Werbung
Deutsche Märkte öffnen in 1 Stunde 22 Minute
  • Nikkei 225

    38.074,42
    -740,14 (-1,91%)
     
  • Dow Jones 30

    38.589,16
    -57,94 (-0,15%)
     
  • Bitcoin EUR

    62.109,74
    +268,52 (+0,43%)
     
  • CMC Crypto 200

    1.408,74
    -9,13 (-0,64%)
     
  • Nasdaq Compositive

    17.688,88
    +21,28 (+0,12%)
     
  • S&P 500

    5.431,60
    -2,14 (-0,04%)
     

In Lubmin soll ein gigantisches LNG-Terminal entstehen, doch eine geleakte Studie weckt Zweifel, ob es benötigt wird

In Lubmin gibt es seit diesem Jahr bereits ein privatwirtschaftliches LNG-Terminal, ein staatliches könnte vor der Küste bald dazu kommen. - Copyright: picture alliance
In Lubmin gibt es seit diesem Jahr bereits ein privatwirtschaftliches LNG-Terminal, ein staatliches könnte vor der Küste bald dazu kommen. - Copyright: picture alliance

Vor der Küste in Lubmin soll – wenn es nach den Plänen der Politik geht – ein gigantisches LNG-Terminal entstehen. Sollten die derzeitigen Planungen erfolgreich abgeschlossen werden, würde es das mit Abstand größte Terminal in Europa werden, an dem 38 Milliarden Kubikmeter Flüssiggas entladen werden können. Zum Vergleich: Die drei bereits im Betrieb befindlichen Terminals in Lubmin, Wilhelmshaven und Brunsbüttel können jeweils zwischen fünf und 7,5 Milliarden Kubikmeter pro Jahr regasifizieren.

Das geplante Terminal wäre ein enormer Schritt in Richtung Unabhängigkeit und Versorgungssicherheit. Doch es regt sich auch Widerstand. Bürgergruppen, Touristenverbände und Umweltschützer warnen vor Lärm und enormer Umweltverschmutzung. Gleichzeitig stellt sich auch mit Blick auf die gesetzlichen Klimaziele die Frage, ob ein Terminal mit diesen Kapazitäten überhaupt nötig ist.

Studie sieht keine Versorgungsknappheit bei aktuellen Plänen

Eine Studie des Energiewirtschaftlichen Instituts (EWI) lässt daran laut Umweltschützern zumindest zweifeln. Das EWI hatte im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums untersucht, welche Gasszenarien für die Zukunft möglich seien. Die Ergebnisse hat das Ministerium bisher nicht veröffentlicht, teilt auf Anfrage aber mit, dass es "diese Studie in Kürze auch veröffentlichen" wolle. Zuvor hatte sie die Umwelthilfe bereits öffentlich gemacht.

Die Forscher haben sich in drei verschiedenen Szenarien angeschaut, wie viel Gas Deutschland und Europa kurz- und mittelfristig verbrauchen wird. Die Autoren verglichen die möglichen Kapazitäten mit denen der bereits gebauten und fest geplanten Terminals. Das diskutierte Terminal in Lubmin war dabei nicht einbezogen. Zwei Onshore-Terminals in Stade und Wilhelmshaven gingen ebenfalls nicht in die Kalkulation ein.

WERBUNG

Das Ergebnis: Eine Knappheit sei in keinem Szenario zu befürchten – bestimmte Gasverbrauche und entsprechende Importe vorausgesetzt. "Hohe Importe aus Norwegen, Belgien, den Niederlanden und über deutsche LNG-Terminals sorgen für eine ausreichende (Mengen-) Verfügbarkeit von Erdgas in Deutschland und seinen Nachbarländern über alle untersuchten Szenarien", heißt es in der Studie.

"Europa verfügt künftig über ausreichend LNG-Importkapazität"

Die Kapazitäten der gebauten und bereits fest geplanten LNG-Terminals würden dafür ausreichen. "Europa verfügt – insbesondere in Szenarien mit sinkender Nachfrage – künftig über ausreichend LNG-Importkapazität und nutzt diese bis 2035 zur Kompensation fallender Pipeline-Importe", schreiben die Forscher. "Bleibt die Nachfrage hoch, werden die LNG-Terminals, auch in Deutschland, stark ausgelastet."

Auf den letzten Punkt verweist auch das Bundeswirtschaftsministerium, das den Folgerungen der Deutschen Umwelthilfe (DUH), die weiteren Terminals seien nicht nötig, widerspricht. "Um es vorab ganz klar zu sagen: Die Studie trifft nicht die in der Berichterstattung der DUH zitierten Aussagen. Die Studie sagt nicht, dass die Terminals in Stade, Wilhelmshaven oder Lubmin nicht notwendig seien. Das ist eine Schlussfolgerung, die die DUH vornimmt, aber die Studie trifft diese Aussage nicht", erklärt eine Sprecherin auf Anfrage.

Das Gelände der PCK-Raffinerie in Schwedt.
Das Gelände der PCK-Raffinerie in Schwedt.

Die Analyse zeige, dass im Hinblick auf die kurz- und mittelfristige Gasversorgungssituation, die beschlossenen LNG-Kapazitäten in Deutschland ausreichen. "Dies gilt allerdings nur, wenn keine unvorhergesehenen Ereignisse eintreten, zum Beispiel Sabotage.", so die Ministeriums-Sprecherin. Die Bundesregierung will sich mit dem Bau der Terminals absichern.

Wirtschaftsministerium: Verbraucherspitzen müssen zuverlässig abgedeckt werden

Derzeit plane die Regierung mit fünf staatlichen Terminals und dem privaten Projekt in Lubmin. Für eine nachhaltige Planung der LNG-Importinfrastrukturen reiche es nicht, sich nur an einem mittleren prognostizierten Verbrauch zu orientieren und sich "blind darauf zu verlassen, dass alles immer schon irgendwie gut geht." Vielmehr müssen die Infrastrukturen so ausgelegt werden, "dass Verbrauchsspitzen, wie ein besonders kalter Winter, oder der vorübergehende Ausfall einzelner Komponenten zuverlässig abgedeckt werden können.", so die Sprecherin weiter. Zudem müsse man die Versorgungssicherheit europäisch betrachten, sagt die Sprecherin.

Neben dem EWI kommt jedoch auch das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) zu dem Schluss, dass die LNG-Kapazitäten in Zukunft reichen könnten und der Bau der zwei Onshore-Terminals nicht nötig sei. Aktuelle Szenarien legten nahe, dass auch im kommenden Winter nicht mit Versorgungsmangellagen zu rechnen sei, so die DIW-Forscher. Durch die rückläufige Bedeutung von fossilem Erdgas sei "der geplante Bau fester Onshore-LNG-Terminals weder energiewirtschaftlich noch klimapolitisch sinnvoll."

Die bisherigen Bauvorhaben von schwimmenden LNG-Terminals seien angesichts der Unsicherheit der Versorgungssicherheit aber rational gewesen. "Dies hat jedoch dazu geführt, dass die Gaswirtschaft diese Chance zum Bau von Projekten weit jenseits der absehbar sinnvollen Mengen genutzt hat. Daher ist es höchste Zeit, die Umwandlung von schwimmenden in feste Terminals zu stoppen und die Verstetigung der LNG-Importe zu verhindern."