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„Es lag sogar schon ein Termsheet vor“: Darum platzte der Maschmeyer-Deal für Lambus doch noch

·Lesedauer: 3 Min.
Investor Carsten Maschmeyer nahm die Reise-Plattform von Lambus genau unter die Lupe.
Investor Carsten Maschmeyer nahm die Reise-Plattform von Lambus genau unter die Lupe.

Er war von Anfang an ihr Wunschlöwe. Mit seiner Erfahrung als Tech-Investor und den Kontakten ins Silicon Valley sollte Carsten Maschmeyer den Gründern von Lambus helfen, ihre Reise-Plattform groß zu machen. Nicht weniger als 500.000 Euro für 15 Prozent ihrer Anteile wollten Hans Knöchel und seine Partnerin Anja Niehoff am Montagabend in der TV-Show „Die Höhle der Löwen“ von Maschmeyer einsammeln. Der hatte zuvor als einziger von fünf Löwen Interesse an ihrer Idee bekundet.

Lambus bietet eine App für die Reiseplanung an. Anhand von Fotos werden Nutzern Reiseziele vorgeschlagen, passende Flüge und bei Bedarf ein Mietauto können direkt über die App gebucht werden. Auch lassen sich Ausgaben etwa für Buchungen mit anderen Mitreisenden teilen. Gegen Aufpreis bietet Lambus zudem Wetterinfos und Flugalarme an. Mehr als 120.000 Nutzer sollen sich laut den Lambus-Gründern bereits in der App registriert haben. Zum Zeitpunkt der Aufzeichnung ihres DHDL-Auftritts vor etwas mehr als einem Jahr sollen es knapp 60.000 gewesen sein.

„Entschieden, den Deal vorerst nicht anzunehmen“

Der Pitch gestaltete sich für Knöchel und Niehoff jedoch von Beginn an schwierig. Wegen der Corona-Pandemie war die Reisebranche weltweit zum Erliegen gekommen – ein denkbar schlechter Zeitpunkt für ein Investment. Wenig überraschend stiegen fast alle Löwen aus, nur Maschmeyer zeigte Interesse. Nach zähem Verhandlungen sagte er ein Investment über 500.000 Euro für 18 Prozent der Anteile zu. Alles fix also? Wieder einmal heißt die Antwort nein, wie Gründerszene erfahren hat.

„Der Deal wurde im Nachgang ausführlich weiterverhandelt und es lag sogar schon ein Termsheet vor“, erklärt Lambus-Gründer Knöchel auf Nachfrage. Man habe sich im Sommer 2020 jedoch dazu entschieden, den Deal vorerst nicht anzunehmen. „Der Plan war, große Teile des Investments in die Skalierung der Plattform zu stecken, was Corona-bedingt einfach nicht möglich war, da Menschen in 2020 einfach nicht gereist sind – weder in Deutschland noch in unseren anderen Zielländern“, so Knöchel.

Auch Maschmeyer bestätigt das Scheitern des Deals. Corona habe jedes Geschäftsmodell in der Reisebranche langfristig stark beeinträchtigt, teilt der Beinahe-Investor auf Anfrage von Gründerszene mit. „Leider auch Lambus. Deswegen waren die Voraussetzungen, unter denen der Deal im Frühjahr 2020 – als man noch auf ein baldiges Ende der Pandemie hoffte – geschlossen wurde, traurigerweise nicht mehr gegeben.“ Mit den beiden Gründern stehe er jedoch auch weiterhin im Austausch.

Lambus sichert sich Brückenfinanzierung

Für Lambus ging es nach der Show aber auch ohne Deal weiter. In eine schlimme Krise wie etwa der Berliner Wettbewerber Mapify rutschte das Unternehmen nicht. „Den Gedanken, aufzugeben, hatten wir zu keinem Zeitpunkt“, sagt Mitgründerin Anja Niehoff. „Unser Geschäftsmodell funktioniert und wir wachsen weiterhin sehr stark organisch, also ohne großes Marketing-Budget.“ So habe die Firma trotz der weltweiten Reisebeschränkungen einen mittleren, fünfstelligen Umsatz erzielt.

Und geht es nach Niehoff, wird es dabei nicht bleiben. Bereits seit einigen Wochen zögen die Buchungen über die App an. „Wir gehen davon aus, dass sich der Trend sinkender Inzidenzen und einer steigenden Impfquote weiterhin sehr positiv auf den Reisemarkt auswirken wird.“ Auch einen neuen Investor habe man als Ersatz für Maschmeyer inzwischen gefunden. Im Oktober 2020 sicherte sich Lambus eine Brückenfinanzierung über 300.000 Euro, die perspektivisch auf rund 1,3 Millionen Euro aufgestockt werden soll, wie Knöchel auf Nachfrage erklärt. „Wir schauen nun nach einem passenden VC, um die Runde zu komplettieren.“