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Lesbos: Hochschwangere zündet sich selbst an - nun droht ihr Anklage

Konstantin Delles
·Editor
·Lesedauer: 3 Min.
Das Lager Kara Tepe Ende Januar (Bild: Reuters/Elias Marcou)
Das Lager Kara Tepe Ende Januar (Bild: Reuters/Elias Marcou)

Der Fall einer hochschwangeren Frau, die im Flüchtlingslager Kara Tepe auf Lesbos versucht hat, sich selbst zu verbrennen, sorgt für Bestürzung. Zuvor war ihr vermeintlich eine geplante Ausreise nach Deutschland verwehrt worden.

Die 26-jährige dreifache Mutter aus Afghanistan hatte sich bereits am Sonntag in ihrem Zelt angezündet, zuvor schickte sie ihre drei Kinder nach draußen und warnte ihre Nachbarn. Helfer konnten das Feuer schnell löschen, die Frau trug schwere Verbrennungen davon.

Der Grund für ihre Verzweiflung soll dabei laut offizieller Darstellung ein Missverständnis gewesen sein: Nach Angabe der lokalen Behörden sei ihr lediglich mitgeteilt worden, dass sie auf ärztlichen Rat erst nach der Entbindung weiterreisen dürfe. Das habe sie jedoch nicht richtig verstanden. "Als sie hörte, dass sie nicht reisen dürfe, waren ihre Verzweiflung und Enttäuschung so groß, dass sie versuchte, Suizid zu begehen", sagte ein Ermittler, der die Frau im Krankenhaus verhörte, dem britischen "Guardian". "Sie bereut ihr Handeln sehr. Sie hat Verbrennungen an ihren Händen, Füßen und am Kopf erlitten. Sie ist voller Reue. Nächste Woche soll ihr viertes Kind auf die Welt kommen."

Laut "Spiegel"-Informationen habe die Frau der Staatsanwaltschaft jedoch gesagt, sie wolle lieber sterben als das Kind im Lager zur Welt zu bringen. Sie lebe mit ihrem Mann und den gemeinsamen Kindern seit 14 Monaten auf Lesbos.

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Menschenrechtler weisen regelmäßig auf die schwerwiegenden psychischen Folgen der verheerenden Lebensbedingungen in dem Lager hin, das auch als "Moria 2" bekannt ist. Es kommt regelmäßig zu Suizidversuchen und Selbstverletzungen, auch bei Kindern. Im Fall der Schwangeren wollen die griechischen Behörden jedoch offenbar Härte zeigen: Ihr droht nun eine Anklage wegen Brandstiftung - womit nun auch die erhoffte Weiterreise nach Deutschland in weite Ferne rückt.

"Obwohl sie während ihrer Verbrennungen starke Schmerzen litt und Probleme beim Sprechen hatte, musste sie in der Klinik in Mytilene etwa zweieinhalb Stunden lang aussagen", erzählte ihre Anwältin dem "Guardian". "Es war eindeutig, dass sie unter Stress stand und Schwierigkeiten hatte, sich zu erinnern, doch der Staatsanwalt verfolgte eine strenge Linie und entschied, dass sie angezeigt werden soll, vor Gericht muss und nicht ins Ausland reisen darf."

Das temporäre Lager in Kara Tepe wurde auf einem Schießplatz des Militärs errichtet, nachdem das Lager Moria im September 2020 nach Brandstiftung abgebrannt war. Das Gelände wird immer wieder als für die Nutzung ungeeignet kritisiert, unter anderem kommt es regelmäßig zu Überschwemmungen. Deutschland hatte sich bereit erklärt, etwa 1500 besonders schutzbedürftige Menschen aus Lesbos aufzunehmen, von denen bisher etwa ein Drittel angekommen ist.

Anmerkung der Redaktion: Suizidgedanken sind häufig eine Folge psychischer Erkrankungen. Letztere können mit professioneller Hilfe gelindert und sogar geheilt werden. Wer Hilfe sucht, auch als Angehöriger, findet sie etwa bei der Telefonseelsorge unter der Rufnummer 0800 – 1110111 und 0800 – 1110222. Die Berater sind rund um die Uhr erreichbar, jeder Anruf ist anonym und kostenlos.