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Lars Windhorst: So tickt der Hertha-Investor, der Schulden in Milliardenhöhe hat und gegen den die Staatsanwaltschaft ermittelt

·Lesedauer: 4 Min.
Schon mit 16 Jahren begann die steile Karriere des umstrittenen Multimillionärs Lars Windhorst.
Schon mit 16 Jahren begann die steile Karriere des umstrittenen Multimillionärs Lars Windhorst.

Schon 2019 sprach ganz Fußball-Deutschland über Lars Windhorst. Der Investor kündigte an, sich mit seiner Holding Tennor am Fußball-Bundesligisten Hertha BSC zu beteiligen. 224 Millionen Euro steckte der bei Fans umstrittene Unternehmer in den klammen Hauptstadtclub, dafür erhielt er 49,9 Prozent der Hertha BSC GmbH & Co. KGaA.

Heute, gut zwei Jahre später, ist der große Erfolg ausgeblieben. Im Gegenteil: Der Verein wäre sogar beinahe abgestiegen. Mittlerweile hat Windhorst seine Anteile aufgestockt und hält 66,6 Prozent der Profigesellschaft. Dafür hatte der Investor im Sommer 2020 weitere 150 Millionen zugesagt. Zahlen wollte er die Summe in Raten. Das Fußball-Fachmagazin „Kicker“ hatte jedoch kürzlich berichtet, dass die für den 1. Juli vereinbarte Tranche nicht beim Bundesligisten eingegangen sei. Da der Zahlungsplan in der Vergangenheit mehrfach angepasst worden sei, habe der Verein laut „Kicker“ für den Fall, dass das restliche Geld nicht gezahlt wird „das Szenario einer möglichen Pfändung von Anteilen durchgespielt.“ Am 5. Juli bestätigte der Verein dann den Eingang der Zahlung.

Und dann ist da noch der Bericht der "Financial Times" vom 5. Juli, wonach die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) eine Strafanzeige gegen Windhorst gestellt hat. Im Raum steht ein Verstoß gegen das Kreditwesengesetz. Auf Twitter bestätigte Windhorst den Bericht, er sei sich aber "absolut sicher", dass die Anschuldigungen unbegründet seien. Die Berliner Staatsanwaltschaft ermittelt.

Wer ist der schillernde Unternehmer, dessen Investments regelmäßig Schlagzeilen machen?

Firma in der Garage der Eltern

Seine ersten Millionen verdiente der Ostwestfale Lars Windhorst noch zu Schulzeiten, als er 1993 mit gerade einmal 16 Jahren die Windhorst Electronic GmbH gründete. Ein Jahr später hatte die Firma, für die Windhorst anfänglich noch in der elterlichen Garage à la Steve Jobs und Bill Gates Software programmierte, bereits 80 Millionen D-Mark Umsatz erwirtschaftet.

Der enorme Erfolg zog auch die Aufmerksamkeit des damaligen Bundeskanzlers Helmut Kohl auf sich, der den jungen Unternehmer rasch unter seine Fittiche nahm und das "German Wunderkind" auf Wirtschaftsreisen nach Lateinamerika und Asien mitreisen ließ.

Um in Südostasien und China zu expandieren, verlegte Windhorst dann – gerade volljährig geworden – seinen Zweitwohnsitz nach Hongkong und gründete die Windhorst Asia Pacific Holdings Ltd. Aufgrund der Asienkrise, die 2007 von Thailand aus weite Teile des Kontinents erfasste, orientierte Windhorst sich wirtschaftlich um, konzentrierte sich vermehrt auf New Economy- und Dotcom-Geschäfte und gründete die Windhorst New Technologies AG.

Eigentlich wollte der Investor das Unternehmen an die Frankfurter Börse bringen, scheiterte dann jedoch aufgrund der geplatzten Dotcom-Blase.

Das Ende des Höhenfluges

Dieser Krise entkam Windhorst nicht ganz so unbeschadet: Er stürzte ab. Erst finanziell, dann an Bord eines Flugzeugs. Beide Abstürze überstand und überlebte der Unternehmer jedoch ohne größere Blessuren, kämpfte sich aus der Privatinsolvenz 2003 wieder nach oben und entkam 2007 mit leichten Verletzungen dem explodierten Wrack der kleinen Maschine Bombardier Challenger 604, bei der ein Pilot tödlich verunglückte.

Um seine Firma vor der Pleite zu retten, veruntreute Windhorst zwischen 2002 und 2004 über 900.000 Euro, wurde deshalb 2010 vom Landgericht Berlin zu einer einjährigen Bewährungsstrafe und Bußgeld in Höhe von etwa 100.000 Euro verurteilt.

Zwischen Privatinsolvenz, Flugzeugabsturz und Bewährungsstrafe gründete Windhorst die Investmentgesellschaft Sapinda und deren deutsche Gesellschaft Vatas Holding GmbH. Auch dieses Unternehmen ging in die Insolvenz.

Erneuter Aufstieg des Wunderkinds

Asienkrise, Dotcom-Blase , Pleite: Für das Wunderkind Windhorst eher Schlaglöcher als Schlagbäume. Denn dank umfassenden Umstrukturierungen der Sapinda Holding konnte diese trotz der Insolvenz der Vatas Holding GmbH zwischen 2009 und 2012 Investments in Höhe von etwa 3,5 Milliarden Euro organisieren, wie das "Handelsblatt" berichtete.

Seitdem übernahm Sapinda etwa 2018 La Perla (eine italienische Modemarke) und 2019 die Flensburger Schiffbau-Gesellschaft. Im Mai 2019 nannte Windhorst Sapinda in Tennor Holding B.V. um und stieg einen Monat darauf beim Hauptstadtclub Hertha BSC ein.

Gegenüber der "Bild" erklärte Windhorst, dass Hertha "für einen Investor wie ihn eine einmalige Gelegenheit" darstelle. Berlin sei eine Weltstadt, so der Großinvestor, "eine Hauptstadt, eine sehr glaubwürdige Marke. Von dieser Güte gibt es in Europa nur eine Handvoll. Einen Hauptstadtklub kaufst du nicht mal so eben: Paris, Chelsea, Madrid – das sind längst Milliardenmarken. Darum will ich Hertha helfen, sein Potenzial voll auszuschöpfen und die Plattform Berlin zu nutzen".

Milliarden-Schulden und eine Anzeige der Bafin

Doch die Frage ist, ob dem Investor auch in Zukunft das nötige Kleingeld zur Verfügung steht. So berichtete die "Wirtschaftswoche" Anfang Juli von Milliarden-Schulden. Windhorst Außenstände beliefen sich auf 2,5 Milliarden-Euro, „verpackt in zig Anleihen, deren Gelder Windhorst höchstselbst organisierte, indem er mit seinem Privatjet um die Welt jettete und Investoren die neueste Anlagestory erzählte.“ Mit einer neuen Anleihe, 1,45 Milliarden Euro schwer, wolle Windhorst jetzt seine Schulden umstrukturieren. Ein Jahr soll er Zeit haben, um das Geld zurückzuzahlen. Der Londoner Fondsanbieter „H2O“, der den Großteil der Windhorst-Anleihen hielt, gewähre ihm einen Abschlag in Höhe von einer Milliarde Euro. In Zukunft wolle er sich über Kredite und den Verkauf von Aktien finanzieren.

Fest steht: Von Lars Windhorst wird in den kommenden Wochen und Monaten weiterhin die Rede sein.

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