Deutsche Märkte geschlossen
  • Nikkei 225

    29.161,80
    +213,07 (+0,74%)
     
  • Dow Jones 30

    34.232,93
    -246,67 (-0,72%)
     
  • BTC-EUR

    32.941,02
    +1.827,71 (+5,87%)
     
  • CMC Crypto 200

    998,43
    +29,59 (+3,05%)
     
  • Nasdaq Compositive

    14.122,64
    +53,22 (+0,38%)
     
  • S&P 500

    4.236,03
    -11,41 (-0,27%)
     

Lobby-Arbeit statt Abi-Party: So will Deutschlands oberster Schülervertreter jungen Leuten in der Pandemie Gehör verschaffen

·Lesedauer: 3 Min.
Dario Schramm ist seit Oktober Generalsekretär der Bundesschülerkonferenz
Dario Schramm ist seit Oktober Generalsekretär der Bundesschülerkonferenz

Es sind intensive Tage für Dario Schramm in Berlin. "Ursprünglich hatte ich einen festen Termin für zwei Tage geplant, jetzt ist es ein 48-Stunden-Burn-Out-Trip geworden", erzählt er im Gespräch mit Business Insider. Anfang der Woche ist er aus seiner Heimatstadt Köln in die Hauptstadt gereist. Dort ist er zu einem gefragten Gesprächspartner geworden. Denn Schramm ist Generalsekretär der Bundesschülerkonferenz und damit quasi oberster Klassensprecher für mehr als zehn Millionen junger Menschen in Deutschland.

Was also macht ein Klassensprecher? Er spricht Probleme an und will sie lösen. Der erste Teil klappt schon ganz gut, gerade in der Pandemie ist Schramm in den Medien präsent. Auch mit Politikern ist er im Gespräch, im Februar traf er FDP-Chef Christian Lindner, der hinterher auf Instagram kommentierte "Danke für deinen Besuch!". Bei der aktuellen Reise hatte Schramm wieder Termine im Bundestag. Sein Ziel: Die Bundesschülerkonferenz soll mehr Gewicht bekommen und der Verband in Zukunft besser arbeiten können. Über weitere Details schweigt er sich aus.

Was muss sich aktuell für Schüler verbessern? Schramm trommelt für bessere Digitalisierung an Schulen, besseren Infektionsschutz und seit kurzem auch für mobile Impfteams, die Biontech auf Schulhöfen verabreichen.

https://www.instagram.com/p/CLosxy8Fp3-/

Wer sich für solche Ziele einsetzt, hat einen vollen Kalender. In diesem Jahr macht der 20-Jährige das Abitur, doch oft gibt er Interviews schon vor der ersten Schulstunde. Anfragen und Mails beantwortet er auch schon mal während des Unterrichts, wie er zugibt. Nachmittags folgen Pressearbeit und abends digitale Veranstaltungen. Inzwischen hat er zwar die letzte Klausur geschrieben, doch die Arbeit geht weiter. "Meine Freunde feiern jetzt im Sommer ihr Abi, ich mache Lobbyarbeit."

Dazu gehört für Schramm, Lobbyist der Jugend, auch die Imagepflege: Nein, seine Generation sei nicht "abgehängt" wegen Corona, sagt er. Zwar sei viel Unterricht ausgefallen, doch dadurch hätten junge Menschen keinen Nachteil – es sei genau umgekehrt, betont er: "Durch Corona haben wir digitale Skills gelernt, die immer schon nützlich gewesen wären", sagt er. Auf Nachfrage gibt er zu, dass es wahrscheinlich Lücken beim vermittelten Stoff gebe, was aber kaum ins Gewicht falle.

Wichtiger als ein paar versäumte Lerneinheiten sei ohnehin, dass bald wieder Normalität für die Schüler herrsche, denn Unterricht zu Hause sei eine Belastung gewesen. Er fordert mehr Sozialarbeit an Schulen. "Psychische Probleme bei jungen Menschen haben während Corona stark zugenommen, hier muss es mehr Angebote geben, auch digital", sagt Schramm.

Schlechtes Zeugnis für die Bildungspolitik in Deutschland

Der 20-Jährige ist ein geschickter Vermittler seiner Anliegen. Gut im Thema, redegewandt, erfahren im Umgang mit Medien. Doch dort, wo sein Aktivismus Veränderungen anstoßen soll, stößt er schnell an Grenzen, wie er selbst feststellt. "Wir bekommen immer wieder gesagt 'Toll, dass ihr euch engagiert' – aber wirklich ernst genommen oder auf unsere Wünsche gehört, wird selten", erzählt Schramm. Es ist ein Problem, das junge Menschen oft haben. Man zeigt sich gern mit ihnen, lädt sie ein, hört ihnen zu – und am Ende bleibt alles beim Alten. "Manchmal wird nach der Meinung auch erst gefragt, nachdem die Entscheidung gefallen ist", berichtet Schramm.

Ohnehin müssen Schüler mit dem zurechtkommen, was Jahre vorher bei Digitalisierung und Modernisierung versäumt wurde. Und das ist eine Menge, entsprechend hart fällt Schramms Urteil in der Corona-Pandemie aus: "Es gab auf lokaler Ebene einzelne Schulen, die viel bewegt haben, aber es gibt kein einziges Bundesland, das man im Bildungsbereich als Positivbeispiel nennen könnte." Das könne man allerdings nicht allein den derzeitigen Landesregierungen anlasten. Es waren Generationen von Bildungsministern, die aus seiner Sicht nicht genug getan haben. Im Bildungsbereich mahlen die Mühlen langsam, zudem mischen viele Interessen mit: Bund, Länder, Lehrergewerkschaften, Elternverbände. Ein Schülervertreter ist eine leise Stimme unter vielen. Wenn man sich in dem Feld Gehör verschaffen kann, ist das schon eine Menge.

Und was kommt nach der Schule? Schramms Amtszeit als Generalsekretär bei der Bundesschülerkonferenz läuft bis zum November, bis dahin macht er weiter. Nach seinen persönlichen Zielen gefragt, reagiert ausweichend. "Irgendwas mit Kommunikation" wolle er machen. Mehr ist ihm nicht zu entlocken.