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LEG Immobilien spricht mit TAG Immobilien über Milliardenfusion

Die beiden im MDax notierten Wohnungskonzerne LEG und TAG wollen sich zusammenschließen. Die Fusion könnte über einen Aktientausch abgewickelt werden.

Die Immobilienkonzerne LEG und TAG sprechen über eine Fusion. Foto: dpa

Auf dem deutschen Immobilienmarkt bahnt sich eine weitere milliardenschwere Fusion an. Der Wohnungskonzern LEG Immobilien verhandelt mit TAG Immobilien über einen Zusammenschluss, wie LEG am Freitag mitteilte.

Komme es zu einer Fusion, solle diese über einen Aktientausch abgewickelt werden, bei der die TAG-Aktionäre Anteilsscheine der LEG erhalten. LEG war an der Börse zuletzt rund 7,7 Milliarden Euro wert, TAG brachte es auf rund drei Milliarden.

Beide Unternehmen sind aktuell im Nebenwerteindex MDax gelistet. Bei einem Zusammenschluss könnten sie genug Gewicht auf die Waage bringen, um in den Leitindex Dax aufzusteigen.

Ob es zu der Übernahme kommt, sei zum gegenwärtigen Zeitpunkt ungewiss, heißt es in der Mitteilung. Die TAG wollte sich nicht zu den Gesprächen äußern. Bei einem Zusammenschluss entstünde ein Unternehmen mit rund 220 000 Wohnungen. Zum Vergleich: Branchenführer Vonovia besitzt in Deutschland rund 400 000 Wohnungen, die Deutsche Wohnen rund 162 000 Wohneinheiten.

Im vergangenen Jahr konnte LEG Immobilien, der derzeit Deutschlands drittgrößter Wohnungsvermieter ist, eine deutliche Gewinnsteigerung erzielen. 2019 legte der operative Gewinn aus dem laufenden Geschäft im Jahresvergleich um 7,1 Prozent auf 341,3 Millionen Euro zu. Profitieren konnte der Wohnungskonzern von steigenden Mieten und Zukäufen.

LEG, das bundesweit 136.000 Mietwohnungen besitzt und einen regionalen Fokus auf NRW legt, möchte zudem sein Portfolio ausweiten und weiter Bestände zukaufen, künftig auch verstärkt jenseits von Nordrhein-Westfalen.

TAG Immobilien konnte sich im ersten Quartal dieses Jahres über einen Gewinnanstieg freuen. Das Unternehmen vermietet rund 85.000 Wohnungen vor allem in Nord- und Ostdeutschland und ist Ende vergangenen Jahres auch in den Wohnungsmarkt in Polen eingestiegen.

Die LEG-Aktionäre ließen die Übernahmepläne weitgehend kalt: Die LEG-Aktie notierte 0,1 im Minus, die TAG-Aktie legte dagegen um 5,4 Prozent zu.

Nicht nur LEG Immobilien und TAG Immobilien spielen derzeit mit Fusionsgedanken. So fusionierten Ende März die Wohnungsgesellschaften Ado Properties SA und Adler Real Estate. Auch auf dem deutschen Gewerbeimmobilien-Markt kam es erst vor kurzem zu einer Milliardenfusion: Aroundtown verleibte sich TLG Immobilien ein.

Zudem spielte im April Vonovia einem Bloomberg-Bericht zufolge erneut eine Übernahme des Berliner Wettbewerbers Deutsche Wohnen durch. Allerdings hatte Vonovia auf Anfrage ausweichend reagiert: „Generell sind Akquisitionen integraler Bestandteil unserer Strategie und werden fortlaufend geprüft“, teilte das Bochumer Unternehmen mit.

Auch Deutsche Wohnen wollte sich damals nicht äußern. Aus gut unterrichteten Kreisen war zu erfahren, dass das Unternehmen überrascht vom neuerlichen Interesse ist. 2016 versuchte sich Vonovia bereits an einer feindlichen Übernahme von Deutscher Wohnen – und durchkreuzte damit dessen Pläne, LEG Immobilien zu übernehmen. Beide Vorhaben scheiterten.