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Wie ein Leipziger Startup Solaranlagen für Städter baut

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Das Solarmodul kann auch an die Außenwand des Haues montiert werden.
Das Solarmodul kann auch an die Außenwand des Haues montiert werden.

In Deutschland gibt es rund zwei Millionen Solaranlagen, die etwa zehn Prozent des deutschen Stroms liefern. Die bläulich glänzenden Siliziummodule befinden sich als Freiflächenanlagen auf dem Acker, auf großen Hallendächern und auf Einfamilienhäusern. Millionen von Mietern konnten sich an der Energiewende aber praktisch nicht beteiligen. Das Leipziger Startup Priwatt will das ändern: Es bietet Solaranlagen für den Balkon an, die der Nutzer nur an die Steckdose anschließen muss – es könnte der nächste große Trend im Bereich der erneuerbaren Energien werden.

Das hofft zumindest Firmenchef Lukas Hoffmeier. Der 28-Jährige sitzt in seinem Büro in einem Leipziger Gründerzeithaus. Vor ihm steht ein von Priwatt vertriebenes Modul: 1,70 Meter hoch, ein Meter breit und rund sieben Kilogramm schwer. „Das lässt sich an jedes Balkongeländer montieren“, sagt er im Gespräch mit Gründerszene, nimmt das Kabel vom Solarmodul und steckt es in einen tellergroßen sogenannten Wechselrichter –von diesem geht die Leitung dann in eine Steckdose. „Es wird in den Stromkreislauf der Wohnung eingespeist, die Kunden nutzen also direkt ihren Sonnenstrom.“ Denn wie fast jeder in seinem Physikunterricht einmal gelernt hat: Strom sucht sich den kürzesten Weg. In diesem Fall zum nächsten Kühlschrank, dem Computer und die heimische Beleuchtung.

Stecker-Photovoltaik nicht nur für Hausbesitzer

Nach Angaben von Hoffmeier gibt es zwar „mehr als hundert Firmen in Deutschland“, die solche Mini-Kraftwerke anbieten. Das sind vor allem Stromversorger und Elektrobetriebe, die Photovoltaik-Enthusiasten bei der Installation solcher Anlagen unterstützen. Es gebe aber nur rund ein Dutzend spezialisierte Anbieter wie das Startup Priwatt, die im August 2020 in Leipzig gegründet wurde. Die Wettbewerber sind unter anderem Yuma, EET Energy und Alpha-Solar.

Das Marktpotenzial für solche Firmen ist groß. Die Verbraucherzentrale sieht allein in Nordrhein-Westfalen „für deutliche mehr als eine Million Stecker-Solargeräte sinnvolle Einsatzchancen an Balkonbrüstungen und Terrassen.“ Wolfgang Schuldzinski, Vorstand der Verbraucherzentrale NRW, betont: „Die Stecker-Photovoltaik räumt auf mit dem Klischee, dass nur Hauseigentümer von der Energiewende profitieren können. Auch Mieter können das.“ Voraussetzung sei allerdings, dass der Vermieter und gegebenenfalls der Denkmalschutz zustimmen.

Priwatt zeichnet nach Angaben von Hoffmeier aus, dass es auf Wunsch der Kunden die Mini-Kraftwerke beim örtlichen Netzbetreiber und dem Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur registriert. Das sei aufwändig für jemanden, der dies noch nie gemacht habe. „Diesen Service nutzen daher fast alle unsere Kunden“, so der Gründer. Da der generierte Solarstrom nicht immer sofort genutzt wird, kann dieser auch ins öffentliche Netz eingespeist und verkauft werden.

Hoffmeier arbeitete zuvor bei einem Energiekonzern und sollte dort schon die Nutzung erneuerbaren Energien im Rahmen von lokalen Photovoltaik-Lösungen voranbringen. „Den meisten Energieversorgern geht es aber darum, möglichst große Anlagen zu bauen, die möglichst hohe Renditen erzielen.“ Das Gründerteam rund rum Hoffmeier, seinem Bruder Niklas und Kay Theuer sieht ihr Geschäft bei vielen vereinzelten Privatkunden.

Lukas Hoffmeier (28) hat Priwatt 2020 mitgegründet.
Lukas Hoffmeier (28) hat Priwatt 2020 mitgegründet.

Doch wie schnell rentiert sich ein solches Balkonkraftwerk? Nach Angaben von Hoffmeier kostet eine 600 Wattanlage etwa 850 Euro. Mit dieser könne eine Familie etwa zehn bis 15 Prozent des eigenen Strombedarfs decken beziehungsweise jährlich etwa 175 Euro Stromkosten sparen. Der restliche Strom werde wie gewohnt vom Energieanbieter bezogen. „Nach unseren Modellrechnungen rentiert sich eine Anlage ab dem sechsten bis siebenten Jahr“, so der Firmenchef – bei einer Laufzeit von mindestens 25 Jahren.

Vierstellige Anzahl an Modulen verkauft

Zu ähnlichen Ergebnissen kommt auch der unabhängige Energieexperte Daniel Eisel von der Initiative Land-Schafft-Energie des bayrischen Landwirtschaftsministeriums. Er hat eine Rendite von knapp 7 Prozent bei 20 Jahren Laufzeit errechnet. In einigen Bundesländern fördern Kommunen solche Anlagen sogar mit mehreren hundert Euro. Laut Medienberichten gibt es in Deutschland bereits etwa 100.000 Balkon-Photovoltaik-Anlagen.

Priwatt bezieht die Solarmodule von asiatischen Herstellern, Logistik und Transport übernehmen Subunternehmen. „Wir konzentrieren uns voll auf das Marketing, den Vertrieb und den Service“, berichtet der Gründer. Wie viele Anlagen bereits verkauft wurden, dazu macht Hoffmeier keine genauen Angaben. „Eine vierstellige Zahl“, sagt er nur. Ungewöhnlich für ein solch junges Unternehmen: Priwatt schreibt nach eigenen Angaben bereits mit den Mini-Kraftwerken Gewinne. Hoffmeier geht davon aus, dass es allein in Deutschland Platz für fünf Millionen solcher Anlagen gibt. Er sieht Priwatt als Pionier, der das Marktwachstum vorantreibt.

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