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Laxere Kontrollen bei Neun-Euro-Ticket: „Wenn einer durchrutscht, ist es kein Weltuntergang.“

Eine junge Frau zeigt ihre Fahrkarte bei der Kontrolle im Zug vor. Diese Situation könnte bald seltener vorkommen.
Eine junge Frau zeigt ihre Fahrkarte bei der Kontrolle im Zug vor. Diese Situation könnte bald seltener vorkommen.

Jeder weiß es, doch kaum einer spricht es offiziell aus: Wenn ab Mittwoch, 1. Juni, mehrere Millionen Deutsche mit dem Neun-Euro-Ticket unterwegs sind, werden die Kontrolldienste drei Monate lang nicht mehr so genau hinschauen. Denn es gibt keinen bundesweit einheitlichen Fahrschein. Diese Problematik haben die Nahverkehrsexperten auch in den Abstimmungsrunden mit Bundesverkehrsminister Volker Wissing deutlich gemacht. Wir haben uns erkundigt, wo die Schwierigkeiten liegen.

Kontrolleure erkennen meist ein großes Sortiment an heimischen Tickets. Dieses lernen sie anhand von Mustertickets vor Berufsantritt, erklärt eine Sprecherin des Verkehrsverbunds Berlin-Brandenburg. Wird regional ein neuer Fahrschein eingeführt, informieren die Unternehmen ihre Angestellten oder die Mitarbeiter von Fremdfirmen per Mail mit Musterbildern darüber, worauf beim neuen Fahrschein zu achten ist. Allein in Berlin gibt es über 30 verschiedene Tickets und diese häufig in Papier- sowie digitaler Form.

Bahnchef bestätigt: Betrugsverhinderung nicht erste Priorität

Ab jetzt sind außerdem noch zig Schüler-Monatsabschnitte, Automatendrucke und Plastikkarten aus dem ganzen Land gültig. „Das geht gar nicht geht in der Kürze der Zeit, all unsere Kontrolleure auf die Tickets anzulernen“, sagt der Sprecher eines Verkehrsunternehmens aus Sachsen. Die Prüferinnen und Prüfer befänden sich im bundesweiten Austausch, um auf Fahrausweise aus anderen Regionen vorbereitet zu sein, sagt Stefan Genz, Sprecher der Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein. Ein Sprecher der Berliner Verkehrsbetriebe gibt zu bedenken, dass die Lesegeräte für Abo-Chipkarten bundesweit unterschiedlich arbeiten. „Da wird es auf Sichtkontrollen hinauslaufen“, sagt Maximlian Meyer vom Rhein-Main-Verkehrsverbund.

Deshalb bestätigte der oberste Chef des deutschen Regionalverkehrs sogar indirekt, dass Fahrscheinkontrolleure im Juni, Juli und August auch mal Fünfe gerade sein lassen: „Betrugsverhinderung ist ein wichtiges Thema, aber nicht das Kernthema im Aktionszeitraum“, sagt der Vorstandsvorsitzende der DB Regio AG, Jörg Sandvoß auf Nachfrage von Business Insider. Ähnlich wollen es viele Verkehrsunternehmen oder Nahverkehrsverbünde in ganz Deutschland halten, wie eine Umfrage bei mehr als zwölf Firmen ergab.

Klar ist jedoch, dass die Kontrollvorgänge schwer aussetzbar sind. Die Fahrscheinkontrollen sind häufig an externe Firmen vergeben oder Mitarbeiter von Zeitarbeitsfirmen übernehmen die Aufgabe. Die Verträge werden nicht wegen des Aktionszeitraums des Neun-Euro-Tickets ausgesetzt. Eine Sprecherin des Münchner Verkehrsverbunds sagt: „Die sogenannte Begleitquote bleibt gleich.“ Heißt: Es wird auch im Aktionszeitraum des Neun-Euro-Tickets Kontrollen geben.

Schließlich sei nicht auszuschließen, dass sich jemand auch die neun Euro sparen möchte, sagt Elisabeth Seitzinger, Sprecherin der Nürnberger Verkehrs-Aktiengesellschaft (VAG). „Unseren zahlenden Fahrgästen ist es wichtig, dass wir kontrollieren. Außerdem gibt es vielleicht Fahrgäste, die nichts vom das Neun-Euro-Ticket mitbekommen haben.“ DB-Regiochef Sandvoß sagt, die Bundesregierung habe sich gegen einen Nulltarif entschieden, also werde in den 7000 Zügen und 10.000 Bussen der DB Regio Gesellschaft kontrolliert.

Seitzinger und Sandvoß rechnen beide damit, dass während des Aktionszeitraums des Neun-Euro-Tickets ein erhöhter Beratungsbedarf besteht: „Wir werden unsere Fahrgäste im Rahmen der Kontrollen darauf hinweisen, dass sie das 9-Euro-Ticket kaufen und nutzen können.“ Die VAG setzt also mehr auf Service und Beratung ihrer Kunden. Auch der DB-Vorstandsvorsitzende vermutet, dass seine Mitarbeiter im Sommer mehr mit Service und Auskunft beschäftigt sein werden.

Besonders freche Versuche werden bestraft

Umgerechnet zahle jeder Kunde im Juni/Juli und August nur 30 Cent am Tag für den Arbeitsweg, sagt einer der Nahverkehrsexperten. „Wenn da ein Schwarzfahrer durchrutscht, dann geht die Welt nicht unter.“ Auch im Verkehrsverbund Rhein-Ruhr will man kulant reagieren. „Außer einer zeigt seine Visitenkarte statt einem Busticket vor“, pflichtet der Berliner BVG-Sprecher bei. Auch wenn jemand im Juni mit dem Dezemberfahrschein unterwegs sei, werde er rausgezogen, sagt die Sprecherin des Münchner Verbunds. Umgekehrt haben auch die Verkehrsunternehmen Vorteile: Fällt mal ein Regionalzug aus oder kommt ein Bus zu spät, falle die Erstattung unter den Mindestbetrag laut Fahrgastrechten. Die meisten rechnen bei unserer Umfrage damit, dass es wenige schwarze Schafe gibt: „Der Preis ist mit neun Euro so gering, das ist fast geschenkt“, sagt ein Sprecher.

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