Deutsche Märkte öffnen in 54 Minuten

Ich bin mit dem Lamborghini Aventador in Italien gefahren und kam innerhalb 2,8 Sekunden von 0 auf 100 km/h

Business-Insider-Autor Henning Krogh lenkt den Test-Ultimae auf kurviger Landstraße. - Copyright: Jannik Abelt/ Lukas Linner
Business-Insider-Autor Henning Krogh lenkt den Test-Ultimae auf kurviger Landstraße. - Copyright: Jannik Abelt/ Lukas Linner

„In die Altstadt von Bologna? Oder lieber nach Modena, nach Imola?“, fragt mich die Beifahrerin. Zwei Sätze nur, dann bleibt die Sprache weg. So teuflisch brüllt der längs eingebaute Benziner direkt hinter den Ohren beim Kavaliersstart auf, so katapultartig schießt der nicht mal ganz 1,14 Meter hohe Zweisitzer nach vorn, dass sich die Pizza „alle quattro stagione“ vom Vorabend im Magen rührt.

Lediglich 2,8 Sekunden benötigt ein Lamborghini Aventador Ultimae LP 780-4 für den Spurt von null auf Tempo Hundert. Die Höchstgeschwindigkeit von 355 km/ h glauben wir dem Automobilproduzenten, aber vorsichtshalber lieber ohne persönliche Überprüfung meinerseits.

Auf dem Heck dieses Coupés nämlich thront ein kolossales Luftleitwerk in der Art einer Boeing 747-8

Denn nur, weil er brachial sein kann, muss man diesen Lamborghini ja nicht partout brachial fahren. Bei gesetzestreuem Landstraßentempo etwa – in Italien sind das bis zu 90 km/ h – gibt sich der „Stier“ mit seiner Aluminium-Doppelquerlenkeraufhängung vorn und hinten geradezu lammfromm.

Bei dynamischen Überholmanövern ist auf das automatisierte Schaltgetriebe mit sieben Stufen ebenso Verlass wie auf den permanenten Allradantrieb und die zackig ansprechende Servolenkung mit ihren bedarfsgerecht drei Kennlinien.

Beruhigend beim Einscheren in den Verkehrsstrom: Die Sicht via Innenspiegel nach hinten ist in Ordnung. Ganz anders als beim technisch eng verwandten Aventador SVJ, den Business Insider danach zu Vergleichszwecken fuhr. Auf dem Heck dieses Coupés nämlich thront ein kolossales Luftleitwerk in der Art einer Boeing 747-8 – und schränkt den Rückblick drastisch ein.

Beim Aventador LP 780-4 Ultimae hingegen schmiegen sich lediglich drei gezackte Lamellen an die voluminöse Motorhaube und erinnern so an die sechs dorsalen „Jalousiestreben“ des ikonischen Lamborghini Miura von 1966.

Einparken, schwer gemacht: Die mit Außenspiegeln gut 2,27 breite Flunder ist nicht leicht zu rangieren. - Copyright: Jannik Abelt/ Lukas Linner
Einparken, schwer gemacht: Die mit Außenspiegeln gut 2,27 breite Flunder ist nicht leicht zu rangieren. - Copyright: Jannik Abelt/ Lukas Linner

Macken hat so ein LP 780-4 allerdings auch

Da. Ganz plötzlich! Ein Trecker mit Futtermittelanhänger biegt vom Feldweg vorn rechts auf die Fahrbahn.

In solchen Schreckmomenten gut zu wissen: Der Aventador hat modernste Carbon-Keramik-Bremsscheiben, die bei beherztem Zutreten wirken wie ein Ankerwurf vom Schlauchboot.

Macken hat so ein LP 780-4 allerdings auch. Die extrem breite Niederquerschnittsbereifung rumpelt deutlich hör- und spürbar über Strecken mit nur milden Unebenheiten.  Die vier Pirelli-Pneus tragen die Handelsbezeichnung „P Zero Corsa“ – und letzteres Wort bedeutet so viel wie „Rennkurs“.

Einen Picknickkorb bekommt man unter im Gepäckfach unter der Fronthaube

Und ein geräumiger Tourenwagen ist dieser Lamborghini – anders als das SUV Urus – beileibe nicht. Zwar bekommt der 1,96 Meter lange Mensch am Lenkrad ausnahmslos alle oberen wie unteren Extremitäten in der Kabine klaglos verstaut.

Doch der Mensch muss essen. Und der Mensch will schließlich auch mal verreisen.

Einen Picknickkorb mit „Parmigiano“ und „Pane“ mitsamt der wichtigsten Zutaten für „Aperol Spritz“ bekommt man unter im Gepäckfach unter der Fronthaube. Größere Urlaubskoffer oder auch nur halbwegs sperrige Ausflugsutensilien nicht.

Mickrige 140 Liter fasst das Ladeabteil im „Ultimae“-Bug. Zum Vergleich ein Blick ins Betriebshandbuch: Motorkühlflüssigkeit – 25 Liter. Motoröl – 13 Liter.

Rigorose Benimmregeln

Bleibt die Frage nach dem Tankinhalt: 85 Liter. Und danach, wie schnell die aufgebraucht sind. Antwort: Sehr schnell – zumindest bei forcierter Fortbewegung.

Als kombinierten Verbrauchswert nach der Messnorm WLTP gibt Automobili Lamborghini 18,0 Liter pro 100 Kilometer offiziell zu. Und die kombinierten CO₂-Emissionen betragen gewaltige 442 g/km (WLTP). Das ist viel. Sehr viel.

Will aber niemand wissen, im Innenhof des Hotels Portici. Denn Pause muss sein. Und ein leibhaftiger Lamborghini führt die Menschen zusammen. Der Koch aus der Spätschicht eilt herbei, wünscht ein Selfie. Passanten zücken die Handys, fotografieren euphorisch durch den Zaun.

Schließlich naht eine Mutter mit Kind und fragt, ob der Nachwuchs für ein Erinnerungsbild mal kurz auf den Fahrersitz des „Ultimae“ klettern darf. Klar doch, gern. Darf denn das Eis mit hinein? Auf gar keinen Fall, die Waffel der Mama geben, bitte. Lambo-Leihe macht streng – aber Spaß übrigens auch.

Das Schönste kommt zum Schluss: Die Heckpartie ist Schokoladenseite des Final-Aventadors. - Copyright: Jannik Abelt/ Lukas Linner
Das Schönste kommt zum Schluss: Die Heckpartie ist Schokoladenseite des Final-Aventadors. - Copyright: Jannik Abelt/ Lukas Linner
Elias Holdrenried mit seinem Peugeot
Elias Holdrenried mit seinem Peugeot
Wir möchten einen sicheren und ansprechenden Ort für Nutzer schaffen, an dem sie sich über ihre Interessen und Hobbys austauschen können. Zur Verbesserung der Community-Erfahrung deaktivieren wir vorübergehend das Kommentieren von Artikeln.