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Larry Culp senkt die GE-Dividende gegen null – und stimmt die Analysten dennoch optimistisch


Larry Culp hat getan, was kein anderer Vorstandsvorsitzender des Mischkonzerns General Electric (GE) je gewagt hat: Er hat die Dividende auf fast null gesenkt. Der amerikanische Siemens-Rivale wird nur noch einen Cent pro Aktie und Quartal auszahlen.

Damit stellt sich der seit Anfang Oktober amtierende CEO der Wirklichkeit. Der 55-Jährige hat diese Woche die Quartalszahlen vorgelegt und die Märkte mit milliardenschweren Abschreibungen und einem Verlust von knapp 23 Milliarden Dollar schockiert.
Der einstige Vorzeigekonzern GE steckt derzeit in einer der schwersten Krisen seiner 126-jährigen Geschichte. Culp ist bereits der zweite neue CEO innerhalb von 14 Monaten, seit Jeffrey Immelt im Sommer 2017 gehen musste.

Unter Immelt hatte GE massiv investiert und zuletzt die vielen Sparten nicht mehr im Griff. Immelts Nachfolger John Flannery hatte versucht, das Unternehmen zu verschlanken. Doch dem Verwaltungsrat ging der Wandel nicht schnell genug.

Nun steht mit Culp zum ersten Mal ein Externer an der Spitze von General Electric. Der Sohn eines Schweißtechnik-Unternehmers setzt auf Großreinemachen: Insgesamt 22 Milliarden schreibt Culp auf die Energiesparte ab, die vor einigen Jahren große Teile des Energiegeschäfts von Alstom viel zu teuer zugekauft hatte. Außerdem bekannte Culp, dass das Justizministerium und die Börsenaufsicht SEC eine Untersuchung der Bilanzen des Konzerns eingeleitet haben.


Grundsätzlich hält Culp zwar an Flannerys Plan von Juni fest: radikale Simplifizierung auch dank des Verkaufs der Anteilsmehrheit am Öldienstleister Baker Hughes und der Abtrennung der Gesundheitssparten. Aber bei den operativen Abläufen will Culp einiges ändern. Mit der Dividendenkürzung will er zudem knapp vier Milliarden Dollar jährlich sparen und damit die Schulden senken.

Culp ist als Externer zu GE geholt worden

Anders als seine Vorgänger blickt der eher ruhig auftretende Culp nicht auf eine jahrzehntelange GE-Karriere zurück. Der Manager, der erst seit April im Verwaltungsrat von GE sitzt, hat zwischen 2001 und 2015 den Mischkonzern Danaher geleitet. Als Vorstandsvorsitzender verfünffachte er dort den Umsatz.

Er gilt als Manager, der zugekaufte Unternehmen gut und schnell integriert, indem er eine gemeinsame Kultur schafft. Bei Danaher wandelte er einen traditionellen Werkzeughersteller in einen Anbieter von Medizintests und Ausrüster von Zahnärzten.


In einer Fallstudie der University of Virginia’s Darden School of Business wird die Danaher-Unternehmenskultur als „fordernd und ergebnisorientiert“ beschrieben. In Trainings für die Mitarbeiter von frisch übernommenen Unternehmen legte Culp auch mal selbst Hand an, um zu zeigen, wie man Probleme löst. „Es war nicht ungewöhnlich, Culp zu sehen, wie er Geräte durch die Fabrik schiebt“, heißt es in der Studie. Den Hauptsitz von Danaher hielt Culp bewusst klein und ließ den Töchtern mehr operativen Freiraum.

Bürokratieabbau hat Priorität

Weg von der Zentrale und der Bürokratie hin zum Operativen – diesen Weg will Culp auch bei GE einschlagen. Es sei wünschenswert, wenn man sich im Konzern „mehr nach außen und weniger nach oben“ orientieren würde, sagte er gegenüber Analysten.

Und mehr nach vorn als zurück: „Ich habe nicht vor, die nächsten Jahre in der Vergangenheit stecken zu bleiben“, sagte er gegenüber dem „Wall Street Journal“. Er werde „einen überproportionalen Teil meiner Zeit damit verbringen, die Zukunft zu formen“.


Einige Beobachter glauben an ihn. Der Analyst Steven Winoker von UBS rät seinen Kunden nun wieder zum Kauf von GE-Aktien. „Trotz aller Unterschiede zu Danaher denken wir, dass Culp erfolgreich sein wird, das Geschäft zu verbessern, die Kapitalallokation zu optimieren und aufzuräumen, was auf aufgeräumt werden muss“, begründet der Analyst seinen Optimismus: „Larry Culp ist der Schlüssel zu unserer höheren Bewertung.“

Nach seinem Rücktritt bei Danaher vor drei Jahren unterrichtete Culp an der Harvard Business School und gab dort seine Erfahrung an die Studenten weiter. Jetzt hat er wieder einen ganz praktischen Business-Case.