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Lufthansa-Aktie mit Schock am Wochenende: Insolvenz in Griffweite – Pleite-Bluff oder bitterer Ernst?

Vincent Uhr, Motley Fool beitragender Investmentanalyst

Die Aktie der Lufthansa (WKN: 823212) befindet sich noch immer in einer Hängepartie. Die möglichen Staatshilfen sind bislang nicht unter Dach und Fach. Die konkreten Formen werden unter teilweise heftiger politischer Diskussion noch immer ausgehandelt.

Bereits vor einigen Wochen hat das Management der Lufthansa sinngemäß erklärt, man werde eher eine Insolvenz anstreben als zu einem Staats-Kranich zu werden. Zu viel politischer Einfluss werde eine langfristige Belastung schaffen, die die Agilität des Konzerns beinträchtige. Aber auch eine zu hohe Verschuldung sei abzuwenden, womit die Kranich-Airline eigentlich nach einem heiligen Gral sucht.

Jetzt jedenfalls scheint das Insolvenzthema ein weiteres Mal auf den Tisch zu kommen und hinter den Kulissen schon vorbereitet zu werden. Schauen wir im Folgenden daher einmal, was Investoren zu dieser brisanten Wendung wissen sollten.

Antrag kann in wenigen Tagen eingereicht werden

Genauer gesagt ist es in diesen Tagen ein Bericht des Wirtschaftsmagazins „Capital“, der hohe Wellen schlägt. Demnach habe die Lufthansa parallel zu den Verhandlungen mit dem Staat über Milliardenhilfen den Antrag auf Insolvenz im Rahmen eines Schutzschirmverfahrens schon vorbereitet. Laut Insidern könne dieser innerhalb weniger Tage scharfgestellt werden.

Im konkreten Fall heißt das wohl, dass sich die Unterlagen für die Insolvenz in der Finalisierung befänden und zeitnah bei einem Amtsgericht eingereicht werden könnten. Je nach Ausgang der kommenden Tage und Verhandlungen, wohlgemerkt.

Dass Zeit Geld bei der Lufthansa ist, das zeigt bereits der Blick auf aktuelle Zahlen. Wie das Management vor einiger Zeit herausgestellt hat, verliere die Kranich-Airline in jeder Stunde an jedem Tag rund eine Million Euro. Mit jeder Stunde, die die Verhandlungen andauern, könnte daher das Risiko einer Insolvenz konsequent vergrößert werden. Wobei sich das Management nun scheinbar auf mehr als ein Szenario vorbereiten möchte. Und nicht bloß auf die Rettung durch den Staat wartet, zumal die konkreten Konditionen noch ausgelotet werden.

Was verbirgt sich hinter diesem Insolvenzantrag?

Die wohl spannendere Frage scheint jedoch zu sein, wie ernst es um die Lufthansa wirklich steht. Dass das Coronavirus und die Einschränkungen im Reiseverkehr erheblich sind, braucht in diesem Kontext wohl nicht erwähnt werden. Genauso wie eben die Verluste, die damit einhergehen.

Das Management könnte jetzt im finaleren Poker um Staatshilfen auch einfach den Druck erhöhen wollen. Und den Verhandlungspartnern von staatlicher Seite zeigen, dass die Hilfen vonseiten der Regierung eben nicht die einzige Option sind. Vor allem nicht zu allen Konditionen. Sondern auch, dass man notfalls gewillt ist zu versuchen, im Rahmen eines Schutzschirmverfahrens zu sanieren. Ob das eine echte Alternative ist? Bleibt abzuwarten.

Fest steht jedenfalls, dass der Zeitpunkt der Veröffentlichung dieser Nachricht den Druck auf alle Beteiligten erhöht. Wobei natürlich auch für die Lufthansa langfristig viel auf dem Spiel steht. Gerade nach dem Thomas-Cook-Beispiel und den Ausfällen im Reisegeschäft könnte ein Vertrauensverlust durch eine Insolvenz einen irreparablen Schaden auslösen. Von dem sich auch eine Kranich-Airline selbst mittelfristig vielleicht nicht mehr erholt.

Es bleibt spannend in dem Poker!

Im Endeffekt bleibt die Causa Lufthansa daher sehr spannend. Werden Staatshilfen kommen? Werden die Konditionen stimmen? Oder wird das Management bewusst den Weg in die Insolvenz wählen? Das scheint derzeit den Kreis der Möglichkeiten zu umreißen. Der Druck wächst jedenfalls, auch in Anbetracht der stündlich hohen Kosten. Eine baldige Entscheidung dürfte inzwischen jedenfalls sehr wahrscheinlich sein.

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