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Lars Windhorst gibt Werft fünf Millionen Euro

Nach der Insolvenz der Flensburger Schiffbau-Gesellschaft will Investor Lars Windhorst mit einem Massedarlehen dafür sorgen, dass der Werft-Betrieb wieder anlaufen kann.

Investor Lars Windhorst Foto: dpa

Investor Lars Windhorst hält seine insolvente Flensburger Schiffbau-Gesellschaft (FSG) mit einem Millionenkredit über Wasser, berichtet die WirtschaftsWoche. Laut Gerichtsdokumenten hat Windhorsts Holding Tennor der Werft am 30. April fünf Millionen Euro als Massedarlehen zur Verfügung gestellt. Mit einem solchen Darlehen kann sich ein insolventes Unternehmen kurzfristige Liquidität verschaffen, um den Betrieb fortzusetzen. Im Juni soll der Betrieb nun wieder anlaufen und der Bau eines Fährschiffes weitergehen. Laut den Gerichtsunterlagen hat die Werft mit 650 Mitarbeitern vier weitere Großaufträge in Aussicht.

Das FSG-Management hatte Ende April eine Insolvenz in Eigenverwaltung eingeleitet, um das Unternehmen wieder auf Kurs zu bringen. Die Unternehmensleitung wird dabei von den Sanierungsspezialisten Stefan Denkhaus und Friedrich Kraft von Kaltenborn-Stachau von der Kanzlei BRL Boege Rohde Luebbehuesen beraten. Zum vorläufigen Sachwalter bestellte das Amtsgericht Flensburg den Insolvenzexperten Christoph Morgen von Brinkmann & Partner, der die Werftenbranche aus zahlreichen früheren Verfahren kennt.

Die FSG steckt schon seit Längerem in finanzieller Schieflage. Vor allem die Verzögerungen bei einem Neubau waren nach Angaben der Werft Schuld an den tiefroten Zahlen. Jüngst war zudem der Auftrag zum Bau von zwei Großfähren storniert worden. Windhorst hatte das Unternehmen im vergangenen Jahr vom norwegischen Siem-Konzern übernommen.

Zuletzt hatte Windhorst vor allem mit seinem Engagement beim Fußball-Bundesligisten Hertha BSC Berlin für Schlagzeilen gesorgt. Über seine Beteiligungsgesellschaft Tennor hatte er dort im Juni 2019 zunächst 37,5 Prozent an der Hertha BSC GmbH & Co. KGaA erworben und dafür 125 Millionen Euro gezahlt. Für weitere 99 Millionen Euro erhöhte er diesen Anteil am 8. November auf den im deutschen Profifußball maximalen Anteil von 49,9 Prozent.

Viel Freude dürfte Windhorst seither mit dem Investment kaum gehabt habt. Erst sprang Ex-Bundestrainer Jürgen Klinsmann nach nur elf Wochen als Hertha-Chefcoach wieder ab. Dann folgte der Ausbruch der Coronapandemie – und der Spielbetrieb wurde ausgesetzt. Windhorst hatte zuletzt angekündigt, trotz der Krise zu seinem finanziellen Engagement bei Hertha zu stehen. „Die Coronapandemie ändert nichts an den Hertha gegebenen Zusagen und an den Plänen von Tennor“, hatte Windhorsts Sprecher Mitte April der Deutschen Presse-Agentur mitgeteilt.

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