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Lidl wirbt für "stylishe" Masken und sorgt damit für Aufregung

Willy Flemmer
·Freier Autor für Yahoo
·Lesedauer: 3 Min.

Lidl verkauft Gesichtsmasken von Jette Joop, deren Erlös an das Deutsche Rote Kreuz geht. Die Aktion kommt im Internet gar nicht gut an.

Die "stylishen" Masken von Lidl hat die Designerin Jette Joop entworfen. (Bild: obs/Lidl)
Die "stylishen" Masken von Lidl hat die Designerin Jette Joop entworfen. (Bild: obs/Lidl)

Eigentlich ist die Aktion gut gemeint, trotzdem ist sie nach hinten losgegangen. Lidl verkauft neuerdings Mund- und Nasenschutze, die von der Designerin Jette Joop entworfen wurden. Ein Teil des Umsatzes geht an das Deutsche Rote Kreuz. Für manche Internetnutzer ist diese Partnerschaft ein Grund zur Aufregung.

Schon Ende Juli hatte Lidl die erste Kollektion der Mehrwegmasken für Erwachsene und Kinder auf den Markt gebracht. In der Aktionswerbung war damals auch von der Kooperation mit dem DRK die Rede. "Mit einem Teil des Erlöses aus dem Verkauf", hieß es in der Pressemitteilung, "unterstützt Lidl die Corona-Nothilfe des Deutschen Roten Kreuzes im Rahmen seines gesellschaftlichen Engagements".

Am 26. Oktober startete die zweite Kollektion, wieder wirbt Lidl auch auf Instagram für das Aktionsprodukt. "Hol dir Fashion ins Gesicht", heißt es dort. Die "stylishen" Mund- und Nasenmasken gebe es in den Filialen für Groß und Klein jeweils im 2er Pack. Erneut wird die Partnerschaft mit dem DRK erwähnt. Ein Grund mehr offenbar, dass die Kunden "doch mal vorbeischauen" sollten.

Schlechtes Timing

Was im Juli kaum für Aufsehen gesorgt hatte, bringt viele Menschen nun auf die Palme. Der Grund: Mit dem Image von DRK ist es nicht mehr zum Besten bestellt, seit vor wenigen Tagen das "Team Wallraff", eine Gruppe von RTL-Reportern um den Enthüllungsjournalisten Günter Wallraff, einige teils gravierende Missstände hinter den Kulissen der Wohltätigkeitsorganisation aufdeckte.

Die Liste an Problemen ist lang. Die Reporter, die über ein Jahr in verschiedenen Bereichen des DRK verdeckt im Einsatz waren, enthüllten menschliches Versagen ebenso wie strukturelle Mängel. Hier bereichern sich manche Mitarbeiter offenbar an den Spenden, dort gibt es Defizite in der Pflege. Da übernehmen hochqualifizierte Sanitäter einfache Krankentransporte, hier werden Praktikanten mit zu viel Verantwortung betraut.

Auch wie das DRK an die Spendengelder kommt und wohin diese fließen, kritisiert das Wallraff-Team. Und: Vieles in der Struktur der Organisation ist undurchsichtig, zum Beispiel die Gehälter der Manager, die nicht offengelegt werden. "Was wir in gut anderthalb Jahren verdeckter Recherche in den einzelnen Tätigkeitsbereichen aufgedeckt haben, ist höchst bedenklich: Missstände, Fehlverhalten und eine Mauer des Schweigens", sagt Günter Wallraff zur Ausstrahlung der Reportage.

Ein Teil des Erlöses der Gesichtsmasken geht an das Deutsche Rote Kreuz. (Bild: obs/Lidl)
Ein Teil des Erlöses der Gesichtsmasken geht an das Deutsche Rote Kreuz. (Bild: obs/Lidl)

Internet-Nutzer verärgert

Dass dieses DRK also von Lidl Spenden bekommt, behagt vielen gar nicht. Auf Instagram gibt es teils wütende Reaktionen auf das Posting des Discounters . "Nach der Wallraff Doku spende ich nichts mehr!!!", schreibt eine Nutzerin. Eine andere Frau meint: "Ich glaube, nun gibt es seit Montag nur noch wenige, die ans DRK unser hart erarbeitetes Geld spenden wollen." Und in einem dritten Kommentar heißt es: "Nach Team Walraff ist es doch nun bei jedem angekommen, was für ein Verein, dass ist."

Doch nicht alle Nutzer schließen sich der Kritik an. Eine Frau, die selbst Mitglied beim Deutschen Roten Kreuz ist, fordert einen differenzierten Blick auf die Sache: "Es gibt so viele Dinge, die wir ehrenamtlich leisten", schreibt sie. "An die kleinen Ortsvereine denkt keiner! Wir helfen freiwillig nach unseren Arbeit. Sind Tag und Nacht bereit, falls es Notfälle gibt." All das werde "durch nur eine Reportage zu Nichte gemacht".

Das stimmt allerdings nicht ganz. Nicht alles am DRK hat das Wallraff-Team zunichtegemacht, noch hat die Reportage die kleinen Ortsvereine "in den Dreck gezogen", wie die Frau weiter schreibt. Die Journalisten räumen nämlich auch ein, dass die Grundidee der Organisation gut sei und viele Mitarbeiter engagiert und gewissenhaft arbeiteten. In einem schlechten Licht erscheint der Verein nun trotzdem. Ebenso wie die ganze Gesichtsmasken-Aktion seines Partners Lidl.