Deutsche Märkte geschlossen

Kfz-Versicherer profitieren von Corona – schlechtere Aussichten für Lebensversicherer

·Lesedauer: 3 Min.

Die Pandemie hat die Versicherer im laufenden Jahr schwer belastet. Doch was bringt 2021? Die Ratingagentur Moody’s hat dazu eine klare Meinung.

Im Sommer gab sich Oliver Bäte noch zuversichtlich. Operativ werde die Coronakrise in diesem Jahr verarbeitet sein, „ein bisschen noch in 2021“, sagte der Vorstandschef der Allianz im August dieses Jahres. Doch rund drei Monate später beginnt diese Zuversicht zu bröckeln.

Die deutschen Versicherer werden längerfristig unter den Auswirkungen der Corona-Pandemie leiden, prognostiziert die Ratingagentur Moody’s. Noch halten sich aber die positiven und negativen in etwa die Waage, sagte der für Deutschland zuständige Ratinganalyst Christian Bardorff am Dienstag in einer Telefonkonferenz.

So sparten sich die deutschen Versicherer in der Kfz-Sparte durch den geringeren Verkehr und weniger Unfälle während des ersten Lockdowns im Frühjahr rund zwei Milliarden Euro an Schadenzahlungen. Dem gegenüber stünden rund 1,5 Milliarden Euro, die sie für vom Staat erzwungene Schließungen von Hotels und Gaststätten ausgeben müssten, und eine halbe Milliarde an Anlageverlusten wegen des Abschwungs an den Märkten.

Der Trend werde sich während der Beschränkungen im November wiederholen, prognostiziert Bardorff. Der Moody’s-Analyst sieht den Ausblick für die Schaden- und Unfallversicherer des Landes daher als stabil an. Dieser Bereich der Branche profitiere von gesunden Margen im Versicherungsgeschäft und einer guten Kapitalausstattung.

Höhere Preise seien für Privatkunden nicht zu erwarten, sagte Bardorff: „Es dürfte den Kfz-Versicherern schwerfallen, Preisanstiege zu begründen.“ Seit 2019 sei der Preisauftrieb ins Stocken geraten. In der Industrieversicherung stiegen die Prämien – getrieben von Preiserhöhungen der Rückversicherer – dagegen deutlich.

Auf längere Sicht werden die deutschen Versicherer allerdings durchaus unter dem von der Pandemie ausgelösten geringeren Wirtschaftswachstum und den niedrigen Zinsen leiden, prognostiziert Bardoff. Das gelte insbesondere für die Lebensversicherer.

Allzu optimistisch blicken die Experten vor diesem Hintergrund für die Branche nicht nach vorn. Moody‘s versah die deutschen Lebensversicherer für 2021 mit einem negativen Ausblick, da der neuerliche Rückgang des Zinsniveaus ihre Erträge und Kapitalausstattung belasten dürfte.

„Die Ergebnisse der deutschen Lebensversicherer stehen aufgrund der niedrigen Zinsen, die die Renditen ihrer gewöhnlichen Kapitalanlagen schmälern, schon seit Jahren unter Druck“, erklärte Badorff. „Diese Dynamik wird durch den Corona-bedingten Konjunkturrückgang zusätzlich verstärkt, und es wird auch auf absehbare Zeit nicht mit einem Zinsanstieg gerechnet.“

Konzernweit hatte beispielsweise der deutsche Branchenriese Allianz für die ersten beiden Quartale eine Covid-19-bedingte Belastung von rund 1,2 Milliarden Euro ausgewiesen. Zwei Drittel davon entfielen auf die Schaden- und Unfallversicherung, der Rest auf die Lebens- und Krankenversicherung. Betriebsschließungen und andere Schadenereignisse im Zuge der Corona-Pandemie werden die deutschen Versicherer nach Schätzungen der E+S Rück insgesamt bis zu 1,75 Milliarden Euro kosten.

Unter dem Strich bewertet Moody’s jedoch die Qualität der Investmentportfolios der deutschen Versicherer als solide, mit begrenzten Engagements in risikoreichen Assetklassen und moderaten Kreditrisiken. „Corona ist insgesamt bewältigbar für die Versicherungsunternehmen“, ist Badorff überzeugt.

mit Agenturmaterial