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Farbe, Schleier, Schmuck: Die Geschichte royaler Trauerkleidung

·Lesedauer: 4 Min.

Auch nach dem Tod eines geliebten Familienmitglieds gibt es für die Royals Protokolle und Traditionen. Zur Beisetzung des am 9. April 2021 verstorbenen Prinz Philip wird die königliche Familie in Trauerkleidung erscheinen. Was das bedeutet.

Queen Elizabeth, Wallis Simpson, Herzogin von Windsor, und Queen Mum auf der Beerdigung des Herzogs von Windsor im Jahr 1972. 
Queen Elizabeth, Wallis Simpson, Herzogin von Windsor, und Queen Mum auf der Beerdigung des Herzogs von Windsor im Jahr 1972.

Seit dem Tod von Prinz Philip, †99, wurden einige Details zu seiner Beisetzung am 17. April 2021 bekannt gegeben. Ablauf, Gästeliste und auch der Dresscode stehen fest. Queen Elizabeth, 94, entscheidet: Keiner der Gäste wird in Militäruniform erscheinen, es wird Trauerkleidung getragen.

Es ist das erste Mal seit dem Tod von Queen Mum, †101, vor knapp zwanzig Jahren, dass die britischen Royals ein hochrangiges Familienmitglied beisetzen. Im April 2002 zeigte sich Queen Elizabeth mit schwarzem Mantel, schwarzen Handschuhen, einem schwarzem Hut mit Federn und Perlenschmuck. Obwohl die Trauerfeier Pandemie-bedingt kleiner ausfällt als geplant, gibt es bei der Wahl der Trauerkleidung Traditionen, die zu beachten sind. Erwartet werden an den Frauen schwarze Outfits, dunkle Strumpfhosen, und Schmuck nur wenn er eine besondere Bedeutung hat, die Männer sollen schwarze Mäntel, Anzüge und Krawatten tragen. Schleier werden nur zu Trauerfeiern von Monarchen und Monarchinnen getragen.

Queen Elizabeth II trägt zur Beerdigung ihrer Mutter die "Dorset Bow"-Brosche, die sie in der Vergangenheit immer wieder zu wichtigen familiären Anlässen trug. 
Queen Elizabeth II trägt zur Beerdigung ihrer Mutter die "Dorset Bow"-Brosche, die sie in der Vergangenheit immer wieder zu wichtigen familiären Anlässen trug.

Königin Victoria trug aus Trauer 40 Jahre lang Schwarz

Geprägt hat diese Tradition besonders Königin Victoria, die nach dem Tod von Prinz Albert im Jahr 1861 öffentlich um ihren unerwartet verstorbenen Ehemann trauerte und vierzig Jahre lang Schwarz trug – bis zu ihrem eigenen Tod. "Trauerkleidung ist seit Jahrhunderten ein Teil der europäischen Adelskultur, aber erreichte durch den Einfluss Königin Victorias seinen Höhepunkt im 19. Jahrhundert. Sie setzte einen Standard, der seitdem von der Gesellschaft befolgt wird", erklärt Matthew Storey gegenüber dem britischen "Telegraph". Storey ist Kurator der Organisation "Historic Royal Palaces", welche die königliche Zeremoniekleidung ausstellt.

Queen Elizabeth trauerte nach dem Tod ihrer Mutter in Weiß – und begeistert

Als 1938 die Mutter von Queen Elizabeth (Queen Mum) starb, kurz bevor diese mit King George VI eine wichtige Reise nach Frankreich antreten sollte, wurde Trauerkleidung erneut zu einem großen Thema. Weil es die erste Auslandsreise seit der Abdankung von König Edward VIII und ein Lichtblick in der dunklen Nachkriegszeit sein sollte, ließ sich der königliche Couturier, Norman Hartnell, von mittelalterlichen Royals, wie Mary I, Königin von Schottland, inspirieren und wählte weiße Trauerkleidung. Statt farbenfroher Looks kreierte er eine komplett weiße Reisegarderobe; Roben, Mäntel, Capes und sogar Hüte, die in Frankreich präsentiert wurden. Trotz des traurigen Anlasses war die Resonanz überwältigend. "Keine Garderobe aus der modernen Zeit hat mehr Interesse geweckt als die Staatsgarderobe der Queen für ihren Besuch in Paris", heißt es in einem Artikel des "Telegraph" aus dem Juli 1938.

Queen Mum zeigt sich während ihres Staatsbesuchs in Paris im Juli 1938 ausschließlich in Weiß. Nur wenige Tage zuvor war ihre Mutter gestorben. 
Queen Mum zeigt sich während ihres Staatsbesuchs in Paris im Juli 1938 ausschließlich in Weiß. Nur wenige Tage zuvor war ihre Mutter gestorben.

Royals reisen nicht ohne schwarzes Outfit im Gepäck

Etwas bekannter ist die Geschichte hinter der Tradition, dass Royals nie ohne ein schwarzes Trauer-Outfit im Gepäck verreisen: Queen Elizabeth II, damals noch Prinzessin Elizabeth, war mit Prinz Philip in Kenia, als sie die Nachricht vom Tod ihres Vaters, König George VI, im Jahr 1952 erreichte. Sofort trat die damals 25-Jährige die Rückreise an, ließ jedoch bei ihrer Ankunft in England erst ein schwarzes Kleid zum Flugzeug bringen, das sie anziehen konnte. So stieg sie in einem eleganten schwarzen Mantelkleid mit Brosche und Hut aus dem Flugzeug – dem traurigen Anlass ihrer Rückkehr entsprechend.

Zur Beerdigung von King George VI erscheinen seine Frau und seine beiden Töchter, Elizabeth (Mitte) und Margaret (rechts) mit langen schwarzen Schleiern. 
Zur Beerdigung von King George VI erscheinen seine Frau und seine beiden Töchter, Elizabeth (Mitte) und Margaret (rechts) mit langen schwarzen Schleiern.

Prinzessin Diana setzt auf auffälligen Schmuck

Den wohl berühmtesten Trauerlook von Prinzessin Diana, †36, präsentierte sie bei der Beerdigung von Grace Kelly im Jahr 1982. Sie trug ein schwarzes, hochgeschlossenes Kleid und eine auffällige Kette mit Herzanhänger. Dazu kombinierte sie einen schwarzen Hut mit breiter Samtbordüre.

Lady Diana erscheint 1982 alleine zur Beerdigung von Grace Kelly in Monaco. An ihrer Hand funkelt der Verlobungsring, den heute Herzogin Catherine trägt. 
Lady Diana erscheint 1982 alleine zur Beerdigung von Grace Kelly in Monaco. An ihrer Hand funkelt der Verlobungsring, den heute Herzogin Catherine trägt.

Sowohl bei der privaten Beerdigung von Queen Elizabeths Schwester Margaret, †71, im Jahr 2002, als auch bei der Trauerfeier von Prinzessin Diana, †36, im Jahr 1997 erschienen die royalen Gäste in Trauerkleidung. Nur bei Trauerfeiern und am "Remembrance Day", der jährlich im November in den Commonwealth-Staaten begangen wird, treten die britischen Royals in Schwarz auf.

Verwendete Quellen: telegraph.co.uk, tatler.com, hellomagazine.com, eigene Recherche