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Lanxess-Chef: „Wir haben allen Grund zu mehr Optimismus“

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CEO Matthias Zachert warnt vor einer weiteren Verunsicherung der Verbraucher. Den Kölner Konzern sieht er für die Krisenzeit gut gerüstet.

Wenn sich Matthias Zachert derzeit durch die Stadt bewegt und in Supermärkte geht, ist er beeindruckt. Der Vorstandschef des Kölner Spezialchemiekonzerns Lanxess lobt die Disziplin, mit der die Deutschen Corona begegnen – mit Mundschutz, Plexiglasscheiben an den Kassen und Schlange stehen ohne Murren. Die Disziplin stimmt ihn zuversichtlich, dass Deutschland auf einem guten Weg ist.

„Natürlich müssen wir Corona mit allen Mitteln weiter bekämpfen. Aber wir haben allen Grund zu mehr Optimismus“, sagte Zachert am Mittwoch und verweist nicht nur auf das Pflichtbewusstsein der Deutschen. Auch das Gesundheitssystem habe eine „sensationelle Stärke“ bewiesen.

Auf dieser Basis sollte „wieder mehr Zuversicht verbreitet werden“, sagte Zachert. Man dürfe nicht allein die Angst vor einer neuen Infektionswelle schüren. Der Lanxess-Chef fordert dies aus handfesten ökonomischen Gründen: Verunsicherte Konsumenten sind Gift für die ohnehin schon angeschlagene Wirtschaft.

Schon jetzt sei absehbar, dass sich die konjunkturelle Schwäche bis ins kommende Jahr auswirken werde, erwartet Zachert. Die reduzierte Kaufkraft infolge von Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit werde auch im noch im dritten und vierten Quartal 2020 für eine schwache Nachfrage in der Gesamtwirtschaft sorgen.

Mulmig wird dem Lanxess-Chef beim Blick auf die Arbeitslosenzahlen in den USA. Eine Quote wie die aktuell gemeldeten 20 Prozent habe er in seiner Karriere noch nicht erlebt. Für das vorwiegend vom privaten Konsum getragene US-Bruttoinlandsprodukt sei dies ein schlechtes Vorzeichen.

Lanxess selbst hat sich in der Corona-Krise bisher recht gut geschlagen. Der Umsatz lag im ersten Quartal 2020 mit 1,7 Milliarden Euro nur leicht unter dem Wert des Vorjahresquartals, der bereinigte Gewinn ging um zehn Prozent auf 245 Millionen Euro zurück. In die Zahlen sind aber nur die negativen Entwicklungen in China eingeflossen, wo Lanxess im Februar acht Werke für mehrere Wochen herunterfahren musste.

Der Shutdown in Europa und den USA wird sich erst im laufenden Quartal und dem Rest des Jahres auswirken. Lanxess erwartet starke Beeinträchtigungen, denn der Konzern leidet etwa unter den Problemen der Autohersteller.

Seinen Optimismus lässt sich Zachert aber nicht nehmen, was sich daran zeigt, dass er im Gegensatz zu anderen deutschen CEOs eine neue Prognose abgibt. Die fällt geringer aus, bleibt aber ambitioniert: Für 2020 geht Lanxess nun von einem bereinigten Gewinn (Ebitda vor Sondereinflüssen) zwischen 800 Millionen Euro und 900 Millionen Euro aus. Bisher lag das Ziel zwischen 900 Millionen Euro und eine Milliarde Euro.

Lanxess kann darauf bauen, dass der Konzern sein Portfolio in Richtung konjunkturrobuste Geschäfte verändert hat. Das zeigt sich in der neuen Sparte Consumer Protection, die den Quartalsgewinn um zwölf Prozent steigerte. Darin sind Geschäfte mit Desinfektions- und Wasseraufbereitungsmitteln sowie Arznei- und Agrar-Wirkstoffen gebündelt.

Zachert sieht den Konzern gut gerüstet. Er habe in der Finanzkrise 2009 gelernt, dass in solchen Phasen größtmögliche Liquidität gesichert werde müsse. Die Kasse ist durch Verkauf des Anteils am Chemieparkbetreiber Currenta auf drei Milliarden Euro gewachsen.

Lanxess verschiebt einige Investitionsprojekte nach hinten und will die Kosten um 50 bis 100 Millionen Euro kürzen. Das sei aber nicht mit Stellenabbau verbunden. In Kurzarbeit sind bisher nur wenige Mitarbeiter. Die Konzernführung will zum Sparpaket durch Einbußen bei der Vergütung beitragen. An der Dividende in Höhe von 95 Cent hält Lanxess fest.

Die Aktie legte am Mittwoch kräftig um 4,7 Prozent auf 47 Euro zu. „Die Signale für das zweite Quartal und das Gesamtjahr zeigten, dass der Spezialchemiekonzern die Lage im schwierigen Umfeld gut im Griff hat“, kommentierte Analystin Georgina Iwamoto von Goldman Sachs.