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Linke fordert Aufklärung über Maskendeal von Tochter von Ex-CSU-Generalsekretär

·Lesedauer: 3 Min.
Schutzmasken

Die Linke fordert Aufklärung über einen Maskendeal, für dessen Vermittlung die Tochter des früheren CSU-Generalsekretärs Gerold Tandler Millionen-Provisionen bekommen haben soll. Laut Berichten von NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung" soll Andrea Tandler zwei Schweizer Jungunternehmern und deren Firma Emix geholfen haben, Corona-Schutzmasken aus China an deutsche Ministerien zu verkaufen. Dafür habe sie Provisionen in zweistelliger Millionenhöhe erhalten. Linken-Fraktionsvize Fabio de Masi forderte am Samstag, das Geld müsse vollständig an den Bundeshaushalt gestiftet werden.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte gegenüber dem Bundestags-Haushaltsausschuss angegeben, dass ihn Tandler im März 2020 über das Angebot der Firma Emix informiert habe. Es war einer der größten Maskendeals im Zuge der Corona-Pandemie. Für mehr als 670 Millionen Euro kaufte Deutschland persönliche Schutzausrüstung bei Emix ein, deren beide Betreiber damit vermutlich 130 bis 200 Millionen Euro verdienten, wie NDR, WDR und "SZ" berichteten.

Zustande gekommen war der Kontakt zu Emix demnach über Andrea Tandler, wiederum vermittelt durch die CSU-Europaabgeordnete Monika Hohlmeier, Tochter von Franz Josef Strauß. Hohlmeier und Tandler sind dem Bericht zufolge "bestens bekannt".

Hohlmeier habe zwar mit Kontakten geholfen, aber nichts an dem Geschäft verdient, berichteten WDR, NDR und "SZ" weiter. Andrea Tandler sollte dagegen mit ihrer PR-Firma Little Penguin GmbH zwischen fünf und 7,5 Prozent Honorar und Provision von Emix bekommen, je nach Geschäft. Gemessen an der Gesamtsumme mit deutschen Ministerien hätte die PR-Firma dem Bericht zufolge somit Anspruch auf 34 bis 51 Millionen Euro aus den Maskendeals. Ein großer Teil davon soll demnach auch geflossen sein - letztlich Steuergeld.

Tandler selbst und ihre Rechtsanwältin äußerten sich auf Anfrage von WDR, NDR und "SZ" nicht zum Honorar, ebenso wenig wie die Firma Emix. Letztere habe lediglich mitgeteilt, dass Tandler als "Projektmitarbeiterin" für Emix gearbeitet habe. Sie war demnach "nicht nur eine Vermittlerin, sondern hat alle logistischen Herausforderungen wie zum Beispiel Liefer- und Flugpläne der eigens von Emix gecharterten Flugzeuge mit den abnehmenden Ministerien in Deutschland koordiniert".

Masken verkaufte Emix nicht nur an das Bundesgesundheitsministerium, sondern auch an das bayerische und das nordrhein-westfälische Gesundheitsministerium. Das NRW-Ministerium räumte demnach auf Nachfrage ein, dass die von Emix bezogenen Masken am teuersten waren: "9,90 Euro pro Stück war der höchste Kaufpreis für KN95-Masken, der während der Beschaffungsnotlage in der Pandemie bezahlt wurde."

Dem Bericht zufolge gönnten sich die beiden 23 und 24 Jahre alten Schweizer Jungunternehmer von dem Geld für den Masken-Deal Luxusautos der Marken Ferrari und Bentley. Den Kauf der Autos sähen sie inzwischen als "Fehler" an.

Auf Anfrage von WDR, NDR und "SZ" teilten sie zugleich mit, sie hätten für das Geld auch viel geleistet: "Emix übernahm bei ihren Lieferungen einerseits das Risiko von Exportbeschränkungen sowie weitere Kosten etwa für Zwischenlager, Transport und Logistikkapazitäten, die zu diesem Zeitpunkt äußerst schwer zu beschaffen und extrem teuer waren." Außerdem habe Emix beim Verkauf der Masken und Schutzkleidung "stets innerhalb des aktuellen Marktpreises" gelegen.

De Masi sprach von einer "Art legalen Clankriminalität". Dies verdeutliche, "wie hoch die Marge und somit wie überteuert die Masken waren". Der Linken-Politiker forderte Unionskanzlerkandidat Armin Laschet und CSU-Chef Markus Söder auf, Druck auf Tandler auszuüben, "dass die Provisionen für Maskendeals vollständig an den Bundeshaushalt gestiftet werden". Es dürfe nicht sein, "dass sich das politische Umfeld der Union die Taschen vollmacht, während unser Kleingewerbe absäuft."

cha/gt