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Die Kurse purzeln! Kann dich die Wirecard-Aktie jetzt zum Millionär machen?

Christoph Gössel, Motley Fool beitragender Investmentanalyst

Weltweit befinden sich die Aktienmärkte auf Talfahrt und es bleibt wirklich niemand verschont – selbst wenn man eigentlich gute Nachrichten vorzuweisen hat. Wirecard (WKN: 747206) zum Beispiel wurde kürzlich von seinem Sonderprüfer KPMG in wichtigen Punkten entlastet. Den Aktienmarkt hat es nur kurz interessiert: Die anfänglichen Gewinne von 30 % waren am Ende des Tages völlig verpufft, seither geht es weiter mit den Kursverlusten.

In so einem Umfeld kann es schwer sein, den Mut aufzubringen, um groß einzusteigen. Gleichzeitig sorgen Panik und fallende Kurse aber natürlich auch für fallende Bewertungen. Und das, ohne dass sich die langfristigen Aussichten der Unternehmen zwangsläufig verschlechtert haben.

Wie verdient Wirecard sein Geld?

Wirecard ist in der Payment-Branche zu Hause und dort, anders als etwa Akteure wie Mastercard oder Paypal, eher im Hintergrund aktiv.

Zum einen ist das Unternehmen Issuer, kann seinen Partnern also dabei helfen, eigene Zahlungsinstrumente aufzusetzen. Außerdem fungiert Wirecard als Kartenakzeptanzstelle, auch Acquirer genannt. Händler benötigen einen Acquirer, um Zahlungen über Kartennetzwerke erhalten zu können. Zu guter Letzt tritt Wirecard auch als Zahlungsdienstleister oder Payment Service Provider (PSP) auf, der sich um die technische Abwicklung elektronischer Zahlungen sowie Risiko- und Betrugsmanagement kümmert.

Dieses auf die Abwicklung von Transaktionen basierende Geschäftsmodell wird noch um Zusatzdienste wie etwa Datenanalyse-Tools oder Kundenbindungsprogramme ergänzt. Ein weiteres Standbein bildet die Privatkunden-App boon.PLANET.

Wirecard-CEO Markus Braun denkt, dass diese datengetriebenen Mehrwertdienste in Zukunft immer wichtiger sein werden. Stand das Geschäft rund um Zahlungen 2018 noch für über zwei Drittel der Umsätze, so sollen es in fünf Jahren nur noch 30 % sein.

Wirecard hat in den letzten Jahren von mehreren Megatrends profitiert, die für das sensationelle Umsatzwachstum jenseits von 30 % im Jahr gesorgt haben. Da wären etwa die sinkende Bedeutung von Bargeld (dieser Trend dürfte sich durch das Coronavirus sicher nicht umkehren, sondern eher beschleunigen), die Digitalisierung und Internationalisierung des Handels und die finanzielle Inklusion von Menschen, die bisher nur eingeschränkten Zugang zu Bankdienstleistungen haben. Weltweit ist laut Wirecard-Angaben nur jede zehnte Zahlung voll digitalisiert, was definitiv Wachstumsspielräume offenlässt.

Wie ist die Wirecard-Aktie bewertet?

Bei der Bewertung werde ich bewusst etwas pessimistisch sein und nicht die neuen, nach oben angepassten Langzeitziele für 2025 zur Bewertung heranziehen, sondern die alte Prognose aus dem Jahr 2018.

Nach dieser soll das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) bis 2025 auf über 3,3 Mrd. Euro steigen, gegenüber 785 Mio. Euro im abgelaufenen Jahr 2019. Das macht ein durchschnittliches jährliches Wachstum von rund 27 % über die nächsten sechs Jahre.

2018 blieben knapp 62 % des EBITDA als Jahresüberschuss bei Wirecard hängen. Diesen Wert werde ich auch für unsere Rechnung ansetzen. Demnach könnte Wirecard 2025 auf einen Jahresüberschuss von etwas über 2 Mrd. Euro kommen.

Wenn wir diesen Wert ins Verhältnis zur aktuellen Marktkapitalisierung Wirecards setzen, kommt ein (für mich) recht überraschendes Ergebnis heraus: Der Markt bewertet Wirecard derzeit mit rund 10,7 Mrd. und damit nur mit dem 5,4-Fachen seines möglichen Gewinns im Jahr 2025. Oder anders ausgedrückt: Wenn die Aktie bis 2025 auf dem gleichen Kurs bliebe, läge das KGV in fünf Jahren bei nur 5,4.

Unrealistisch niedrig? Finde ich auch! Im Umkehrschluss scheint die Wirecard-Aktie ziemlich starkes Aufwärtspotenzial zu bieten – und das auf Basis der alten 2025er-Prognose! Was du außerdem nicht vergessen darfst, ist, dass Wirecard langfristig zu einem guten Dividendenzahler werden könnte.

Foolishes Fazit

Die andauernde „Financial Times“-Affäre mit den Betrugsvorwürfen und der Corona-Crash haben offenbar ihre Spuren hinterlassen: Der Markt scheint es gegenwärtig für extrem unwahrscheinlich zu halten, dass Wirecard überhaupt seine alten Langfristziele erreicht, von den neuen ganz zu schweigen.

Das eröffnet eine große Chance für Investoren, die doch daran glauben. Dafür spricht einiges: der große Anteil, den CEO Braun weiter an seinem Unternehmen hält, sowie die teilweise Entlastung vor wenigen Tagen.

Insofern ist es nicht ganz unwahrscheinlich, dass die Wirecard-Aktie mutige Investoren schon bald reich machen könnte.

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Christoph Gössel besitzt Aktien von Wirecard. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von  Mastercard und PayPal Holdings.

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