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Nach Ladenschließungen: Sirplus-Gründer räumt Fehler ein

·Lesedauer: 3 Min.
Der Gründer und CEO Raphael Fellmer sieht fröhlich aus - trotz aller Härte des Unternehmerseins.
Der Gründer und CEO Raphael Fellmer sieht fröhlich aus - trotz aller Härte des Unternehmerseins.

Die Idee klingt erst einmal sinnvoll. Mit Sirplus möchte Raphael Fellmer Lebensmittelverschwendung reduzieren. Er sorgt dafür, dass Essen nicht auf dem Müll, sondern auf dem Teller landet. Dinge, deren Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten ist, verkauft Sirplus zu günstigen Preisen. Allein: Das Startup hat krisengeschüttelte Monate hinter sich. Nachdem Fellmer im September diesen Jahres alle fünf Filialen hatte schließen müssen, muss er sich Medienberichten über schlechte Arbeitsbedingungen und großen Unmut der Beschäftigten von Sirplus stellen. Die werfen Fellmer nun beim RBB vor allem eine „chaotische“ Geschäftsführung vor, Kontrollverlust, unbezahlte Rechnungen, ein Müllproblem und gegenüber den Mitarbeitern einen sehr hohen Arbeitsdruck.

Gründerszene hat mit dem Gründer über die erhobenen Anschuldigungen gesprochen. Fellmer räumt ein, dass das vergangene Jahr ihn stark, wenn nicht gar überfordert hat: „Wir sind ein junges, durch Idealismus geprägtes Unternehmen, das eine Mission verfolgt und dabei stark wächst. Durch die Ausnahmesituation, die Corona für uns mit sich brachte, wurden wir vor zusätzliche Schwierigkeiten gestellt, die uns teilweise an den Rand der Überforderung gebracht haben." Der Weg war für den Umweltaktivisten von Beginn an holprig. 2017 gründet Fellmer gemeinsam mit Martin Schott das Startup, finanziert sich zunächst über Crowdfunding. In der „Höhle der Löwen" scheitern Fellmer und Schott mit ihrem Konzept. Dann finden sich aber doch Investoren, etwa Benjamin Otto oder Ecosia-Mitgründer Tim Schumacher, die 2019 laut Sirplus eine „größere sechsstellige Summe" beisteuern.

So kann Sirplus eigene Ladengeschäfte in Berlin eröffnen, Fellmer nennt sie „Rettermärkte". Dort werden nicht nur Lebensmittel jenseits des Mindesthaltbarkeitsdatums verkauft. Die Märkte sollen auch das Thema Lebensmittelverschwendung sichtbar machen. Allerdings haben die Läden wirtschaftliche Schwierigkeiten. Wegen massiver Umsatzeinbußen in Folge der Corona-Pandemie muss Sirplus seine Geschäfte im September 2021 dicht machen und dabei auch 43 Mitarbeitende entlassen.

„Einen solchen Schritt zu gehen, ist nie schön“, sagt Fellmer rückblickend gegenüber Gründerszene. „Zudem muss ich eingestehen, dass aufgrund mangelnder Erfahrung mit derartigen Prozessen von mir und dem betrauten Team sicher auch Fehler gemacht wurden. Allerdings wurde von unserer Seite immer direkt agiert, wenn wir Kenntnis von Fehlverhalten oder Missständen erlangt haben.“

Chaos und Überlastung

Der Silberstreif: Laut Sirplus sei ebenfalls im Zuge der Pandemie das Onlinegeschäft deutlich gewachsen, um das Vierfache. Also wolle sich das Unternehmen künftig verstärkt darauf konzentrieren, hieß es im Herbst. Laut dem RBB-Bericht knirscht es aber weiterhin bei Sirplus. Es werden anonymisierte Beschäftigte zitiert, die von unbezahlten Überstunden, Personalmangel und Überlastung berichten.

Neu sei das Thema nicht: Nach Wissen des Senders habe es bereits im März 2020 einen elfseitigen Brief der Belegschaft an die Geschäftsführung gegeben, in dem Arbeitsumstände kritisiert wurden. Im Austausch mit Gründerszene bekennt Fellmer, dass es in der Vergangenheit mit einigen Mitarbeitenden Auseinandersetzungen gab, die sich nicht gütlich lösen ließen. „Im Einzelfall mussten wir uns auch von Menschen, die sich in der Wortwahl und Tonfall vergriffen haben, trennen. Ich toleriere solche Aussagen nicht und werde auch in der Zukunft ein derartiges Verhalten in meiner Firma nicht akzeptieren."

Für Fellmer hängen die aktuellen Schwierigkeiten mit der Schließung der Filialen im Herbst zusammen. „Ich glaube, es war und ist für alle Beteiligten eine große Enttäuschung", sagt er. „Die Mitarbeitenden hatten viel Energie und Herzblut in den Aufbau dieser Märkte investiert und dennoch schlussendlich ihre Jobs verloren.“ Er könne den Unmut teilweise gut verstehen. Das der Konflikt nun allerdings über die Medien ausgetragen wird, enttäusche ihn. Es gäbe, sagt Fellmer, eine Vielzahl von Möglichkeiten zur internen Klärung, und zählt diverse Angebote auf: Sirplus biete Kurse zur gewaltfreien Kommunikation, eine offene Sprechstunde beim HR-Team oder ein anonymes Feedbackformular. Er selbst stehe „jederzeit für Einzelgespräche zur Verfügung“.

Daraus, dass die Mitarbeiter ihren offenbar weiterhin bestehenden Frust über die Medien raus lassen, will Fellmer lernen, sagt er. „Für mich persönlich ist es ein Ansporn, die Maßnahmen mit noch mehr Nachdruck umzusetzen.“ Fellmers Hauptaufgabe wird es in den nächsten Monaten sein, das derzeit angekratzte Image von Sirplus wieder zu verbessern – schließlich such das Startup für den Neustart als reiner Onlinemarkt gerade wieder neue Mitarbeiter.

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