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Lebensmittelhandel profitiert von Corona-Panik: Umsätze teilweise versechsfacht

Das Geschäft mit einzelnen Produkten hat sich durch Hamsterkäufe teilweise versechsfacht. Einige Händler sichern sich offenbar auch durch Preiserhöhungen Zusatzeinnahmen.

Zahlreiche Kunden stehen kurz vor Ladenöffnung vor einem Aldi-Süd-Markt: Aldi Nord und Aldi Süd haben Anfang der Woche Desinfektionsmittel als Sonderposten angeboten. Foto: dpa

Die Hamsterkäufe der Deutschen haben die Umsätze im Lebensmittelhandel in die Höhe schnellen lassen. Das zeigen aktuelle Zahlen des Marktforschers Nielsen, die dem Handelsblatt vorliegen. So kam es speziell in der letzten Februarwoche zu einem schlagartigen Anstieg, der die Umsätze in zahlreichen Produktgruppen im Vergleich zur Vorjahreswoche mehr als verdoppelt hat.

Ganz vorne liegen angesichts der Angst vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus wenig überraschend Desinfektionsmittel, deren Umsatz in der Woche von Ende Februar bis Anfang März um 519 Prozent zugelegt hat. Als Renner entpuppten sich aber auch Brotmischungen, deren Umsatz sich mehr als vervierfacht hat (plus 334 Prozent). Mehr als verdoppelt hat sich auch der Umsatz mit Mehl, Nudeln, Reis und Fertiggerichten.

„Es ist auffällig, dass Konsumenten sich in der Breite über ganze Sortimente hinweg für mehrere Wochen eingedeckt haben. Alles, was essbar ist, wurde in den Einkaufswagen gelegt“, beobachtete Jens Ohlig, Deutschlandchef von Nielsen. „Einen solchen Ansturm, wie man ihn am ersten März-Wochenende gesehen hat, stellen wir nicht einmal vor den Weihnachtsfeiertagen fest.“

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Aufgeschreckt von den Meldungen über die zunehmende Verbreitung des Coronavirus haben viele Verbraucher die Geschäfte geradezu gestürmt. Insbesondere bei haltbaren Lebensmitteln gab es zeitweise Nachschubprobleme und damit leere Regale. Das hat dann die Hamsterkäufe zusätzlich angeheizt.

Die spannende Frage

Die spannende Frage ist nun, ob dies tatsächlich zu Mehreinnahmen führt, oder ob es nur vorgezogene Ausgaben waren. „Es bleibt nun abzuwarten, inwieweit diese Vorräte in den nächsten Wochen verbraucht werden und damit im Nachgang zu einer niedrigeren Nachfrage führen oder wie viel auch im Laufe der Zeit weggeworfen wird“, legt sich Nielsen-Chef Ohlig noch nicht fest.

Viele Händler jedoch gehen bereits davon aus, dass mindestens 50 Prozent der Umsätze Zusatzgeschäft sind. So haben viele Verbraucher Dinge gekauft, die sie sonst nie kaufen – und die sie somit wohl nicht vor Ablauf des Haltbarkeitsdatums verwenden werden. Das gilt beispielsweise für trockene Hülsenfrüchte, Dosensuppen – oder eben Brotbackmischungen.

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Offensichtlich ist das Zusatzgeschäft bei Sonderaktionen. So hatten Aldi Nord und Aldi Süd Anfang der Woche Desinfektionsmittel als Sonderposten angeboten, das sie sonst nicht im Sortiment haben. Die Kunden standen schon bei Ladenöffnung Schlange, während des Tages wurde der Bestand komplett abverkauft. Und die meisten Kunden haben die Gelegenheit genutzt und auch noch ganz andere Artikel gekauft.

Was die Nielsen-Zahlen auch zeigen: Einige Händler haben die Panikstimmung offenbar auch genutzt, um sich mit gezielten Preiserhöhungen noch ein Zusatzgeschäft zu verschaffen. So ist der Absatz von Desinfektionsmitteln in der letzten Februarwoche um 467 Prozent gestiegen, der Umsatz aber sogar um 519 Prozent. Der Unterschied geht dann direkt in die Marge.

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