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Die Kunst des Jobcrafting: Wie ihr lernen könnt, euren Job zu lieben, wenn ihr ihn eigentlich loswerden wollt

·Lesedauer: 7 Min.

Wer im Beruf unglücklich ist, ist es meist auch im Leben. Denn das eine ist vom anderen kaum ganz abzugrenzen – dafür verbringen Menschen schlicht zu viel Zeit im Job. In der belastenden Phase der Pandemie hat das bei vielen Menschen dazu geführt, Arbeit, mit der sie unzufrieden sind, grundsätzlich in Frage zu stellen und sich neu umzusehen. Gleichzeitig haben zahlreiche Unternehmen Stellen abgebaut. Viele Angestellte wie Führungskräfte arbeiteten daher im Dauerstress – remote, vor allem aber auch bei ihren Arbeitgebern vor Ort.

71 Prozent der Beschäftigten in Deutschland gaben 2020 an, vielfältigen Formen von Stress im Job ausgesetzt zu sein. Das ist das Ergebnis einer Umfrage des Bildungsunternehmens Lepaya, das 1322 Beschäftigte aus 250 Branchen in den Niederlanden, Deutschland, Belgien und Großbritannien zum Thema Stressmanagement am Arbeitsplatz befragt hatte.

Auch in den USA ist die Unzufriedenheit im Job verbreitet. Schon vor Corona war mehr als die Hälfte der US-Amerikanerinnen und US-Amerikaner laut der jährlichen Erhebung der Forschungsgruppe Conference Board beruflich unzufrieden. Eine weitere Statistik, der zufolge also ein Großteil jener, mit denen wir täglich zusammenarbeiten, in „stiller Verzweiflung“ ausharren, schreibt David G. Allan, leitender Redakteur beim Nachrichtensender CNN.

Die Art und Weise, wie wir arbeiten, habe sich grundlegend verändert, sagt auch René Janssen, Gründer von Lepaya. „Die Belastbarkeit der Mitarbeiter entscheidet zunehmend über Erfolg oder Misserfolg eines Unternehmens. Stressmanagement, Agilität und Belastbarkeit sind wichtige Fähigkeiten, die die Corona-Krise ans Licht gebracht hat.“

Dauerfrust und eine chronisch hohe Arbeitsbelastung sind nicht nur schädlich für den Einzelnen. Innere Kündigung, psychische und physische Folgekrankheiten und eine steigende Mitarbeiterfluktuation schaden auch Unternehmen und Institutionen: Wer dauernd gestresst ist, hat ein erhöhtes Risiko für Bluthochdruck, eine nachlassende mentale Fitness und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Das zeigt etwa eine Studie von Wissenschaftlern der Stanford University.

Doch gibt es Wege und Mittel, mit denen wir uns wieder anfreunden können mit dem Job, den wir mal gern hatten?

Was Menschen wollen: Kontrolle über ihr Leben, gute Kontakte im Job, Freude und Bedeutung

Wieder glücklich zu werden mit der Arbeit, die wir haben, ist ein großes Thema in Coaching und Therapie. Die Hinweise und Ratgeber, die uns dabei begleiten wollen, mit einem schwierigen Chef oder der nächsten Gehaltsverhandlung umzugehen, sind überaus nützlich – gehen laut CNN-Redakteur Allan aber oft nur unzureichend darauf ein, wie wir Tag für Tag mit einem ausreichenden Grad an Zufriedenheit unseren Job machen können.

Dabei seien es genau drei Faktoren, auf die sich das Jobglück herunterbrechen lasse, schreibt Allan: ein hoher Grad an Kontrolle über unser Leben, positive Verbindungen im Job und das tägliche Empfinden von Freude und Bedeutung – und damit auch in den Stunden, die der Arbeit gehören.

Wie nun lassen sich unser Bedürfnis nach Kontrolle, Verbindung und Wertigkeit zusammenbringen? Ein Weg dazu ist das sogenannte Jobcrafting. Das Konzept von Amy Wrzesniewski, Psychologin an der Yale University, und Jane E. Dutton, Psychologin und Wirtschaftswissenschaftlerin an der University of Michigan, sieht die Quelle der eigenen Jobzufriedenheit weniger außen als in uns: Denn beim Jobcrafting gestalten wir das, was unseren Joballtag bestimmt, ein Stück weit aktiv selbst so um, dass wir „Kontrolle über diese Faktoren gewinnen und sie umdeuten“, schreiben Wrzesniewski und Dutton in einer gemeinsamen Studie zum Thema.

Äußere Faktoren im Beruf lassen sich selten ändern, beispielsweise ein launiger Chef. In den USA etwa, schreibt CNN-Redakteur Allan, kündigen zahlreiche Menschen wegen Problemen mit der Führungskraft. Auch das Gehalt spielt bei Unzufriedenheit eine Rolle – ein Faktor jedoch, der das Glück im Job aber nachweislich nur kurzzeitig beeinflusst. Für mehr Jobzufriedenheit muss der einzelne Mensch also bei sich anfangen.

Das Jobcrafting-Konzept der Forscherinnen Wrzesniewski und Dutton besteht im Kern aus drei Schritten: Im ersten Schritt geht es darum, den eigenen Job zu verfeinern. Betroffene versuchen, ihrem Job Tätigkeiten hinzuzufügen, die sie gern tun, und versuchen ebenso, Unliebsames loszuwerden. Im zweiten Schritt geht es um die Pflege der guten Verbindungen zu Menschen im Job, die wir schätzen. Im dritten Schritt, dem „Reframing“, verleihen wir unserer Arbeit Bedeutung und Sinn.

CNN-Redakteur Allan etwa helfen die folgenden drei Kniffe im Arbeitsalltag dabei, in eine bessere Jobform zu kommen.

Job-Hack: Führt Listen zu allem, was ihr im Job mögt und nicht mögt

Allan rät Betroffenen, drei Listen zu führen. Ob das im Job oder zu Hause auf dem Sofa passiere, sei Nebensache. In die erste Liste gehören alle Dinge, die eine Person im Job schätzt – größere und ebenso kleine Aspekte. Die zweite Liste enthält die nervtötenden und schwierigen Dinge, die den Job erschweren, von Belanglosem zu systemisch entscheidenden Aspekten. Die dritte Liste ist für die Dinge vorgesehen, die man im eigenen Job gern machen würde, aber aktuell noch nicht macht – sogar dann, wenn diese Fähigkeiten gar nichts mit der eigenen Rolle zu tun haben.

Danach beginnt Redakteur Allan, auf der zweiten Liste systematisch Dinge auszumerzen, die ihn im Job behindern. Einige Dinge lassen sich leichter ändern und loswerden oder hinzugewinnen, für andere braucht es länger und unter Umständen ein zusätzliches Gespräch mit der Führungskraft. Unter den Dingen, die man selbst ändern kann, zählen auch kleine Elemente, die den Stress reduzieren.

„Seid fantasievoll mit diesen Listen“, rät Allan. Kreativität allein sei noch kein Garant für Wohlbefinden im Job. Er selbst hat seinen Aufgaben im Job beispielsweise eine Kolumne bei CNN hinzugefügt, die diesen Text inspiriert. Auch eine Sporteinheit in der Mittagspause oder ein Weiterbildungskurs aus einem ganz anderen Feld am Feierabend kann die Zufriedenheit im Job erhöhen. Die Listen werden sich über die Zeit verändern – Dinge kommen hinzu, andere verschwinden.

Jeder neue Eintrag in die erste Liste ist ein weiterer Schritt auf dem Weg zu mehr Freude im Job. Genauso auch alles, was von der Liste mit schwierigen Aspekten verschwindet.

Habt einen guten Draht zu Kolleginnen und Kollegen

Menschen suchen sich selten aus, mit wem sie arbeiten – können aber erheblichen Einfluss darauf nehmen, eine gute Beziehung zum Einzelnen in ihrem Job aufzubauen. „Versucht, mehr darüber zu erfahren, was andere wollen, und helft ihnen, das zu erreichen, auch wenn ihr nicht die Führungskraft seid“, rät Allan. „Trefft euch zum Spaß, begrenzt die Meetings in ihrer Dauer. Habt Spaß zusammen.“

Schon einzelne Fragen an ein Gegenüber helfen, die Person besser kennenzulernen und die Verbindung zu ihr zu vertiefen. Je besser die Verbindung, desto mehr Freude auf den Arbeitstag entsteht. Am Ende des Tages gewinnt die Jobzufriedenheit, je mehr wir uns mit anderen austauschen. „Möglich, dass du das, was du tust, nicht magst, aber wenigstens gibt es Michael, Jamie, Collin, Fiona und Saeed!“, bringt Allan es auf den Punkt. Auf diese Weise sei Jobfreude dann wechselseitig.

Überlegt euch euren Wunsch-Jobtitel

Eine Studie zum Jobcrafting-Konzept der Psychologinnen Wrzesniewski und Dutton bezog sich in Teilen auf die Putzkräfte eines Krankenhauses. „Die meisten Menschen würden, ohne selbst Erfahrung mit der Tätigkeit zu haben, annehmen, dass sie dieser Job eher langweilt“, schreibt Allan. „Hygienearbeiten zu verrichten zu reinigen und mit Kranken oder Sterbenden zu arbeiten, ist nichts, was sich jeder für sich vorstellen kann.“

Die Psychologinnen aber fanden heraus, dass einige Putzkräfte, die angaben, ihren Job zu mögen, gut darin waren, den eigenen Job umzudeuten. Jeder von ihnen verrichtete zwar die gleichen Handgriffe, doch während einige die Tätigkeiten für unkreativ hielten, nahmen sich die, die ihren Job mochten, als bedeutungsvollen Part oder Botschafter im Alltag der Patienten wahr, so Allan.

„Indem sie anders über ihren Job dachten, beeinflussten sie die Art und Weise, wie sie ihren Job machten.“ Dabei gehe es um mehr als ein geändertes Mindset, schreibt Wrzesniewski. „Sich als Botschafter und bedeutungsvoll im Leben anderer wahrzunehmen, verändert, wie wir etwas tun.“ Auch vermeintlich unliebsame Tätigkeiten erhalten einen Wert.

Wer in der Lage sei, seine eigene Tätigkeit auf diese Weise so zu drehen, dass sie Wert und Bedeutung bekomme, komme weiter, so Allan. Auf diese Weise gelangt über die eigene Arbeit auch Freude ins Leben anderer. Wer im Job dauerhaft gestresst sei, schreibt Allan, könne sich außerdem auch vor Augen führen, wie gut es für ihn sei, ein sicheres Einkommen zu haben. Auch das bestärke in schwierigen Jobmomenten. Auf diese Weise erreichen einst Frustrierte Schritt für Schritt einen Zustand, der einem Onboarding im neuen Job ähnelt – nur, dass sie sich ihren selbst geschaffen haben.

jsk

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