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Logistiker Hellmann startet Verteilung von Moderna-Vakzin in Deutschland

Schlautmann, Christoph
·Lesedauer: 3 Min.

Seit Dienstag werden Impfdosen des US-Herstellers an die Zentren der Bundesländer geliefert. Logistisch verantwortet das eine Spedition aus Osnabrück.

Höchste Geheimhaltung war angesagt, von wo aus Deutschlands Bundesländer zentral ihren Corona-Impfstoff beziehen. Aus Furcht vor Anschlägen und Sabotage mahnte die Bundesregierung alle Beteiligten zur äußersten Verschwiegenheit. Inzwischen aber sickerte der Standort durch: Es ist die Artlandkaserne im niedersächsischen Quakenbrück, die sämtliche zugelassenen Impfstoffe hortet, um sie von dort aus an die Bundesländer zu verteilen.

Am Dienstagmorgen startete in Quakenbrück erstmals auch die Distribution des Moderna-Vakzins, des zweiten in der EU zugelassenen Sars-CoV-2-Impfstoffs nach dem von Biontech/Pfizer. Verantwortlich für den Großteil der Logistik: der Osnabrücker Speditionskonzern Hellmann Worldwide, der gleich am ersten Tag 14 Bundesländer in sieben Doppeltouren ansteuerte. „Die Zusammenarbeit mit der Bundeswehr und den Behörden hat dabei hervorragend geklappt“, sagte Matthias Magnor, Chief Operating Officer des Osnabrücker Speditionskonzerns Hellmann, am Dienstagabend dem Handelsblatt.

Dabei ist die Logistik keineswegs trivial. Sämtliche Transporte werden aus Sicherheitsgründen von der Bundespolizei begleitet, der Impfstoff von Biontech/Pfizer ist auf der Fahrt quer durch die Republik zudem mit Tiefkühlfahrzeugen zu transportieren, die eine dauerhafte Minustemperatur von mindestens 20 Grad sicherstellen.

Und erst in den Weihnachtstagen hatte die Osnabrücker Spedition von ihrem prestigeträchtigen Job erfahren. „Wir mussten unsere Flotte an Kühlfahrzeugen innerhalb kürzester Zeit aufstocken. Alle Fahrzeuge sind mit GPS und Temperaturüberwachung ausgestattet, sodass neben dem Materialfluss auch ein durchgängiger Informationsfluss sichergestellt ist“, berichtet Magnor. Inzwischen stünden 16 Kleintransporter bereit.

Enge Kontakte zur Bundeswehr

Dass ausgerechnet Hellmann den Auftrag bekam, dürfte an den guten Kontakten der Osnabrücker zur Bundeswehr liegen. Denn tatsächlich war es das Verteidigungsministerium, das vor wenigen Tagen den Job für die Impfstoff-Belieferung der Bundesländer vergab – in Form einer Amtshilfe für das Bundesgesundheitsministerium.

Für die Hardthöhe ist der 1871 gegründete Familienbetrieb mit 10.743 Mitarbeitern und 2,4 Milliarden Euro Umsatz ein guter Bekannter. Schon den Teilabzug der Bundeswehr aus dem afghanischen Masar-e Scharif hatte Hellmann logistisch unterstützt.

Den kompletten Auftrag erhielten die Osnabrücker jedoch nicht. Für Impfstoff-Lieferungen nach Niedersachsen und Baden-Württemberg ist die Post-Tochter DHL verantwortlich. Auch für den Transport von den zentralen Landesstellen zu den einzelnen Impfzentren sind zum Teil andere Wettbewerber zuständig. In Berlin etwa der schwäbische Logistiker Dachser, in Nordrhein-Westfalen der Schweizer Speditionsriese Kühne + Nagel.

Nur in Bremen lieferte Hellmann das Moderna-Serum direkt an das Impfzentrum, jedoch eher durch Zufall: Die dortigen Messehallen sind landesweites Zwischenlager und Impfstoffzentrum in einem.

Über das deutsche Zentrallager in Quakenbrück will sich Hellmann-COO Magnor nicht äußern, der Standort ist offiziell immer noch geheim. Das Bundeswehr-Depot, das massiv von Soldaten beschützt wird, gilt trotz seiner abgelegenen Lage dennoch als bestens geeignet für die schwierige Logistikaufgabe.

Eingerichtet ist die Artlandkaserne seit Langem als Versorgungs- und Instandhaltungszentrum für Sanitätsmaterial. Nicht nur die deutsche Marineflotte wird von Quakenbrück aus versorgt, sondern auch das deutsche Militärkontingent in Mali.