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Lebensmittel als politische Waffe: Geheime Nato-Analyse zeigt, wie Putin Hungersnöte verursacht, um Sanktionen gegen Russland aufzuweichen

Ein ägyptischer Bauer erntet Weizen auf seinen Feldern nahe der Stadt Banha. Trotz Eigenanbau ist das Land auf Getreide-Importe aus Russland und der Ukraine angewiesen.
Ein ägyptischer Bauer erntet Weizen auf seinen Feldern nahe der Stadt Banha. Trotz Eigenanbau ist das Land auf Getreide-Importe aus Russland und der Ukraine angewiesen.

Schon seit Wochen blockiert Russland die Getreide-Ausfuhr in ukrainischen Häfen wie Odessa. Zeitgleich fing der Kreml an, den eigenen Getreide-Export in andere Länder einzuschränken. Weltweit droht seither eine internationale Hungerkrise, in ohnehin schon schwachen Ländern wie im Nahen Osten und in Afrika. Sie sind von Lebensmittelimporten aus Russlands und der Ukraine abhängig, denn beide Länder gehören zu den wichtigsten Weizenlieferanten auf der ganzen Welt.

Inzwischen hat Putin nun angeblich angekündigt, Getreide wenigstens nach Afrika zu liefern. Doch er gibt dem Westen Schuld an drohenden Hungersnöten: Weil russische Frachtschiffe mit Sanktionen belegt seien, könnten diese kein Getreide exportieren, so Moskaus Außenminister Sergej Lawrow vergangenen Mittwoch in der saudischen Hauptstadt Riad. Eine Behauptung, mit der er Stimmung gegen den Westen machen will – aus einem bestimmten politischen Zweck, so eine vertrauliche interne Analyse der Nato von dieser Woche. Sie liegt Business Insider exklusiv vor.

Russland wolle demnach Hungersnöte als politische Waffe einsetzen, um betroffene Länder politisch zu schwächen und so westlichen Sanktionen zu umgehen. Konkret gehen die Autoren des Nato-Papiers davon aus, dass Russland gezielt die Lebensmittelknappheit erhöhe, damit der politische Druck in besonders Import-abhängigen Ländern zunehme. Hinzukämen steigende Lebensmittelpreise und fehlende Nahrung für die Geflüchteten in der Bevölkerung, die den Druck noch weiter anheizen.

Mit steigender Lebensmittelknappheit könnten einige Länder anfälliger für Russlands Einfluss werden

Unter diesem Druck, glaubt die Nato, könnten dann die nationalen Interessen für einige Länder kurzfristig wichtiger werden, anstatt weiterhin westliche Sanktionen zu unterstützen. Das heißt: Länder, die besonders von Russlands Lebensmitteln abhängig sind, könnten anfälliger für russischen Einfluss werden.

Ziel von Putin sind dabei laut Weltkarte der Nato der Sudan, Ägypten, Äthiopien, Syrien, Afghanistan und Aserbaidschan. In vielen Ländern ist der Anteil der Flüchtlingsbevölkerung hoch, außerdem haben sie das höchste Risiko unter der Lebensmittelknappheit Russlands zu leiden.

Erst am Wochenende haben die russischen Truppen offenbar tatsächlich in Mykolaiw am Hafen ein Terminal zerstört, über das Weizen in den internationalen Export gegangen ist. Zehn Prozent des weltweiten Weizens kamen im vorigen Jahr aus der Ukraine. Vieles davon ging an die Länder, die Putin nun laut Nato-Papier im Visier hat.

Eine Lösung gegen die perfiden Masche wird in dem Papier nicht genannt: Nach Darstellung von Russlands Außenminister Sergej Lawrows soll jedoch mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan vereinbart worden sein, dass das Land bei der Errichtung eines sicheren Exportwegs im Schwarzen Meer für landwirtschaftliche Produkte aus der Ukraine helfen soll. Und laut des Vorsitzenden der Afrikanischen Union Macky Sall soll Putin am Freitag auch angekündigt haben, zu Getreide-Exporten bereit zu sein. Ob das stimmt, bleibt freilich offen. Doch schon allein die Bilder von Putin mit ausländischen Staatsgästen dürften für die russische Propaganda ein Erfolg sein. Die Botschaft: Der russische Präsident ist keineswegs so isoliert, wie der Westen behauptet. Ein Dilemma, aus dem dieser wohl auf absehbare Zeit nicht herauskommt, solange der Krieg in der Ukraine weiter tobt.

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