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Einheitlicher Umgang der Bundesländer mit Schulbetrieb in Coronakrise gefordert

Vor der Sitzung der Kultusministerkonferenz (KMK) sind Forderungen nach einem bundesweit einheitlichen Vorgehen mit dem Schulbetrieb in der Coronakrise laut geworden. Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) sagte der "Bild"-Zeitung vom Donnerstag, Ziel sollte eine "möglichst einheitliche Linie für Deutschland" sein. "Um Ungerechtigkeiten zu vermeiden, muss es einheitliche Entscheidungen geben", erklärte auch die Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Marlis Tepe, angesichts anstehender Prüfungen.

Ähnlich äußerte sich Jochen Ott, SPD-Landtagsfraktionsvize in Nordrhein-Westfalen. Er forderte die KMK auf, die Chancengleichheit der vom Coronavirus betroffenen Abiturienten zu wahren. Der "Rheinischen Post" sagte er, es könne nicht sein, dass in einigen Teilen Deutschlands das Abitur abgelegt werde, in anderen aber verspätet oder gar nicht. Auch Schüler, die in ihrer Abiturvorbereitungsphase von Schließungen betroffen seien, dürften nicht benachteiligt werden.

Der Deutsche Lehrerverband sprach sich dafür aus, grundsätzlich an den Abiturprüfungen festzuhalten. "Die könnten unter Beachtung eines strengen Gesundheitsschutzes auch stattfinden, wenn es gleichzeitig Coronaferien geben sollte", sagte Verbandspräsident Heinz-Peter Meidinger der "Passauer Neuen Presse". Allerdings müsse bei einer solchen Prüfungssituation dafür gesorgt werden, dass "ein entsprechender Abstand zwischen den Prüflingen in den Prüfungsräumen besteht".

Das Festhalten an den Abiturprüfungen bekräftigte auch KMK-Präsidentin Stefanie Hubig (SPD), Bildungsministerin in Rheinland-Pfalz. Zumindest in Rheinland-Pfalz würden die mündlichen Prüfungen in der kommenden Woche planmäßig abgehalten, sagte Hubig dem Südwestrundfunk (SWR). "Wo Schulen geschlossen sind und das Abitur verschieben müssen, muss es einfach nachgeholt werden."

Zudem werde heute bei der Kultusministerkonferenz darüber beraten, wie insgesamt mit dem mündlichen und schriftlichen Abitur weiter umgegangen werden soll. Dabei gehe es vor allem um Teile des Abiturs, "wo wir auch zentrale Elemente haben, die alle Länder gleichermaßen betreffen".

Bei der am Donnerstag beginnenden KMK-Tagung in Berlin wollen die Kultusminister auch über die Schließung von Schulen im größeren Stil beraten. Das kündigte Hubig im ZDF-"Morgenmagazin" an. "Es ist natürlich ein großer Einschnitt, die Schulen flächendeckend zuzumachen", gab sie zu bedenken.

Bundesministerin Karliczek hält flächendeckende Schulschließungen derzeit für "nicht angezeigt". Sie betonte aber, die Lage müsse immer wieder neu bewertet werden. Die GEW mahnte, im Mittelpunkt aller Entscheidungen müsse immer die Gesundheit der Kinder, Jugendlichen und Lehrer stehen.

Die Stadt Halle an der Saale in Sachsen-Anhalt schließt derweil vorübergehend alle Schulen, Horte und Kitas. Die Gebäude bleiben ab Freitag zunächst bis zum 27. März geschlossen, wie Oberbürgermeister Bernd Wiegand (parteilos) am Donnerstag mitteilte.

Lehrerpräsident Meidinger machte darauf aufmerksam, dass es in Bayern eine digitale Lernplattform gebe. "Was allerdings passiert, wenn Hunderttausende Schüler gleichzeitig auf solche Lernplattformen zugreifen, ob die dann gegebenenfalls zusammenbrechen, das wissen wir nicht", warnte er.

Auch Hubig sagte im SWR, ihr Haus habe nicht von einer Schließung betroffene Schulen in rheinland-Pfalz aufgefordert, Vorsorge zu treffen, um den Unterricht später sicherstellen zu können - "entweder über Papier, über Arbeitsblätter und Unterrichtsmaterialien oder eben online".

Niedersachsen erwägt einem Medienbericht zufolge vorerst einen anderen Weg: Es werde geprüft, die Osterferien eine Woche vorzuziehen, berichtete die "Hannoversche Allgemeine Zeitung".

Die KMK tagt bis Freitag. Bereits am Donnerstagnachmittag wollen die Minister über die Ergebnisse der Sitzung zum Thema Coronavirus informieren.