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Lohnt es sich für Autofahrer noch, den Biosprit E10 zu tanken?

Die Skepsis der Deutschen gegenüber dem Biosprit E10 ist groß – und nun ist auch der Kostenvorteil weg. Wie Autofahrer an der Zapfsäule noch sparen können.


Aral hat im Januar den Kostenvorteil von E10-Benzin gestrichen. Foto: dpa

Mancher Autofahrer mag zuletzt ungläubig auf die Preistafeln der Tankstellen geblickt haben. Immer öfter war E10, Benzin mit erhöhtem Anteil von Bioethanol, genauso teuer wie konventionelles E5-Benzin. Der Kostenvorteil von E10 von rund zwei Cent pro Liter, an den sich Autofahrer über Jahre gewöhnt hatten, verschwand im Januar völlig.

Der Grund für die deutlich gesunkene Preisdifferenz war ein Preiskampf unter den Tankstellenbetreibern Aral, Esso und Jet, wie eine Auswertung des ADAC nahelegt. Demnach baute Aral den Kostenvorteil von E10 Anfang Januar sukzessive ab. Die durchschnittliche Preisdifferenz an Aral-Tankstellen sank von zwei auf null Cent.

Zwischenzeitlich kostete E10 bei Aral sogar mehr als E5. Die Konkurrenten Esso und Jet strichen ebenfalls den Kostenvorteil von E10. Lediglich Shell entzog sich dem Preiskampf weitgehend und reduzierte die Preisdifferenz von durchschnittlich 3,5 auf zwei Cent. Die „Welt am Sonntag“ berichtete, Ziel von Aral sei es gewesen, die gestiegenen Kosten für Bioethanol, der aus Agrarprodukten wie Zuckerrüben gewonnen wird, an die Endkunden weiterzugeben.

Auch wenn dieser Versuch von Aral gescheitert ist: Angesichts der geringen Preisdifferenz greifen immer mehr Autofahrer in Deutschland zu konventionellem E5-Benzin.

Der Marktanteil von Biosprit ist nach den jüngsten Zahlen des Bundesverbandes der deutschen Bioethanolwirtschaft (BDB) von 2018 rückläufig. Er lag bei weniger als 13 Prozent, E5 dagegen bei über 80 Prozent.

Höherer Verbrauch durch E10?

Hauptgrund für den geringen Marktanteil dürfte sein, dass sich in Deutschland das Bild verfestigt hat, dass das Auto mit E10 im Tank mehr Sprit schluckt. Tatsächlich hat das aus Pflanzen gewonnene Ethanol einen geringeren Energiegehalt. Andere chemische Faktoren des Ethanols verbessern jedoch die Verbrauchsbilanz von Biosprit. Unterm Strich geht der ADAC von einem „theoretischen Mehrverbrauch“ von 1,5 Prozent aus.

In der Praxis ist dieser jedoch oft schwer nachzuweisen. So hat der ADAC im Auftrag des Branchenverbandes BDB eine Studie durchgeführt und kam mit fünf Testwagen zu unterschiedlichen Ergebnissen. Bei einem Ford Fiesta und einem 3er BMW stieg der Verbrauch mit Biosprit, bei einem Opel Corsa und einem Golf Kombi sank der Verbrauch mit E10 sogar. Der „kostenmäßig unbedeutende Unterschied von 0,09 Liter auf 100 Kilometer“ sei jedoch bei keinem Testwagen überschritten worden, so der BDB. Bei einer 1000-Kilometer-Fahrt liegt die Ersparnis demnach bei weniger als zwei Cent.

Umweltvorteil zählt wenig

Der Branchenverband verweist darauf, dass durch E10 die Stickoxid-Emissionen gegenüber Super-Benzin im Schnitt um 25 Prozent sinken, der Feinstaubausstoß sogar um 70 Prozent. Die Tankstellenkonzerne brauchen E10 zudem, um die eigene CO2-Bilanz zu verbessern. Doch bislang findet das Umwelt-Argument bei den deutschen Autofahrern wenig Anklang.

Nach wie vor herrscht jedoch bei einigen Autofahrern Unsicherheit, ob E10 dem Motor guttut. Diesen Eindruck versucht der ADAC zu zerstreuen: „Grundsätzlich ist davon auszugehen, dass alle Neufahrzeuge inzwischen problemlos E10 vertragen.“ Besitzer von älteren Autos können auf der Webseite „e10tanken.de“ abfragen, ob ihr Modell auch Biosprit tanken kann.

Viel lohnender, als auf Preisdifferenzen zwischen E5 und E10 zu achten, ist es für Autofahrer, Preisschwankungen an der Zapfsäule im Tagesverlauf auszunutzen. Sie schwanken dem ADAC zufolge um bis zu sechs Cent innerhalb eines Tages.

Generell empfiehlt der ADAC Sparfüchsen, nachmittags zwischen 15 und 17 Uhr sowie am frühen Abend zwischen 19 und 22 Uhr zu tanken. Dann seien die Benzinpreise im Tagesverlauf am niedrigsten. Die höchsten Preise rufen die Tankstellen morgens zwischen sechs und neun Uhr auf.