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Langfrist-Anleger sollten Corona ausblenden

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Corona hat die Kursrally im Gesundheits- und Pharmasektor befeuert. Doch auch nach der ersten Welle der Pandemie und unabhängig von ihr hat der Bereich Potenzial an der Börse.

Die Pharmabranche ist schon in normalen Zeiten keine, die ein mediales Mauerblümchendasein fristen würde. Regelmäßig sorgen milliardenschwere Fusionen in diesem Bereich für Furore. In Zeiten von Corona ist die Aufmerksamkeit für diesen Sektor aber besonders groß, gerade wenn sich eine wahre Elefantenhochzeit anbahnt. Und vor allem dann, wenn das Thema Covid-19 eine entscheidende Rolle spielt. So wie im Fall der jüngsten Spekulationen über eine mögliche Übernahme von Gilead durch AstraZeneca. Die britische AstraZeneca, mit rund 140 Milliarden US-Dollar Marktkapitalisierung ein regelrechtes Dickschiff in dem Sektor, soll Interesse an der US-Firma Gilead haben. Gilead ist angesichts eines Börsenwerts von knapp 100 Milliarden Dollar selbst keine graue Maus – und dürfte nicht im Handstreich und vor allem nicht für ein Taschengeld zu übernehmen sein. Der Grund für das Interesse AstraZenecas liegt auf der Petrischale: Gilead hat mit seinem Mittel Remdesivir eine mögliche Antwort auf das Coronavirus – und eben dieses Asset wollen sich die Briten sichern.

Das eine solche Akquisition oftmals auch eine politische Komponente hat, weiß man spätestens seit Donald Trumps öffentlichem und wenig subtilem Umgarnen des deutschen Unternehmen CureVac, das vor einigen Wochen tagelang für Schlagzeilen gesorgt hatte. Doch auch abseits der politischen Weltbühne und außerhalb steriler Labors spielt die Frage eine große Rolle, wer zu den potenziellen Gewinnern des Rennens um den ersten Impfstoff gegen das neue Virus gehört. Nämlich an der Börse: Gefühlt kein Tag der vergangenen vier Monate verging, ohne dass eine neue Pharma- oder Biotech-Firma von den Marktteilnehmern als Heilsbringer im Kampf gegen Corona gefeiert wurde – und ihr Aktienkurs entsprechend in die Höhe gejubelt wurde.

Börsianer, die sich eine nachhaltige Geldanlage auf die Fahne geschrieben haben, mögen angesichts der teils heftigen Kursausschläge in diesem Bereich die Nase rümpfen. Doch der Hype versperrt den Blick auf eine zu erwartende und auch für Langfristinvestoren interessante Entwicklung: Der Gesundheitssektor ist unabhängig von Corona einer der aussichtsreichsten – und könnte auch nach dem Abflauen der ersten Welle dieser weltweiten Pandemie ein Bereich sein, den Anleger im Blick haben sollten.

Zum einen haben nicht zuletzt die Vereinigten Staaten, eine Industrienation, wie sie reifer eigentlich gar nicht sein kann, gezeigt, inwieweit auch die vermeintlich weit entwickelte westliche Welt von einem Virus zumindest temporär in die Knie gezwungen werden kann. Zum anderen werden sich demographische Trends fortsetzen: Die älter werdende Gesellschaft, der zunehmende Wohlstand in bislang ärmeren Nationen und der damit einhergehende Zuwachs von Zivilisationskrankheiten – all das macht Aktien aus dem Health-Bereich nicht nur für kurzfristig orientierte Investoren interessant, sondern durchaus auch für nachhaltig agierende Anleger. Zumal für jeden etwas dabei ist: Neben Biotech-Forschern und Medikamentenproduzenten sind es Anbieter aus der Medizintechnik, die in den vergangenen Wochen erstmals auf das Radar vieler Investoren an der Börse gerückt sind. Und vor dem Hintergrund, dass zwischen Micro-Caps und Blue Chips alles in diesem Bereich vertreten ist, hat der Anleger auch in punkto Unternehmensgröße und Risiko eine große Auswahl.

Heftige Kursausschläge und -schwankungen innerhalb kurzer Zeiträume, wie sie im Biotech- und Pharmabereich zuletzt zu sehen waren, mögen ein Zeichen temporärer Nervosität sein. Sie müssen aber nicht per se ein Ausschlusskriterium für Freunde von Buy-and-Hold-Strategien sein. Mit entsprechenden Investments, etwa durch die Diversifikation über einen Branchen-ETF wie den MSCI World Health Care, kann der Anleger für ein ausgewogenes Risikomanagement selbst sorgen – und dennoch von der Entwicklung eines langfristig aussichtsreichen Trends profitieren. Denn diese könnte der Gesundheitssektor in den kommenden Jahren an der Börse zeigen.

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