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Ich landete durch extremen Stress und Burnout im Krankenhaus — erst danach setzte ich mein Wohlbefinden an die erste Stelle

Elizabeth Rosenberg
·Lesedauer: 8 Min.

Ich arbeitete im Marketing, als globale Kommunikationschefin für eine große Werbeagentur. Ich beaufsichtigte die interne und externe PR für Büros auf vier Kontinenten und für einige der kultigsten und einflussreichsten Marken der Welt. Meine typische Arbeitswoche umfasste 60 Stunden oder mehr (was in unserer Branche leider ziemlich üblich ist), aber ich liebte meinen Job und meine Aufgaben und ich mochte auch die Menschen, mit denen ich arbeitete.

Aber PR ist eine anspruchsvolle, „always on“-Rolle, die mit hohen Stressleveln einhergeht und sehr leicht zu Burnout führen kann. Der Tag, an dem ich ein extremes Burnout erlebte, begann wie jeder andere Tag. Ich hatte eine neue Führungskraft im Büro vorzustellen und wie alle guten Kommunikatoren hatte ich die gesamte Veranstaltung bis ins kleinste Detail durchdacht.

Wie immer in der PR lief nichts nach Plan

Diese neue Führungskraft kam 30 Minuten zu spät zu ihrer eigenen Teambesprechung; die genehmigte Präsentation, die ich bereits vorbereitet hatte, wurde von anderen hinter verschlossenen Türen einfach umgeschrieben; und die Besprechung für alle Mitarbeiter begann mit 45-minütiger Verspätung und dauerte länger als eine Stunde.

Alle waren genervt.

Irgendetwas ist da in mir passiert. Ich habe mich sofort gefragt: Würden mir alle die Schuld dafür geben, dass das Meeting nicht nach Plan verlief? Gab es überhaupt noch einen Plan? Interessierte das außer mir überhaupt noch jemanden? Schnell schlich sich ein stechender Schmerz in meinem Kopf und hinter meinen Augen ein.

Ich weiß jetzt, dass ich Migräne unbewusst hervorrufe, um meinen Stress abzubauen, mich aus bedrohlichen Situationen zu entfernen oder mich dafür zu bestrafen, dass ich nicht mein absolut Bestes gegeben habe. Zu diesem Zeitpunkt aber wusste ich es noch nicht. Dreißig Minuten nach dem Meeting sagte ich meinem Chef, dass ich gehen müsse, packte meine Tasche und fuhr nach Hause.

Während ich durch Verkehr von LA fuhr, war mein Schmerz auf Stufe 10

Ich hatte in meinem Leben schon Nierensteine, geplatzte Eierstockzysten und eingeklemmte Nerven in meinem Nacken. Aber dass ich auf einer Schmerzstufe von 10 gewesen wäre, kann ich nur von einer Handvoll Malen behaupten. Die Migräne war so schlimm, dass mir übel wurde. Ich hielt zweimal an und übergab mich am Straßenrand. Als ich wieder ins Auto stieg, geriet ich in Panik: „Dieser Schmerz fühlt sich anders an. Sterbe ich etwa?“

Also tat ich, was jede alleinstehende 35-jährige Frau tun würde: Ich rief meine Mutter an. Als sie ranging, fühlte sich meine Zunge taub und geschwollen an und meine Hände konnten das Lenkrad nicht mehr spüren. „Habe ich überhaupt Beine?“

Zwischen hysterischen Schluchzern erzählte ich meiner Mutter, dass ich mich nicht in der Lage fühlte zu sprechen und dass alles anfing, taub zu werden. Sie sagte mir, ich solle rechts ran fahren. „Ich glaube, du hast einen Schlaganfall. Du musst sofort ins Krankenhaus.“

Zu diesem Zeitpunkt konnte ich nicht mehr sprechen. Die Panik und der Schmerz hatten die Oberhand gewonnen. Und nun, da meine Mutter mir den Gedanken eingepflanzt hatte, war ich überzeugt, einen Schlaganfall zu haben. Ich legte auf, kam irgendwie von der Autobahn runter und fuhr auf den Parkplatz der Notaufnahme von Saint John's. Ich war immer noch hysterisch, schnappte nach Luft und weinte vor Schmerzen. Außerdem hatte ich meine Kleidung durchgeschwitzt und Erbrochenes auf meinem Pullover.

Ich brach auf dem Boden des Wartezimmers zusammen

Innerhalb weniger Minuten wurde ich auf eine Trage geschnallt und nach hinten gebracht. Sobald wir im Untersuchungsbereich angekommen waren, untersuchten sie meine Arme und Beine auf Einstichstellen. Sie strahlten mir mit einer Taschenlampe in die Augen. Sie nahmen mir Blut ab und eine sehr liebe Krankenschwester rieb mir ein paar Minuten lang den Kopf und sagte mir, ich müsse mich beruhigen, bevor sie mich allein ließ.

Ich lag ein paar Minuten still da. Dann geriet ich in einen Schockzustand. Ich hatte aufgehört zu weinen, aber dafür fror ich jetzt und zitterte unkontrolliert. Die Krankenschwester kam zurück, um nach mir zu sehen, wickelte mich in mehrere Wärmedecken ein und sagte mir, dass die Bluttests bald zurück sein würden.

Ein Arzt erschien an meiner Trage und sagte mir: „Nun, Sie sind nicht auf Drogen. Was ist los mit Ihnen?“ Zu diesem Zeitpunkt hatte ich mich soweit beruhigt, dass ich anfing zu reden. Ich erzählte ihm von meiner Migräne. Er gab mir eine Spritze und ich schlief schließlich ein.

Ich wachte mit meinem Vater an meiner Seite auf. Meine Mutter hatte ihn angerufen und ihm gesagt, er solle mich im Krankenhaus treffen. Ich war so dankbar, dass ich nicht allein war, als ich zu mir kam. Wir unterhielten uns ein paar Minuten und ich schlief wieder ein, in der Hoffnung, dass die Medikamente wirken würden.

Drei Stunden später bin ich aus der Hölle aufgetaucht

Ich fühlte mich, als wäre ich von einem Lastwagen überfahren worden und war wie benebelt. Ich wohnte etwa eine Meile entfernt, also folgte mein Vater mir und half mir, ins Haus zu kommen. Es war 17 Uhr, als ich nach Hause kam. Und vermutlich können sie schon ahnen, was ich anschließend tat. Ins Bett gehen? Nein. Etwas essen? Fehlanzeige.

Ich schaltete mein Telefon ein — und sah 35 verpasste SMS, ein Dutzend verpasste Anrufe und fast 150 E-Mails, von denen viele sofort erledigt werden mussten. Und dann habe ich genau das getan, was ich nicht hätte tun sollen.

Ich stürzte mich wieder in die Arbeit, zurück in das stressige Chaos, das gerade eine der schlimmsten Erfahrungen meines Lebens ausgelöst hatte. Ich ging gleich am nächsten Tag zurück zur Arbeit, um allen — und auch mir selbst — zu beweisen, dass es mir gut ging. Besser als gut. Ich war verlässlich. Ich war großartig in meinem Job. Und ich war immer für sie da, wenn sie mich brauchten.

Am nächsten Tag kehrte ich zur Arbeit zurück, als wäre nichts passiert

Ich habe an diesem Tag zwölf Stunden gearbeitet. Ich kam gegen 20:30 Uhr nach Hause, trank ein Glas Wein, checkte noch ein paar Mal meine E-Mails und ging schlafen, um den nächsten Tag genau so zu verbringen.

In den folgenden Monaten war ich bei allen möglichen Ärzten, vom Neurologen über den HNO-Arzt bis zum Allergologen, um eine Erklärung für den Vorfall mit der Migräne zu finden. Ich wollte nicht akzeptieren, dass Stress etwas so Schwerwiegendes auslösen kann. Niemand konnte etwas finden. Doch alle empfahlen mir dringend, weniger zu arbeiten.

Seitdem habe ich mehrere Jahre an mir gearbeitet und sage gerne jedem, der es hören will, dass es Burnout wirklich gibt. Stress ist nicht nur ein Wort. Es ist eine individuelle, körperliche Manifestation der mentalen oder emotionalen Belastung, die aus anspruchsvollen Umständen resultiert. Und wenn uns das letzte Jahr etwas gelehrt hat, dann, dass wir ständig von anspruchsvollen Umständen in Arbeit und Leben umgeben sind.

Ich habe mit Dutzenden Behandlungsformen im physischen, mentalen und spirituellen Bereich experimentiert und mich weitergebildet. Ich habe Bewegung, Craniosacral-Therapie, Mediation, Life-Coaching und fast jede spirituelle Erfahrung ausprobiert, die LA zu bieten hat.

Es gibt keine pauschale Antwort auf Burnout und Stress

Bei mir waren eine Therapie und ein Führungskräfte-Coaching am effektivsten. Außerdem musste ich einfach lernen, wann ich mir eine Auszeit nehmen muss — und diese dann auch tatsächlich nehmen. Ohne schlechtes Gewissen, weil ich etwas verpassen oder andere im Stich lassen könnte. Ein nächtliches Smartphone-Verbot (kein Telefon im Schlafzimmer) und ein Fitnessprogramm haben mir ebenfalls dabei geholfen, mein Stressniveau zu kontrollieren.

Heute bin ich mir meiner Migräneauslöser bewusst und kann den Stress kommen sehen. Dadurch kann ich handeln, bevor der Burnout kommt. Ich weiß, dass lange Arbeitszeiten und hoher Stress zu meiner Migräne führen, und ich erkenne auch körperlich, wenn ich unruhig schlafe und eine leichte Cluster-Migräne bekomme, die häufiger und schmerzhafter wird. Ich nehme mir eine Auszeit, wenn ich nicht mehr durch Burnout und Stress durchpowern kann.

Anfang März 2020, kurz bevor die Welt wegen Covid-19 zusammenbrach, habe ich das Agenturleben für immer aufgegeben. Ich gründete meine eigene Kommunikationsberatung, The Good Advice Company, in der ich Marken und Agenturen in strategischer Kommunikation, Marketing und Thought Leadership berate.

Ich weiß, dass es ein Privileg ist, einfach den eigenen Job kündigen und sein eigenes Unternehmen gründen zu können. Ich habe das sogar zweimal getan, einmal im Jahr 2008 und dann erneut im Jahr 2020. Das Unternehmertum hat definitiv seine eigenen Versionen von Stress (die Verwaltung eines neuen Unternehmens, Finanzen und rechtliche Fragen kommen mir in den Sinn), aber es hat mir auch einen flexibleren Zeitplan ermöglicht. Ich kann mit Kunden und Partnern zusammenarbeiten, die meine Grenzen respektieren. Das ermöglicht mir einen neuen Fokus auf meine Arbeit.

Ich weiß, dass viele nach mehr als einem Jahr, in dem sie rund um die Uhr auf der Arbeit waren, an ihrer Belastungsgrenze sind. Und ich muss zugeben, dass es mir an meinem Tiefpunkt lieber gewesen wäre, die Ärzte hätten bei mir ein körperliches Problem gefunden. Stattdessen entdeckte ich schließlich, dass meine Episoden selbstverschuldete Manifestationen von intensivem Stress und Burnout waren.

Ich musste die Wahrheit hören, um etwas zu verändern

Wenn ich mir das selbst antat, hatte ich auch die Fähigkeit es wieder rückgängig zu machen. Und das könnt ihr auch. Selbsterkenntnis ist der Ausgangspunkt für jede Veränderung.

Rund um eure Gesundheit Grenzen zu setzen und euch dafür nicht zu entschuldigen, euren Vorgesetzten anzusprechen, bevor ihr eure Belastungsgrenze erreicht — all das wird euch helfen. Ich glaube wirklich, dass die Welt während der Pandemie empathischer geworden ist. Und ich hoffe, dass sich diese Empathie fortsetzt, wenn wir langsam zu unseren physischen Arbeitsplätzen zurückkehren.

Wir sollten nicht beweisen müssen, dass wir gut in unserem Job sind, indem wir viele Stunden arbeiten oder uns bis zur Belastungsgrenze treiben. Wir sollten nicht bis zur Belastungsgrenze gehen müssen, damit unsere Arbeit wertgeschätzt wird und wir erfahren, dass wir in dem, was wir tun, gut sind. Es gibt keinen Job auf der Welt, der es wert ist, seine geistige und körperliche Gesundheit aufs Spiel zu setzen.

Dieser Artikel wurde von Steffen Bosse aus dem Englischen übersetzt. Das Original findet ihr hier.