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Lohnen sich 54.000 Euro an Solaranlagen-Kosten? Diese Erfahrungen haben meine Eltern mit Enpal gemacht

Solarpaneele sind seit Beginn des Ukraine-Krieges heiß begehrt. Auch meine Eltern haben nun über Enpal einige schwarze Kacheln auf dem Dach. (Symbolbild) - Copyright: Enpal
Solarpaneele sind seit Beginn des Ukraine-Krieges heiß begehrt. Auch meine Eltern haben nun über Enpal einige schwarze Kacheln auf dem Dach. (Symbolbild) - Copyright: Enpal

Solaranlagen zu testen, ist gar nicht mal so einfach. Die Technik ist teuer und wenn es nicht gerade das kleine Paneel für den Balkon sein soll, braucht es zunächst ein Eigenheim mit passender Dachfläche – nicht gerade eine niedrige Einstiegshürde. Heißt für mich: Eltern fragen. Denn auch die hat die Energiekrise im Zuge des Ukraine-Krieges aufgerüttelt. Und während überall von explodierender Nachfrage, Lieferschwierigkeiten und langen Wartezeiten zu lesen ist, haben meine Eltern über das deutsche Energie-Einhorn Enpal mittlerweile eine Solaranlage auf dem Dach – innerhalb von knapp drei Monaten von der ersten Anfrage bis zur ersten Stromproduktion. Ich habe den Prozess in den vergangenen Wochen aus nah und fern mitverfolgt und mir ihre erste Einschätzung geben lassen.

„Wir wollten kein großes Geld verdienen, sondern uns unabhängiger machen“, erklärt mein Vater mir den Schritt zu der Installation. Klimaschutz, ein künftiges E-Auto und die Wertsteigerung des Hauses spielten natürlich auch eine Rolle – schließlich sind beide Mitte 60.

Enpal war nicht ihre erste Anlaufstelle. Bevor sie auf die Website des Startups aufmerksam geworden waren, hatten sie schon bei mehreren Anbietern in ihrer Region angefragt. Allerdings mit wenig Erfolg: Bei einigen sei die Antwort ganz ausgeblieben, andere hätten abgesagt, weil sie keine Kapazität hätten. Einer habe ihnen geantwortet, dass der Auftrag vor Beginn von Krieg und Krise kein Problem gewesen wäre. Danach sei auch bei ihm die Zahl der Anfragen explodiert.

Anfang Juli: Die Kontaktaufnahme

Das fertige Werk: Neun Solarpaneele auf der Vorderseite und neun auf der Rückseite des Hauses. Warum oben rechts keine letzte Kachel verbaut wurde, bleibt mir ein Rätsel. - Copyright: Gründerszene
Das fertige Werk: Neun Solarpaneele auf der Vorderseite und neun auf der Rückseite des Hauses. Warum oben rechts keine letzte Kachel verbaut wurde, bleibt mir ein Rätsel. - Copyright: Gründerszene

Die beiden entschlossen sich am 1. Juli also, ein Angebot von Enpal einzuholen. Auf der Website seien dazu zunächst einige Basics abgefragt worden: Sattel- oder Flachdach beispielsweise, Dachfenster, Anzahl der Bewohner und das Verbraucherverhalten. "Gratulation" habe es am Ende geheißen, eine Solaranlage könne zwischen 22.000 und 27.000 Euro Stromkosten einsparen. In welchem Zeitraum, ob in der Lebensdauer der Paneele, in zehn oder 20 Jahren, solche Informationen fehlten allerdings im Sales-Pitch des Startups.

Die beiden müssten erste Bilder ihres Hauses mit Dach hochladen und bereits Angaben zu ihren Wünschen machen, hieß es. Auch wenn sie Rentner und dementsprechend tagsüber oft zuhause sind, wollten sie einen Batteriespeicher dazu – und natürlich eine Wallbox, also eine Ladestation für ein künftiges Elektroauto. Schon ohne einen Stromer liegt ihr Bedarf im 120-Quadratmeter-Haus aber mit 3.200 Kilowattstunden im vergangenen Jahr leicht über dem Durchschnitt.

Nach der ersten Kontaktaufnahme dann der Verkaufsprozess – mit einer ganzen Reihe von Videocalls. Meine Eltern erhielten zunächst einen Termin mit einem Berater aus dem Sales-Team. In Verkaufsgespräch Nummer eins führte sie der Mitarbeiter durch die eigens generierte Powerpoint-Präsentation. Da seien die hochgeladenen Bilder des Hauses mit eingebaut gewesen, die Enpal direkt per Bildbearbeitung mit PV-Paneelen bestückt hat.

Trotz standardisierter Prozesse beim Energie-Startup hätten sich meine Eltern kompetent und vor allem individuell beraten gefühlt, erzählen sie mir. Vorläufiger Vorschlag von Enpal: 20 Paneele mit einer Gesamtleistung von 7,6 Kilowatt-Peak, dazu Wechselrichter und Energiespeicher von Huawei und eine Elf-Kilowatt-Wallbox von Starcharge.

Wechsel des Stromtarifs

Am Ende des Gespräches seien sie jedoch stutzig geworden, erzählen sie. Der Grund: Sie sollten direkt online einige Anträge freigeben. Neben dem Mietantrag unter anderem einen Gebäudenutzungsvertrag und eine Netzbetreibervollmacht, damit Enpal beispielsweise Informationen vom aktuellen Stromanbietern einholen dürfe.

Sie fühlten sich – auch angesichts der Flut an Informationen vorher – überrumpelt und mochten die Anträge lieber genau durchlesen, bevor sie etwas unterschreiben. So könnten sie in einem zweiten Termin etwaige Fragen klären, schlugen sie vor. Der Verkäufer sei zwar kurz überrascht gewesen, erzählt meine Mutter, habe dann aber sofort zugestimmt und alles per Mail rübergeschickt. „Wir haben uns letztlich nie gedrängt oder gar über den Tisch gezogen gefühlt“, erzählt sie. „Das waren ausführliche und sehr informative Gespräche.“

Tatsächlich unterschrieben meine Eltern im zweiten Anlauf die meisten Anträge, haben zwischen den Telefonaten aber einen Punkt gefunden, der ihnen nicht gefällt. Zwar handelt es sich noch nicht um einen endgültigen Vertrag, aber schon hier sei der Hinweis enthalten gewesen, dass die beiden für die Stromversorgung zu Enpal Energy wechseln würden. Soll heißen: Wenn die Solarpaneele gerade nicht genug produzieren und der Speicher leer wäre, bezögen sie den Strom aus dem Netz über Enpals Tarif. Mit 51 Cent pro Kilowattstunde im ersten Jahre wäre der rund sechs Cent teurer gewesen als der ihres örtlichen Grundversorgers.

Zum Vergleich: Laut dem Vergleichsportal Verivox lag der durchschnittliche Strompreis in Deutschland im September bei 51,59 Cent. Im Juli – zum Zeitpunkt des Gespräches – sind es 38,53 Cent. Im zweiten Videocall ist es aber kein Problem, einen Tarifwechsel schon zu diesem Zeitpunkt auszuschließen.

Ein Gutachter, der nicht selbst begutachtet

Auch gen Osten, auf der Rückseite des Hauses, sind es nur neun statt ursprünglich zehn geplanter Paneele. - Copyright: Gründerszene
Auch gen Osten, auf der Rückseite des Hauses, sind es nur neun statt ursprünglich zehn geplanter Paneele. - Copyright: Gründerszene

Trotzdem: Bis zur Unterschrift der ersten Anträge hat es nicht einmal zwei Wochen gedauert. Noch einmal zwei Wochen später, Ende Juli also, kam ein Enpal-Mitarbeiter vorbei, um das Haus zu begutachten, ein ehemaliger Stahlarbeiter, wie meine Eltern erzählen. Wie die anderen Monteure hat er dem Unternehmen zufolge auf Enpals Akademie eine Fortbildung absolviert, mit der die Firma seine eigenen Fachkräfte ausbildet. Enpal setze dabei sehr stark auf Quereinsteiger, um den Fachkräftemangel zu umgehen. Auch Langzeitarbeitslose oder Köche seien beispielsweise unter den Montage-Mitarbeitern, wie Manuel Lippert, Chef der Enpal-Montagegesellschaft, im Januar der Wirtschaftswoche erklärte.

Beim Ortsbesuch habe sich auch schon ein Prinzip der späteren Montagearbeiten gezeigt: Die Mitarbeiter waren den Schilderungen meiner Eltern zufolge mit einem Smartphone und einer firmeneigenen Software ausgestattet, die Arbeitsschritte standardisiert, jeder Mitarbeiter dokumentierte jeden Schritt per Foto, das dann zum Qualitätsmanagement zentral bei Enpal gespeichert wurde. Der Begutachter ging das ganze Haus ab, maß und zählten alles genau: von den Dachziegeln bis zum Platz im Keller, wo Wechselrichter und Speicherbatterie unterkommen sollen.

Für meine Eltern sei das gewöhnungsbedürftig gewesen. Denn einerseits sei der Mitarbeiter die erste reale Ansprechperson des Unternehmens außerhalb der Video-Calls gewesen. Andererseits habe er ihnen nicht sagen können, ob das Vorhaben so umsetzbar sei wie angekündigt. Er übernahm nur die Messung, die Entscheidung fiel in der Zentrale in Berlin. Auch in einigen Rezensionen zu Enpal auf Google oder dem Portal Trustpilot beschweren sich Kunden über solche standardisierten Verfahren: So heißt es bei einigen, ihre Anträge seien von Enpal als nicht realisierbar abgelehnt worden – obwohl Nachbarn mit den gleichen Bedingungen von anderen Anbietern problemlos Anlagen erhalten hätten. Die Möglichkeit für Rückfragen oder individuelle Anpassungen habe es aber nicht gegeben.

Kosten: Rund 54.000 Euro in 20 Jahren

Bei meinen Eltern kamn die Bestätigung postwendend – in einem nächsten Videocall. Mittlerweile war es Anfang August. Es gab wieder eine eigene kleine Präsentation. Alles sei machbar, hieß es dort. Nur zwei kleinere Veränderungen sollte es geben: Statt 20 könnten nur 18 Paneele mit 6,84 Kilowatt-Peak installiert werden. Fertig montiert sah es später aber aus, als wäre eigentlich noch genug Platz auf dem Dach gewesen. Der Grund für die Anpassung wurde nicht genannt. Zweite Änderung: Ein größerer Speicher mit zehn statt fünf Kilowattstunden Kapazität sollte her. Das sei für die Zahl der Paneele besser, lautete die Begründung.

Der Preis hatte es in sich: Rund 188 Euro zahlen meine Eltern nun in den ersten beiden Jahren monatlich an Miete für die Anlage. Nach den ersten 30 Monaten werden es sogar knapp 230 Euro im Monat sein. Bei der Enpal-typischen Mietlaufzeit von 20 Jahren kommt man damit auf Gesamtkosten von knapp 54.000 Euro – inklusive des symbolischen Euros, wenn meine Eltern Enpal die Anlage nach Ende der Laufzeit abkaufen wollen.

Kaufen wäre in der Anschaffung zunächst deutlich günstiger gewesen. Das haben auch meine Eltern recherchiert. Vergleichbar leistungsfähige Anlagen habe es bereits zwischen 25.000 und 35.000 Euro gegeben. Meinen Eltern war aber der Komfort wichtiger: „Wir wollten von vornherein nicht kaufen“, sagt mein Vater. Dann wären die beiden nach der Installation nämlich selbst für die Technik zuständig gewesen: Versicherungen abschließen, bei Defekten die Garantie geltend machen, Handwerker organisieren. „Wir wollten, dass es läuft und dass sich jemand darum kümmert, dass es auch weiter läuft“, sagt er.

Vertragsabschluss per Video-ID

Der Vertragsabschluss mit Enpal wurde am 9. August bestätigt. Sämtliche Unterschriften mussten meine Eltern digital tätigen, per Videoidentifikation über IDNow. Nicht gerade einfach für zwei Personen Mitte 60, zumal es während der Calls auch zu den üblichen Problemen wie Verbindungsabbrüchen gekommen sei. Dass meine Mutter den Prozess ohne meinen technikaffinen Vater geschafft hätte, wage ich zu bezweifeln.

Der Montagetermin fiel letztlich auf den 14. September. Meine Eltern sollten sich auch den Folgetag freihalten. Tatsächlich war ich am Montagetag selbst bei meinen Eltern zu Besuch. Ich kam gegen Mittag an und freute mich, beim Aufbau zusehen zu können – doch der war schon so gut wie fertig. Die spiegelglatten Oberflächen der Paneele blitzten mir schon vom Dach entgegen, die Transporter des fünfköpfigen Teams waren schon wieder beladen. Nur im Keller wurde noch gebohrt, um Speicher und Wechselrichter anzubringen.

Das Gehirn der Anlage liegt im Keller. Wechselrichter und Speicher (rechts) kommen vom chinesischen Hersteller Huawei. - Copyright: Gründerszene
Das Gehirn der Anlage liegt im Keller. Wechselrichter und Speicher (rechts) kommen vom chinesischen Hersteller Huawei. - Copyright: Gründerszene

Auch hier waren den Mitarbeitern alle Schritte wieder per App vorgegeben, sie dokumentierten ihre Arbeit in der App – ein Großteil des Teams sei erst ein halbes Jahr bis acht Monate dabei und habe vorher die Fortbildung von Enpal durchlaufen, wie mir auf Nachfrage erzählt wurde. Patzer passierten aber, wovor mein Vater Angst hatte. Er ist selbst handwerklich versiert und hatte einige Online-Bewertungen gelesen. Von verhunzten Bohrlöchern und allgemein unfähigen Monteuren sei dort die Rede gewesen. Doch bei meinen Eltern verlegten die Enpal-Mitarbeiter lediglich das Bodenkabel zur Garage ohne die nötige Plastikhülle, was der Elektriker im nächsten Schritt korrigierte. Ansonsten lief alles reibungslos und überraschend schnell.

Netzanschluss kann zum Problem werden

Dann hieß es erstmal: Warten. Einerseits auf den Anschluss durch den Elektriker, der bereits gut eine Woche später kommen sollte. Andererseits auf die Bestätigung durch den zuständigen Netzbetreiber. Zwischen drei und zwölf Wochen könne das dauern, hieß es in der Mitteilung von Enpal. Vorher könne die Anlage nicht in Betrieb genommen werden.

Gerade bei Käufern von Solaranlagen gerät dieser vor allem bürokratische Akt gerne zum Nadelöhr. Da können fertig montierte PV-Anlagen schonmal mehrere Monate auf dem Dach stehen, bevor die nötige Freigabe vorliegt. Vorteil bei Enpal: Das Startup übernimmt den Papierkram für den Mieter, sowohl beim Netzbetreiber als auch bei der Bundesnetzagentur. Und Kunden müssen erst zahlen, wenn die Paneele wirklich laufen, also ans Stromnetz angeschlossen sind und produzieren. Nur um das Finanzamt müssen sich die Mieter selbst kümmern.

Direkt angeschlossen und angelaufen

Bei meinen Eltern kam die Überraschung mit dem Elektriker: Der prüfte die Arbeit seiner Vorgänger – wobei er neben dem Fehler beim Bodenkabel einen losen Anschluss fand und dokumentierte – und schloss alles final an. Da teilte ihm die Software mit: Alle Genehmigungen lägen bereits vor, die Anlage könn bereits ans Netz.

Mit ihrer neuen Wallbox in der Garage wollen meine Eltern für ein künftiges Elektroauto gerüstet sein. - Copyright: Gründerszene
Mit ihrer neuen Wallbox in der Garage wollen meine Eltern für ein künftiges Elektroauto gerüstet sein. - Copyright: Gründerszene

Vom der ersten Kontaktaufnahme Anfang Juli bis zur Inbetriebnahme am 24. September hat der Prozess also nicht einmal drei ganze Monate gedauert. Seitdem produziert die Anlage Strom und speichert sie in der mitgelieferten Batterie. Alles viel Aufregung und Umstellung, sagen meine Eltern: Über die App des Anbieters könnten sie nun jederzeit die aktuelle Leistung der Anlage und den Akkustand des Speichers checken – und planten danach den Einsatz von Großgeräten wie Spülmaschine, Waschmaschine und Trockner. „Hier geht es nicht mehr danach, wann die Maschine voll ist, sondern wann der Speicher voll ist“, sagt meine Mutter schmunzelnd. Waschtage würden also auch mit Blick auf den Wetterbericht geplant.

Wirtschaftlich lässt sich das ganze nach so kurzer Zeit natürlich noch nicht beurteilen. Bisher hat die Anlage 45 Kilowattstunden überproduziert und in das Stromnetz eingespeist – aber auch zukaufen mussten meine Eltern bereits rund zwölf Kilowattstunden. Sparen können sie bislang aber ohnehin nicht, da sie neben der Miete an Enpal bisher auch noch den normalen Abschlag an ihren Stromanbieter weiterzahlen. Doch trotz des eher düsteren Herbstwetters sind sie zufrieden: Auch an nicht ganz so dunklen, bewölkten Regentagen kommt die Anlage in Gang und füllt den Speicher durchaus mal um 40 Prozent.