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Laschet empört mit Aussage zu Corona-Ausbruch

Armin Laschet ist mit einer Aussage zu den Corona-Ausbrüchen in Fleischbetrieben in die Kritik geraten. Der Ministerpräsident hatte die eingereisten Arbeiter für die Infektionen verantwortlich gemacht.

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet hat sich mit seiner Aussage zu den Schlachtbetrieben in die Nesseln gesetzt. (Bild: Michele Tantussi - Pool/Getty Images)

Update: Laschet hat am Donnerstag auf die Kritik an seiner Aussage reagiert: "Menschen gleich welcher Herkunft irgendeine Schuld am Virus zu geben, verbietet sich. Mir ist wichtig klarzumachen, dass das für mich wie für die gesamte Landesregierung selbstverständlich ist", wird er von der dpa zitiert. Er verorte die Verantwortung bei den Unternehmen und kündigte "substanzielle Verbesserungen bei den Bedingungen insbesondere für Arbeitnehmer aus Bulgarien und Rumänien" an.

In Nordrhein-Westfalen waren im Schlachtbetrieb Tönnies in Rheda-Wiedenbrück mehr als 650 Beschäftigte positiv auf das Covid-19-Virus getestet worden. Daraufhin wurden Schulen und Kitas im Kreis Gütersloh bis zu den Sommerferien geschlossen. Tönnies schickte 7.000 seiner Mitarbeiter in Quarantäne. In einem Interview wurde nun NRW-Ministerpräsident Armin Laschet von der ZDF-Journalistin Nicole Diekmann gefragt, was der Ausbruch über die Lockerungen in NRW aussage. Laschet war wiederholt lautstark für Lockerungen der Corona-Maßnahmen eingetreten. Auf die Frage antwortete der CDU-Politiker zunächst etwas unwirsch: “Das sagt darüber überhaupt nix aus.” Um dann aber einen folgenschweren Nebensatz hinterher zu schieben: “Weil Rumänen und Bulgaren da eingereist sind und da der Virus herkommt.” In der Folge verteidigte Laschet seine weitreichenden Lockerungen für das Bundesland.

Die vehemente Kritik gegen den pauschalisierenden Satz folgte auf dem Fuße. Selbst Parteigenossen wollten die Aussage ihres Ministerpräsidenten so nicht stehen lassen. Der nordrhein-westfälische Arbeits- und Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) sagte im Landtag: “Es darf nicht so sein, dass die Menschen, die teilweise aus Osteuropa kommen, am Ende schuld sind.” Auch von der Opposition in NRW gab es eine klare Stellungnahme. Oppositionsführer Thomas Kutschaty forderte sogar eine öffentliche Entschuldigung von Laschet: "Was ist das bitte für ein Menschenbild? Jeder Erkrankte ist ein Mensch, egal wo er herkommt", sagte der SPD-Politiker der Lokalzeitung LZ.

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Auch auf Twitter zeigten sich Politiker und Prominente empört über den Laschet-Satz. Die Grünen-Politikerin Renate Künast forderte rechtliche Konsequenzen für Tönnies.

Comedian Micky Beisenherz postete einen gewohnt bissigen Kommentar zu der Situation.

Clemens Tönnies, Aufsichtsratsvorsitzender beim Schalke 04, hatte im vergangenen Jahr mit einem Ausspruch für Empörung gesorgt, in dem er den Bundesentwicklungsminister aufforderte, mehr Kraftwerke in Afrika zu finanzieren. “Dann hören die auf, die Bäume zu fällen, und sie hören auf, wenn’s dunkel ist, wenn wir die nämlich elektrifizieren, Kinder zu produzieren,” so Tönnies weiter.

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Auch Jan Böhmermann meldete sich zu Wort. Der Comedian spielte in seinem Tweet auf Laschets politische Ambitionen an.

Die Grüne Bundestagsabgeordnete Katrin Göring-Eckardt verglich Laschets Aussage indirekt mit den populistischen Tönen Donald Trumps. Er solle lieber “Verantwortung übernehmen und Menschen schützen”.

Andere User waren ebenfalls wenig begeistert von den Aussagen Laschets und erinnerten den Ministerpräsidenten an seine eigenen Verantwortlichkeiten.

Laschet, der Ambitionen hat, CDU-Chef zu werden und die Union 2021 als Kanzlerkandidat anzuführen, hat momentan ohnehin mit sinkender Zustimmung zu kämpfen. Laut einer WDR-Umfrage sind nur noch 46% der Befragten mit seiner Arbeit als Ministerpräsident zufrieden. Im April waren es noch 65 Prozent gewesen.

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