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Lufthansa-Aktie knickt nach Hauptversammlung fast 10 % ein: Darum ist das berechtigt!

Vincent Uhr, Motley Fool beitragender Investmentanalyst
Deutsche Lufthansa Aktie

Die Aktie der Lufthansa (WKN: 823212) ist mit einem ordentlichen Minus in den Handel des Freitags gestartet. Zum Zeitpunkt des Verfassens notieren die Anteilsscheine lediglich noch bei 9,38 Euro (26.06.2020, früher Handel). Das Minus im Vergleich zum Vortag beläuft sich somit auf rund 9 %. Und das, obwohl die Aktie nach der Hauptversammlung zunächst ordentlich nach oben schoss.

Bei der Kranich-Airline ist es allerdings keine Dividende, deren Abschlag jetzt zu einem Kurseinbruch führt. Nein, es scheint mit den Investoren zusammenzuhängen, die jetzt die neue Ausgangslage bewerten.

Schauen wir im Folgenden einmal, warum der Abschlag letztlich berechtigt sein könnte und nach der Hauptversammlung jetzt eben keine Episode beginnt, in der es Gold regnet und die Renditen nur so vom Himmel fallen. Nein, sondern im Grunde genommen die Aussicht auf weiterhin eher maue Renditen besteht.

Der Staats-Deal: Zustimmung zur Verwässerung!

So mancher Investor hat mit einer ersten, offenkundig vorschnellen Kursreaktion womöglich die Einigung auf der Hauptversammlung feiern wollen, dass die Insolvenz vom Tisch ist. Zugegeben: Ein solches Szenario hätte womöglich mehr Volatilität in die Aktie gebracht. Allerdings heißt der Deal mit der Bundesregierung nicht zwangsläufig, dass eine bessere Zukunft bevorsteht.

Nein, im Grunde ist einzig und allein die Pleite vom Tisch. Durch den Einstieg der Bundesregierung wird es allerdings zu einer ordentlichen Verwässerung kommen. Durch die sonstigen Hilfen in Milliardenhöhe ist der Schuldenberg aufgebläht. Das zeigt eines sehr deutlich: Im Endeffekt ist es wirklich bloß eine Rettungsaktion gewesen.

Für Investoren bedeutet das hingegen, dass durch das Abzahlen des Kredits die Renditen, Gewinne und Ergebnisse bedeutend niedriger ausfallen werden. Die Verwässerung bewirkt, dass der sowieso schon niedrige übrig bleibende Ergebnisanteil durch mehr Aktien geteilt wird. Eine attraktive, goldene Zukunft sieht anders aus.

Mahnende Worte des Managements

Die anfänglich aufkeimende Euphorie ist außerdem ziemlich schnell vom Management ausgebremst worden. Im Rahmen der aktuellen Hauptversammlung haben Aufsichtsratschef und Vorstandsvorsitzender quasi unisono erklärt, dass ein historischer Moment für die Kranich-Airline gekommen sei. Es müssten Veränderungen her. Restrukturierungen, damit man effizienter werden könne. Sowie auch teilweise ein Personalabbau.

Allerdings ist es damit nicht getan: Wie Lufthansa-Chef Spohr noch einmal eindringlich äußerte, werde sich die Krise längerfristig auf die Kranich-Airline auswirken. Eine schnelle Erholung sei nicht absehbar und man wisse, dass sich die Folgen noch Jahre im operativen Geschäft bemerkbar machen werden.

Auch das dürfte in Teilen die Rückzahlung der Milliardenhilfen betreffen. Allerdings ist es auch hier nicht bloß das: Der Markt der Luftfahrt, der Mobilität und des Reiseverhaltens könnte sich in Zeiten des Coronavirus nachhaltig verändert haben. Insbesondere Geschäftsreisen könnten künftig öfter digitalen Meetings weichen. Die generellen Aussichten sind und bleiben daher durchwachsen bei der Kranich-Airline.

Distanz oder langer Atem gefragt

Für Investoren der Lufthansa sind daher zwei Optionen gefragter denn je: Entweder man distanziert sich von diesem schwierigen Gesamtkonstrukt, das auf Staatshilfen und einem wackeligen operativen Fundament fußt. Oder aber man benötigt einen langen Atem, um die Krise auszusitzen. Was die bessere Option ist? Letzten Endes eine Frage, die du dir besser selbst beantworten solltest.

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Vincent besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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