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Liebe ich meinen Partner noch? Eine Paartherapeutin erklärt, warum es okay ist, keine Schmetterlinge mehr zu spüren

Liebe wird oftmals mit einem Bauchkribbeln gleichgesetzt. Was aber, wenn das in einer langjährigen Beziehung ausbleibt? (Symbolbild)  - Copyright: Getty Images/ Willie B. Thomas
Liebe wird oftmals mit einem Bauchkribbeln gleichgesetzt. Was aber, wenn das in einer langjährigen Beziehung ausbleibt? (Symbolbild) - Copyright: Getty Images/ Willie B. Thomas

Hattet ihr bereits eine langjährige Beziehung? Dann werdet ihr wissen, dass diese mit Veränderungen einhergeht. Angefangen damit, dass ungefähr nach einem Jahr die rosarote Brille und die Schmetterlinge im Bauch weichen – und man sich vor der Herausforderung wiederfindet, als Paar im Alltag zu funktionieren. Nun gilt es, mit den Marotten des anderen klarzukommen, Kompromisse einzugehen und Zweifeln standzuhalten. Ein häufiger Zweifel lautet etwa: Liebe ich meinen Partner überhaupt noch (genug)? Im Interview hat uns die Paartherapeutin Sharon Brehm erklärt, dass es aufgrund schwindender Hormone völlig natürlich ist, sich diese Frage zu stellen – und dass Schmetterlinge im Bauch nicht ewig bleiben.

Zweifel in der Beziehung sind völlig normal – laut Sharon Brehm

In Beziehungen können immer mal wieder Zweifel aufkommen. Vielleicht habt ihr euch am Anfang trotz überschwappenden Glücks auch schon mal gefragt, ob nicht alles etwas zu schnell geht, ob ihr nicht zu viel Zeit miteinander verbringt oder ob der oder die andere überhaupt zu euch passt. Im Laufe der Beziehung wurden diese Zweifel womöglich durch andere ersetzt: Hat das mit uns eine Zukunft? Ist er oder sie der oder die „Eine“?

Die Paartherapeutin Sharon Brehm, die Paare in ihrer Münchener Praxis zu mehr Intimität und emotionaler Bindung verhilft, weiß um solche Zweifel in Beziehungen nur zu gut. Sie sagt: „Auch in der allerschönsten und besten Beziehung können Zweifel vorkommen. Das kann verwirrend sein, vor allem wenn überhaupt nichts Schlimmes passiert ist.“ In der Folge könne es passieren, dass man denkt, irgendetwas stimme nicht. Ein Grund zur Sorge seien solche Zweifel aber keineswegs.

So zeigt auch eine Elitepartner-Erhebung aus dem Jahr 2017, dass Zweifel zwar ein Tabuthema, aber trotzdem völlig normal sind. 23 Prozent der Befragten gaben demnach an, ab und an zu zweifeln, ob der andere der Richtige sei. In der Ehe nehmen diese Zweifel tendenziell ab: Hier zweifelt nur jeder Fünfte dann und wann an der Beziehung.

Brehm versteht Zweifel sogar als etwas Gewinnbringendes. „Man sollte sie eher als Möglichkeit verstehen, die Beziehung zu entwickeln“, sagt sie. Immerhin könnten sie aufzeigen, woran es in der Partnerschaft mangele und woran man arbeiten könne. Wie aber steht es um Zweifel, die das betreffen, was für viele als das Fundament einer Beziehung gilt? Was, wenn man daran zweifelt, ob man den anderen noch (genug) liebt?

Liebe ich den anderen genug, um mit ihr oder ihm eine Beziehung zu führen?

Was euch bei diesem Zweifel in erster Linie helfe, sei eine nüchterne Betrachtung der Fakten. Brehm erklärt, dass am Anfang einer Beziehung ein Hormoncocktail aus Dopamin, Serotonin, Adrenalin und Oxytocin wirke. All das seien Hormone, die glücklich machen, Energie geben und euch kuschelbedürftig werden lassen. Langfristig fallen all diese Hormone aber weg – und das sei auch gut so.

Brehm sagt: „Es sind genau diese Hormone, die am Anfang das Gefühl von Schmetterlingen im Bauch auslösen. Würde der Adrenalinspiegel aber auch weiterhin hoch sein, würde uns das stressen und unruhig machen.“ In der anfänglichen Verliebtheitsphase brauche man keinen Schlaf, sei aber auch nicht sonderlich produktiv. Immerhin könne man sich vor lauter Schmetterlingen kaum konzentrieren und sei in Gedanken ständig beim anderen. Verweile man permanent in diesem Zustand, bleibe das restliche Leben aber auf der Strecke. Kein Mensch ist also dafür gemacht, sich permanent im Liebestaumel zu befinden.

Liebe: ein biochemischer Prozess

Liebe ist folglich keine Magie, wie Disneyverfilmungen es euch allzu gern weismachen. Sie ist vielmehr ein biochemischer Prozess, der in eurem Gehirn vonstattengeht. Wie und wo genau Liebe im Gehirn entsteht, untersuchte unter anderem die Anthropologin Helen Fischer in einer Studie. Sie fertigte 2500 MRT-Scans von Frischverliebten an, um herauszufinden, was sich genau in ihren Gehirnen abspielte. Dafür zeigte man den Probandinnen und Probanden Bilder ihrer Partnerinnen oder Partner sowie von völlig Fremden.

Das Ergebnis? Vor allem zwei Hirnareale wurden bei den Bildern der Angebeteten aktiv: das Belohnungszentrum Nucleus Caudatus und der für das Vergnügen zuständige ventrale Tegmentbereich. In beiden Arealen wird Dopamin produziert, welches unter anderem dafür sorgt, dass wir uns ständig nach dem Anderen sehnen.

Allerdings zeigte sich auch, dass dieser hormonelle Verliebtheitszustand nach maximal drei Jahren vorbei ist. Lediglich der Botenstoff Oxytocin tritt in diesem Stadium der Beziehung stärker in den Vordergrund, welcher Gefühle der Zufriedenheit, Gelassenheit und Geborgenheit begünstigt – die idealen Voraussetzungen für eine stabile Beziehung. Umgangssprachlich wird dieser Botenstoff auch als Kuschelhormon bezeichnet, weil er hierbei und beim Orgasmus vermehrt ausgeschüttet wird. Im Laufe der Beziehung kann aber auch das Oxytocin nachlassen.

Warum es okay ist, wenn die Schmetterlinge ausbleiben

Nach dem anfänglichen Gefühlsrausch müsst ihr in eurer Beziehung also mit einer gewissen hormonellen Leere klarkommen. Und genau hierin liegt laut Sharon Brehm die Krux. So hätten euch Medien und Erzählungen eingetrichtert, dass ein Bauchkribbeln mit Verliebtheit gleichzusetzen ist. Bleibt dieses Kribbeln nun aufgrund dieser hormonellen Leere aus, könne sich das für euch schnell so anfühlen, als wärt ihr gar nicht verliebt. Dabei sei lediglich der „Unsicherheitsfaktor“ weggefallen. Die Folge? Zweifel können aufkommen.

„Deswegen ist es sinnvoll, eine Beziehungsform oder eine Form von Liebe zu entwickeln, die sich nach Verbundenheit, Geborgenheit und Lust anfühlt, ohne verblendet von den eigenen Hormonen zu sein“, so Brehm. Wie das gelingen kann? In erster Linie, indem ihr euch selbst die Frage stellt, warum ihr eure Beziehung überhaupt führt.

Brehm zufolge gibt es dafür unterschiedliche Gründe: Manche mögen den Partner einfach, andere wollen nicht allein sein, wieder andere brauchen schlicht einen Lebensgefährten zum Kinderzeugen – und manchmal kommen auch viele Gründe zusammen. Brehm sagt: „Wenn ich eine Beziehung führe, weil ich mein Leben mit jemandem teilen möchte, dann sollte es in Ordnung sein, auch mal keine Schmetterlinge zu spüren.“

Liebe bedeutet mehr als ein paar Schmetterlinge

Damit wird deutlich, dass eine glückliche Beziehung sich nicht allein auf die Hormone verlassen kann. Sie bedeutet vor allem eines: harte Arbeit. Wollt ihr also langfristig zusammenbleiben und nicht länger daran zweifeln, ob ihr den anderen noch liebt, müsst ihr einiges investieren, um Leidenschaft, Zuneigung und emotionale Nähe zu spüren.

Was dabei hoffnungsvoll stimmt: eine Studie aus dem Jahr 2011, die an der Stony Brook University durchgeführt wurde und die offenlegte, dass man auch nach Jahrzehnten in einer Beziehung verliebt sein kann. MRT-Scans zeigten hier, dass dopaminreiche Areale des Gehirns genauso aktiv waren wie bei Paaren, die sich gerade erst verliebt hatten. Auch wenn das ständige Verlangen und die Schmetterlinge im Bauch nachlassen, heißt das demnach nicht, dass eure Liebe tot ist.

Frau Mann Paar Streit
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