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Lang erwartete E-Auto-Premiere: Der Mercedes EQS übertrumpft mit seiner Reichweite und Aerodynamik sogar Tesla

Elias Holdenried
·Lesedauer: 6 Min.
Der Mercedes EQS bringt die deutsche E-Mobilität einen großen Schritt weiter.
Der Mercedes EQS bringt die deutsche E-Mobilität einen großen Schritt weiter.

Es war eine Vorstellung, auf die die deutsche Autoindustrie lange hingefiebert hatte: Am Donnerstag Abend wurde erstmalig das neue Flaggschiff der deutschen E-Mobilität vorgestellt - der neue Mercedes EQS.

Die futuristisch gestylte, sowie technisch fortschrittliche Oberklasse-Limousine EQS soll nicht weniger als die S-Klasse des Elektro-Zeitalters werden. Ab August wird sie parallel zu der erst im vergangenen Dezember eingeführten Sonderklasse mit Verbrennungsmotor angeboten. Der Hoffnungsträger der Stuttgarter stellt mit seiner Reichweite und der aerodynamisch effizienten Karosserie gleich zwei Weltrekorde auf.

"Der EQS wurde entwickelt, um selbst die Erwartungen unserer anspruchsvollsten Kunden zu übertreffen.", liess dann auch stolz Daimler-Chef Ola Källenius verlauten. "Genau das muss ein Mercedes leisten, um sich den Buchstaben ‚S‘ im Namen zu verdienen. Denn diesen Buchstaben vergeben wir nicht leichtfertig."

520 PS für die vorläufige Topversion

Mit einer Länge von 5,22 und einer Breite von 1,93 Metern hat der EQS zwar ungefähr das Format der konventionell angetriebenen S-Klasse, es handelt sich bei der elektrischen Oberklasse jedoch um ein technisch komplett eigenständiges Auto. Die Limousine basiert als erstes Mercedes-Modell auf Daimlers MEA. Das Kürzel steht für die neue modulare Elektro-Architektur des Konzerns, die andere Proportionen und damit auch deutlich großzügigere Platzverhältnisse im Innenraum ermöglicht.

Mercedes wird den rund 2,5 Tonnen schweren EQS zum Marktstart mit zwei Motorisierungen anbieten. Den Einstieg bildet der EQS 450+, bei dem ein 245 kW (333 PS) und 568 Newtonmeter starkes Elektroaggregat die Hinterräder antreibt. So beschleunigt die heckgetriebene Basisversion in 6,2 Sekunden von Null auf Hundert. Dank eines zusätzlichen, an der Vorderachse platzierten Elektromotors verkürzt sich die Sprintzeit beim vorläufigen Topmodell EQS 580 4MATIC auf 4,3 Sekunden.

Auf dem Datenblatt dieser allradgetriebenen Variante steht eine kombinierte Leistung von 385 kW (523 PS) und ein maximales Drehmoment von 855 Newtonmetern. Doch damit soll das Ende der Fahnenstange leistungstechnisch noch lange nicht erreicht sein. Mercedes hat eine Performance-Variante angekündigt, die später mit bis zu 560 kW (761 PS) vorfahren soll. Das sportliche Topmodell dürfte das Label der hauseigenen Performance-Abteilung Mercedes-AMG tragen.

Bis zu 770 Kilometer Reichweite

Mercedes setzt bei den selbstentwickelten Lithium-Ionen-Batterien auf die moderne Zellchemie NCM-811. Dadurch sinkt der Anteil des seltenen Rohstoffs Kobalt in der Kathode auf zehn Prozent. Die Stromspeicher des EQS gibt es in zwei Varianten, die entweder zehn oder zwölf Module, sowie eine maximal nutzbare Kapazität von 90, beziehungsweise knapp 108 kWh haben. Mit der größeren Ausbaustufe soll die schwäbische Elektro-Limousine nach der WLTP-Norm bis zu 770 Kilometer weit kommen. Damit müssen sich so gut wie alle anderen E-Autos dem EQS in Sachen Reichweite geschlagen geben. Nur der Lucid Air und das Tesla Model S Plaid Plus bieten mit über 800 Kilometern noch größere Radien. Die beiden amerikanischen Langstreckenläufer wurden zwar bereits präsentiert, es dürfte jedoch noch eine ganze Weile dauern, bis sie tatsächlich über europäischen Straßen rollen.

Die luxuriöse E-Limousine wird in der Sindelfinger Factory 56 vom Band laufen.
Die luxuriöse E-Limousine wird in der Sindelfinger Factory 56 vom Band laufen.

Wenn der Saft in ihren Batterien komplett alle ist, müssen EQS-Fahrer nicht ewig warten, bis sie ihre Reise fortsetzen können. Der größte Elektro-Mercedes ist auf eine maximale Ladeleistung von 200 kW ausgelegt. An DC-Schnelladestationen fließt so innerhalb von 15 Minuten genug Strom für 300 Kilometer in die Batterie. Nach 31 Minuten steht so wieder die volle Reichweite zur Verfügung. An normalen Punkten oder der heimischen Wallbox kann dank des optionalen Onboard-Laders mit höchstens 22 kW geladen werden. So dauert es rund fünf Stunden, bis der Stromspeicher wieder komplett gefüllt ist.

Vielseitige Over the Air-Updates

Der EQS wird zudem regelmäßig Over-the-air-Updates bekommen, die unter anderem auch das elektronische Batteriemanagement betreffen werden. So bleibt die Software der Luxuslimousine auch nach der Auslieferung jahrelang auf dem neuesten Stand, ohne dass der Kunde für das Aufspielen eine Werkstatt aufsuchen muss. Aber auch umfangreiche technische Upgrades können mit ihnen nachträglich freigeschaltet werden. Die standardmäßige Hinterachslenkung hat beispielsweise ab Werk einen Lenkwinkel von 4,5 Grad. Gegen Aufpreis kann dieser jedoch auf 10 Grad erhöht werden. So wird der der Wendekreis der ausgewachsenen und immer luftgefederten Luxuslimousine auf 10,9 Meter geschrumpft - der des aktuellen VW Golf ist gleich groß.

Der Hyperscreen des EQS erstreckt sich über das komplette Armaturenbrett
Der Hyperscreen des EQS erstreckt sich über das komplette Armaturenbrett

Zudem wird das elektrisches Flaggschiff von Mercedes voraussichtlich ab der ersten Jahreshälfte 2022 teilweise komplett autonom unterwegs sein. Der über OTA-Updates nachgereichte und "Drive Pilot" genannte Assistent ist für Geschwindigkeiten bis 60 km/h zugelassen. Er soll beispielsweise im Stop & Go-Verkehr gänzlich das Steuer übernehmen können. Besonders beeindruckend ist die ebenfalls erst später verfügbare "Automated Valet Parking"-Funktion des Systems. Dank ihr soll der EQS in einigen Ländern fahrerlos in dafür geeignete Parkhäusern rollen und dort selbstständig einparken können. Anschließend fährt die menschenleere Limousine dann automatisch wieder aus dem Gebäude. Die sonstigen Assistenzsysteme übernimmt das Elektroauto großteils von der konventionellen S-Klasse.

Der EQS ist Aerodynamik-Weltmeister

Der Designchef Gorden Wagener und seine Mitarbeiter haben dem EQS eine futuristisch glattflächige Hülle verpasst, die der fortschrittlichen Technik auch optisch gerecht werden soll. Das minimalistisch Design wirkt sehr rundlich und wurde von Anfang an auf eine möglichst geringen Luftwiderstand getrimmt. Mit Erfolg: Mit einem cW-Wert von 0,20 ist der EQS das aerodynamischte Serienauto der Welt. So dürfte die ungewöhnliche Karosserieform ganz wesentlich zu der hohen Reichweite beitragen.

Die Fensterlinie steigt nach hinten steil an, während die bogenförmige Dachlinie erst bei den Rückleuchten endet. Beim EQS handelt es sich um eine Fließheck-Limousine mit einer großen Heckklappe, hinter der sich ein großzügiger Laderaum mit einem Fassungsvermögen von 610 bis 1.770 Liter verbirgt. Zudem hat Mercedes dem EQS hinten ein durchgehendes Leuchtband verpasst. An der Front findet sich das von der Studie Vision EQS bekannte Gesicht mit den spitz zulaufenden Scheinwerfern und dem angedeuteten, aber komplett geschlossenem Kühlergrill wieder. Auch hier wird die Leuchtsignatur der beiden Scheinwerfer von einem schmalen LED-Streifen verbunden. Gegen Aufpreis können die hinteren Türen von aussen automatisch geöffnet werden, während die Türgriffe optional ausfahren.

Hyperscreen und Luftfiltersystem

In dem luftigen und teilweise mit Recycling-Materialien ausgekleideten Interieur des Basis-EQS, setzt Mercedes ein Bediensystem ein, dass sich grundlegend an dem der S-Klasse orientiert. Vor dem Fahrer sitzt also ein schmales Display für die wichtigsten Fahrzeuginformationen, während auf der Mittelkonsole ein schwebendes Tablet mit Touchbedienung thront. Das Head-up-Display ist in zwei Größen erhältlich und verfügt bei der gehobeneren Version auch über Augmented Reality-Funktionen.

Das eigentliche Highlight des EQS-Interieurs ist jedoch der gegen Aufpreis erhältliche und ziemlich imposante "MBUX-Hyperscreen". Bei ihm handelt es sich um eine Kombination aus drei Bildschirmen, die sich über die komplette Breite des Armaturenbretts (1,41 Meter) erstrecken. Dank eines ebenfalls nur optional erhältlichen Filtersystems, soll die Innenraum-Luft sauberer als in einem Operationssaal sein. Preise hat Mercedes noch nicht veröffentlicht. Aufgrund seiner kostspieligen Lithium-Ionen-Batterie und der aufwendigen Technik, dürfte der EQS nochmals teurer als die konventionellere S-Klasse werden. Beim Marktstart im Sommer dürften die Preise schätzungsweise erst jenseits der 100.000 Euro-Marke beginnen.

Hinter der Heckklappe verbirgt sich ein Kofferraumvolumen von 610 bis 1770 Litern.
Hinter der Heckklappe verbirgt sich ein Kofferraumvolumen von 610 bis 1770 Litern.

Dieser Artikel wurde mit den Informationen um die neue Fertigung der Batterien aktualisiert.