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Löhne steigen wegen Finanzkrise weltweit kaum noch

Genf (dapd). Die Finanzkrise bremst weltweit den Anstieg der Löhne. In den Industrieländern sollen die Löhne in diesem Jahr überhaupt nicht steigen, wie aus dem am Freitag veröffentlichten Lohnbericht der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) hervorgeht. Weltweit lag der Anstieg der monatlichen Bruttolöhne im vergangenen Jahr inflationsbereinigt bei 1,2 Prozent. 2010 hatte der Zuwachs noch 2,1 Prozent betragen. Die ILO-Experten warnten davor, sich durch niedrige Löhne "aus der Krise herauszusparen".

Während die Löhne 2011 in Asien, Afrika und Lateinamerika stiegen, verzeichnete die ILO in den Industrieländern ein Minus von 0,5 Prozent. Dort beobachteten die ILO-Experten auch eine immer weiter auseinandergehende Schere zwischen Arbeitsproduktivität und Durchschnittslohn.

In Deutschland etwa stieg die Produktivität in den vergangenen zwei Jahrzehnten um fast ein Viertel, während die Reallöhne gleich blieben und zwischen 1999 und 2007 sogar rückläufig waren. Die Arbeiter bekämen immer weniger vom Kuchen der Wirtschaftsleistung ab, kritisierte die ILO.

Der Rückgang der Löhne wirke sich auch auf die Binnennachfrage aus, die in Ländern wie Deutschland durch höhere Exporte ausgeglichen werde. "Doch dies kann keine Strategie für alle Länder sein, weil nicht alle zur gleichen Zeit einen Handelsbilanzüberschuss haben können", warnten die ILO-Experten.

Sie forderten eine Strategie, um die Lohnentwicklung wieder an das Wachstum der Arbeitsproduktivität zu koppeln. "Die großen Leistungsbilanzüberschüsse in Ländern wie Deutschland zeigen, dass es durchaus Spielräume gibt, die Löhne an die Produktivitätszuwächse anzupassen, um so die Binnennachfrage zu stärken", heißt es im ILO-Bericht. Die Organisation warnte vor einem "Lohnsenkungswettlauf" in den Defizitländern der Eurozone oder insgesamt im Euroraum.

Als Mittel gegen die Armut der Beschäftigten empfahl die ILO Mindestlöhne. Sie könnten ein "effektives Instrument zur Schaffung menschenwürdiger Arbeit mit angemessenen Löhnen" sein.

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