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Laxer Umgang mit Dokumenten: Trump hinterlässt Historikern ein Problem

Jennifer Caprarella
·Freie Autorin
·Lesedauer: 3 Min.

Jede US-Präsidentschaft geht in die Geschichte ein, doch ausgerechnet eine ihrer turbulentesten könnte es Historikern schwer machen, sie angemessen festzuhalten: Experten sind zunehmend in Sorge über Donald Trumps nachlässigen Umgang mit den offiziellen Dokumenten.

WASHINGTON, DC - NOVEMBER 27 : President Donald J. Trump speaks during an interview with Washington Post reporters Philip Rucker and Josh Dawsey in the Oval Office at the White House on Tuesday, Nov. 27, 2018 in Washington, DC. (Photo by Jabin Botsford/The Washington Post via Getty Images)
Darf diese Akte für die Nachwelt erhalten bleiben? Historiker sorgen sich um Trumps Umgang mit Dokumenten (Symbolbild: Getty Images)

Alle offiziellen Dokumentem, Akten und Mitschriften des Weißen Hauses sowie Briefe, Mails und Notizen des Präsidenten für die Nachwelt und die Geschichte des Landes aufzuheben ist gesetzlich im Presidential Records Act festgelegt. Doch wie die Nachrichtenagentur AP berichtet, schien der scheidende US-Präsident Donald Trump auf dieses Gesetz keinen großen Wert zu legen.

Trump war kein Fan von Mitschriften und Aufzeichnungen

So soll er immer wieder Dokumente zerrissen und weggeworfen haben, was Angestellte des Weißen Hauses dazu zwang, sie in Kleinstarbeit wieder zusammenzukleben. “Ihm wurde gesagt, dass er das nicht machen solle. Er wollte nicht damit aufhören”, sagte Solomon Lartey, ein ehemaliger Analyst im Weißen Haus, AP. Er selbst habe bis 2018 Stunden damit verbracht, zerrissene Dokumente wiederherzustellen.

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Trump soll außerdem die Notizen eines Übersetzers aus einer Sitzung mit dem russischen Präsidenten Vladimir Putin konfisziert haben und wütend geworden sein, als seine Berater eine Besprechnung protokollierten. Diverse hochrangige Beamte mussten zudem wiederholt daran erinnert werden, keine geschäftlichen Angelegenheiten über private oder verschlüsselte E-Mail-Kanäle zu klären.

Sorge um vorhandene Dokumente

Abgesehen von diesem laxen Umgang wächst bei Historikern außerdem die Sorge, ob sie die vorhandenen Dokumente vollständig erhalten werden. Diese aus dem Weißen Haus zu schaffen ist eine aufwändige Sache: Bei Trumps Vorgänger Barack Obama hatte etwa 30 Millionen Seiten an Dokumenten, 250 Terabyte an elektronischen Aufzeichnungen und 1,5 Milliarden Seiten E-Mails hinterlassen. Diese konnten bis zur Amtsübergabe vollständig mitgenommen werden, wie es das Gesetz vorsieht.

Durch Trumps haltlose Anfechtung von Joe Bidens Wahlsieg hat sich der Transport zur National Archives and Records Administration jedoch deutlich verzögert. Dieser Verzug macht Experten ebenfalls nervös.

WASHINGTON, DC - JANUARY 15: A man pushes a large cart full of boxes along West Executive Avenue between the West Wing of the White House and the Eisenhower Executive Office Building on January 15, 2021 in Washington, DC. According to recent news reports, President Donald Trump is slated to leave Washington the morning of Jan. 20th, hours before President-elect Joe Biden will be sworn-in as president. (Photo by Drew Angerer/Getty Images)
Der Umzug läuft im Weißen Haus schon seit Tagen, doch längst sind nicht alle Dokumente abtransportiert worden. Das Gesetz sieht vor, dass dies bis zum Ende der Amtszeit erledigt sein sollte (Symbolbild: Drew Angerer/Getty Images)

“Historiker dürften hier größere Lücken vorfinden, als es normalerweise der Fall ist”, sagt Richard Immerman von der Society for Historians of American Foreign Relations. In Donald Trumps Zeit im Weißen Haus habe “eine anständige Dokumentation nicht nur keine Priorität gehabt, sondern es gibt auch mehrere Beispiele für Versuche, diese zu vertuschen oder zerstören”.

Historiker haben bereits Klage eingereicht

Diverse Historiker haben der “Washington Post” zufolge bereits Klage gegen das Weiße Haus eingereicht, um die Dokumente zu sichern. In einem Statement, das die Klage öffentlich machte, äußerte man Sorge vor einem “Akten-Lagerfeuer im Rosengarten” des Weißen Hauses. Die Mitkläger sehen außerdem nicht nur ein Risiko für die geschichtliche Überlieferung von Trumps Präsidentschaft, sondern für mögliche Anklagen, die nach dem Ende seiner Amtszeit auf Trump warten könnten.

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Ein Sprecher des Weißen Hauses leugnete indes, dass Trumps verspätete Anerkennung der Präsidentschaftswahl etwas mit der Verzögerung zu tun hätten. Die Mitarbeiter hätten klare Anweisungen, wie sie die Dokumente verpacken sollten.

Immerman nennt die Missachtung bestehender Gesetze diesbezüglich hingegen “beispiellos” und hat Zweifel, dass “wir allzu viele Mitschriften bekommen werden”.

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