenen Fragestellung, was die Alternative wäre. Zumal die Kranich-Airline aus eigener Kraft den Turnaround finanziell nicht stemmen könnte. Dadurch ist die Situation definitiv prekär.

Keine gute Ausgangslage

Für die Lufthansa könnte sich deshalb eine schwierige Ausgangslage abzeichnen. Wenn es einen Staatseinfluss möglicherweise mehrerer Nationen zu vermeiden gilt, aber auch die Insolvenz keine Lösung ist, gibt es eigentlich bloß das Nix. Und das Nix wäre in diesem Fall eben die Insolvenz. Wobei das Management auch einen solchen Schritt zur Sanierung bereits ins Spiel gebracht hat.

Die kommenden Tage dürften spannend werden im Kontext der Lufthansa. Mal sehen, welche politische Seite sich durchsetzt. Und ob das Management der Kranich-Airline zumindest den Staatseinfluss abwehren kann.

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