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Leichte Opfer für Erbschleicher

Sandra Alter
Freiberufliche Journalistin
(Bild: gettyimages)

Ältere demenzkranke Personen sind leichte Opfer für Erbschleicher. Die nutzen die Geistesschwäche aus, um an den Nachlass zu kommen. Familienangehörige gehen dann im Testament oft leer aus und haben es schwer, ihr Erbe zurückzuholen. Finanztest erklärt, wie sich Betroffene und Verwandte schützen und wehren können.

Wenn im hohen Alter ein Ehepartner stirbt, ist es für den Hinterbliebenen oft schwer, das Alleinsein zu ertragen oder überhaupt den Alltag zu meistern. Oft beginnt dann die Suche nach einem neuen Partner oder Personen, die helfend zur Seite stehen können. Doch nicht selten tappen ältere Menschen so in die Falle von Erbschleichern.

Das Verbrauchermagazin Finanztest berichtet vom Fall eines Witwers, der mit 85 Jahren per Annonce nach einer Frau suchte, die ihn betreuen und pflegen sollte. Bei dem Rentner meldete sich eine 40-jährige. Sie zog bei ihm ein, erhielt 1.200 Euro Monatslohn sowie freie Kost und Logis. Nur kurze Zeit später änderte der körperlich und geistig gebrechliche Mann sein Testament zu Gunsten der jungen Frau, enterbt seine drei Kinder und heiratet später sogar die 45 Jahre jüngere Pflegerin.

„Die Vermutung, dass Pfleger, Nachbarn oder Familienmitglieder den schlechten Gesundheitszustand einer Person ausnutzen, um ans Erbe zu kommen, ist öfter zu hören. Regelmäßig klagen benachteiligte Verwandte gegen mutmaßliche Erbschleicher. Ist die leicht beeinflussbare Person tot, geht es zur Sache“, so die Experten Finanztest.

Das deutet auf Erbschleicher hin
Die Verbraucherschützer führen Indizien an, an denen sich erkennen lasse, dass der Verfasser eines Testaments unzulässig beeinflusst wurde. Etwa, wenn jemand gegenüber dem Testamentsverfasser gezielt Falschinformationen streue („Die Kinder wollen dich ins Heim abschieben“), mit Entzug von Liebe und Pflege gedroht werde, der im Testament Begünstigte den Kontakt zu anderen Erben unterbinde oder wenn ein Erblasser sein Testament in kurzen Abständen immer wieder nach Besuchen des Begünstigten ändere.

Hatte ein Erbschleicher beim Opfer Erfolg und das Testament wurde geändert, wird es für die enterbten Familienmitglieder schwer, dagegen anzugehen. Dann bleibt nur der Weg zum Anwalt. Rechtsstreitigkeiten dieser Art ziehen sich nicht selten über mehrere Jahre hin.

So können sich Angehörige wehren
Dennoch können sich Benachteiligte wehren, so Finanztest. Das sei dann möglich, wenn der Verfasser beim Schreiben seines letzten Willens wegen einer geistigen Störung keinen freien Willen mehr bilden konnte. Beantragt der mutmaßliche Erbschleicher dann beim Amtsgericht einen Erbschein, können Verwandte dort zunächst die Testierunfähigkeit reklamieren. Dazu können etwa Kranken- und Betreuungsakten oder Pflegegutachten eingereicht sowie Zeugen genannt werden, die etwas zur geistigen Verfassung des Verstorbenen sagen können.

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„Hat der Erbschleicher ein Testament beeinflusst, indem er dem Verfasser des Testaments gedroht hat, können Sie als Kind des Verstobenen einzelne Verfügungen im Testament anfechten. Dafür haben Sie ein Jahr Zeit. Die Anfechtung müssen Sie beim Amtsgericht am Wohnort des Verstorbenen erklären“, so Finanztest. Auch sei es möglich ein Testament wegen Irrtums anzufechten, etwa wenn Nachbarn zu Alleinerben gemacht wurden, weil sie lebenslange Pflege versprochen, sich aber dann nicht daran gehalten haben.

Schutz zu Lebzeiten
Wer noch zu Lebzeiten für Schutz sorgen will, dem raten die Experten, kein eigenhändiges Testament zu machen, sondern einen Notar aufzusuchen. Das sei vor allem für alle die empfehlenswert, die erfahren, dass sie Demenz im Anfangsstadium haben und ein unangreifbares Testament schreiben wollen. Um dem Risiko der späteren Einflussnahme vorzubeugen, raten die Experten: „Lassen Sie sich von einem Facharzt für Neurologie und Psychiatrie begutachten. Legen Sie das Gutachten dem Notar vor. Hilfreich können auch Handyvideos von Ihnen sein, die Ihre geistige Fitness zeigen.“

Den vollständigen Bericht von Stiftung Warentest zum Thema „Erbschleicher“ finden Sie hier (kostenpflichtig).