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Ich leide unter schlimmer Aufschieberitis: Dieser kleine Hack hat mich dazu gebracht, viel weniger zu prokrastinieren

·Lesedauer: 4 Min.
Krista Krumina auf dem "Einsamen Stuhl".
Krista Krumina auf dem "Einsamen Stuhl".

Ich würde olympisches Gold im Prokrastinieren gewinnen. Laut meinem Desktop-Tracking-Tool, das die von mir genutzten Websites und Anwendungen in "produktiv" und "unproduktiv" einteilt, prokrastiniere ich etwa sechs Stunden und 24 Minuten pro Woche – also fast einen ganzen Arbeitstag.

Um diese verschwendete Zeit zu kompensieren, neige ich dann dazu, in meiner Freizeit zu arbeiten. Es gab schon Tage, an denen ich meinen Laptop erst um 22 Uhr zugeklappt habe, und Zeiten, in denen ich meine Wochenendpläne abgesagt habe – nur, um liegen gebliebene Aufgaben zu erledigen.

Kürzlich sah ich ein TikTok-Video mit 269.000 Likes, in dem ein Nutzer, Josh Terry, einen Prokrastinations-Hack vorschlägt: Man stellt einen Stuhl in die Mitte des Zimmers, und immer wenn man sich beim Prokrastinieren erwischt, muss man sich auf den Stuhl setzen. Ich nenne den Produktivitäts-Hack "einsamer Stuhl". Ihr dürft dann weder mit Kollegen sprechen noch euer Telefon oder andere digitale Geräte benutzen.

Terry behauptet, dass man sich beim Anstarren einer leeren Wand so sehr langweilt, dass man danach alles lieber tun will, als weiter dort zu sitzen – selbst wenn es sich dabei um eine Aufgabe handelt, die man schon seit Wochen vor sich herschiebt.

Mit niedrigen Erwartungen beschloss ich, es auszuprobieren

Während des gesamten Experiments verfolgte ich genau, womit ich Zeit verbrachte, um zu sehen, wie es sich auf meine Produktivität auswirkt. An einem Montagmorgen kam ich in das Büro, das ich mit meinem fünfköpfigen Team teile, und stellte einen Stuhl in die Mitte des Raums. Ich teilte meinen Kollegen mit, dass jeder den Stuhl benutzen könne, wenn er sich uninspiriert fühle und zu prokrastinieren beginne.

Nach etwa einer Stunde Arbeit ertappte ich mich dabei, wie ich sinnlos durch Browser-Tabs klickte und E-Mails beantwortete, die nicht beantwortet werden mussten. Und so war ich die erste Person, die auf dem einsamen Stuhl Platz nahm. Meine erste "Einheit" dauerte 17 Minuten. Ich saß einfach nur da und starrte die Wand an.

Jeden Tag saß ich mindestens zehn Minuten lang auf dem Stuhl, an manchen Tagen sogar mehrmals. Über fünf Tage hatte ich sieben Einheiten auf dem einsamen Stuhl absolviert, mit einer Gesamtzeit von 108 Minuten. Ich habe mich auf dem Stuhl nie unerträglich gelangweilt. Obwohl ich mich mit niemandem unterhalten, nicht herumlaufen oder mein Telefon benutzen konnte, wurde ich doch von meinen eigenen rasenden Gedanken unterhalten.

Doch je länger ich saß, desto ruhiger und organisierter wurden meine Gedanken. Nach etwa 15 Minuten Nichtstun wusste ich genau, was ich zu tun hatte und wie. Als ich zu meinem Laptop zurückkehrte, fühlte ich mich so konzentriert und produktiv wie nie.

Nachdem ich schon andere Produktivitäts-Hacks ausprobiert hatte, war ich überrascht, dass in der Woche, in der ich dieses Experiment ausprobierte, meine Produktivität um 17,6 Prozent stieg, während die Zeit, die ich mit Aufschieben verbrachte, im Vergleich zur Vorwoche um 36 Prozent sank.

Als ich meine Beobachtungen mit meinen Kollegen teilte, begannen auch sie, sich "Zeit für sich" auf dem Stuhl zu nehmen. Ihre Schlussfolgerungen waren recht ähnlich: Einige berichteten, dass sie sich ruhiger fühlten, während andere sagten, dass diese Zeit ihnen half, den Kopf freizubekommen und neue Inspiration zu finden.

Meistens hatte ich zu viel zu tun und war zu zerstreut, um mich auf eine bestimmte Aufgabe zu konzentrieren. Oder manchmal waren die Aufgaben so groß und entmutigend, dass ich nicht wusste, wo ich anfangen sollte. Ich verbrachte Stunden damit, hektisch von einer Aufgabe zur nächsten zu springen, E-Mails zu schreiben (nicht umsonst habe ich E-Mails in meiner Zeiterfassungs-App als "unproduktiv" markiert) oder meine x-te Tasse Kaffee zu kochen – und fühlte mich dabei ängstlich und schuldig, weil ich nichts Produktives tat.

Wie sich herausstellte, war der einsame Stuhl genau die Art von Meditation, die ich brauchte, um mich wieder zu fokussieren, wenn ich meinen Gedanken nur 15 Minuten lang freien Lauf ließ. Am Ende konnte ich mich besser konzentrieren, hatte einen schärferen Verstand und war resistenter gegenüber Ablenkungen.

Es gibt nur eine Sache, die ich an diesem Hack hasse

Immer, wenn ich auf dem Stuhl saß, wurde ich das unangenehme Gefühl nicht los, dass alle meine Kollegen wussten, warum ich dort saß. Es war wie eine öffentliche Erklärung, dass ich prokrastiniere – das hätte ich doch lieber geheim gehalten.

Im Laufe der Woche wurde es dann besser. Am Freitag hatten alle meine Kollegen auch ihre Zeit auf dem Stuhl "abgesessen", und das brachte mich auf den Gedanken, dass Prokrastination vielleicht ein normaler und integraler Bestandteil eines Arbeitstages ist. Jeder schiebt Dinge auf. Ich tue es nur zu oft. Aber dieser Hack hilft mir – ich werde ihn also wohl weiter anwenden.

Dieser Text wurde von Mascha Wolf aus dem Englischen übersetzt. Das Original findet ihr hier.

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