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Wie lange hält der Arbeitsmarkt der Krise stand? Jobcenter bleiben optimistisch, aber Ifo rechnet mit zunehmendem Stellenabbau

Das Ifo-Institut erwartet mehr Entlassungen in Deutschland. Die Jobcenter bleiben für die Beschäftigung aber optimistisch.  - Copyright: picture alliance / CHROMORANGE | Markus Mainka
Das Ifo-Institut erwartet mehr Entlassungen in Deutschland. Die Jobcenter bleiben für die Beschäftigung aber optimistisch. - Copyright: picture alliance / CHROMORANGE | Markus Mainka

Der Arbeitsmarkt steht auf der Kippe. Auf der einen Seite steigt die Beschäftigung von Rekord zu Rekord, und viele Unternehmen suchen unverändert Personal. Auf der anderen Seite hinterlässt Dauerschwäche der deutschen Wirtschaft zunehmend Spuren. Das Paradox am deutschen Arbeitsmarkt verdeutlichen die beiden wichtigsten Umfragen zum Arbeitsmarkt, die am Dienstag veröffentlicht wurden.

Laut der Umfrage des Ifo-Instituts bei Unternehmen sinkt deren Bereitschaft, Personal einzustellen. Es drohten auch mehr Entlassungen. Das Ifo-Beschäftigungsbarometer sank. Dagegen sind die Experten der Jobcenter der Bundesagentur für Arbeit unverändert zuversichtlich, dass die Beschäftigung weiter steigt. Das Arbeitsmarktbarometer des IAB blieb unverändert. Umso spannender wird es, wenn die Bundesagentur für Arbeit am Donnerstag die neuen Arbeitslosenzahlen für den Februar vorstellt.

Ifo-Beschäftigungsbarometer sinkt – „Abbau von Arbeitsplätzen möglich“

Das Ifo-Beschäftigungsbarometer sank im Januar von 95,5 Punkte auf nur noch 94,9 Punkte. Das ist der schlechteste Wert seit Februar 2021, als die zweite Welle der Corona-Pandemie die Aussicht verdüsterte. „Die wirtschaftlich flaue Entwicklung lässt die Unternehmen bei Neueinstellungen zögern“, sagte Ifo-Forscher Klaus Wohlrabe: „Auch der Abbau von Arbeitsplätzen ist nicht mehr ausgeschlossen.“

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Vor allem in der Industrie stehen die Zeichen laut Ifo weiter auf Personalabbau. Die negative Entwicklung gelte aber für nahezu alle Branchen. Der schwache Konsum gefährde vor allem Jobs im stationären Einzelhandel. Viele Händler wollten das laufende Geschäft mit weniger Personal bewältigen. Bei Dienstleistungen sei das Ifo-Barometer noch leicht positiv, aber die Einstellungsdynamik schwäche sich ab. Ungebrochen sei dagegen die Bereitschaft, IT-Dienstleister und Berater einzustellen.

Dem Ifo-Barometer liegt eine umfassende, regelmäßige Umfrage bei Unternehmen zugrunde.

IAB-Beschäftigungsbarometer steigt: „Arbeitsmarkt hält Sog des Abschwungs stand“

Das IAB-Arbeitsmarktbarometer hielt sich dagegen im Februar im leicht positiven Bereich. Der Index beruht auf einer Umfrage des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) bei allen Jobcentern. Das Barometer liegt stabil bei 100,3 Punkte und damit über dem neutralen Wert von 100 Punkten und signalisiert damit unverändert eine wachsende Beschäftigung.

Das Arbeitsmarktbarometer besteht aus Vorhersagen der Jobcenter zu Beschäftigung und zur Arbeitslosenzahl. Beide Komponenten verbesserten sich im Januar. Die Komponente zur Beschäftigung fiel um 0,6 Punkte auf 102,5 Punkte, liegt aber immer noch klar im Plus. „Der Arbeitsmarkt widersteht weiterhin dem Sog des Wirtschaftsabschwungs“, sagte IAB-Forscher Enzo Weber. Der Ausblick für die Arbeitslosigkeit verbesserte sich um 0,5 Punkte auf 98 Punkte, bleibt damit aber negativ. „Selbst im Abschwung sind Arbeitskräfte in vielen Bereichen knapp. Das begrenzt die bereits möglichen Beschäftigungssteigerungen“, so Weber.

Das steckt hinter dem gespaltenen Ausblick

Die Umfragen widersprechen sich nur auf den ersten Blick. Denn der Arbeitsmarkt in Deutschland ist von einer Besonderheit gekennzeichnet: Sowohl die Beschäftigung als auch die Arbeitslosigkeit nehmen zu. Das liegt daran, dass derzeit mehr Menschen auf den Arbeitsmarkt kommen. Zum einen sind dies Zuwanderer und Geflüchtete zumal aus der Ukraine, die in Deutschland arbeiten dürfen. Aber auch die schrittweise Anhebung des Rentenalters und mehr Flexibilität durch Home-Office erhöhen das Arbeitskräfteangebot. Die Beschäftigung steigt, weil Unternehmen weiterhin viele Fachkräfte suchen.

Gleichzeitig steigt auch die Zahl der Arbeitslosen. Weil mehr Geflüchtete arbeiten dürfen, tauchen sie auch eher in der Arbeitslosenstatistik auf. Gleichzeitig wächst aufgrund der wachsender Probleme vieler Unternehmen das Risiko, arbeitslos zu werden und dann weniger schnell einen neuen Job zu finden.

Die Beschäftigung in Deutschland lag mit 46,2 Millionen Menschen zum Jahresende auf Rekordniveau. Im Durchschnitt des Jahres hatten in Deutschland 2023 rund 45,9 Millionen Menschen Arbeit. Das waren rund 300.000 mehr als im Vorjahr. Gleichzeitig stieg die Zahl der Arbeitslosen im Januar auf 2,8 Millionen Menschen. Das waren 190.000 Arbeitslose mehr als ein Jahr zuvor. Und immer noch haben Unternehmen bei den Jobcentern über 700.000 offene Stellen gemeldet. In Umfragen geben Firmen sogar an, dass sie weit mehr als 1,5 Millionen offene Stellen nicht mit geeigneten Kandidaten besetzen können.