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Kritik an "Maischberger" und "Markus Lanz": Warum reden weiße Menschen über Rassismus?

Willy Flemmer
Freier Autor für Yahoo

Die Talkshows "Markus Lanz" und "Maischberger" haben diese Woche für Aufregung gesorgt. In beiden Sendungen waren die Proteste in den USA nach dem Tod von George Floyd und der Rassismus im Land die beherrschenden Themen. Geladen waren jedoch überwiegend weiße Gäste.

Die Moderatoren Sandra Maischberger und Markus Lanz (Bilder: Getty Images)

In der Krise blühen die Fernseh-Talkshows. Vor der Kamera wird über drängende aktuelle Probleme geredet, diskutiert, gestritten. Oft polarisieren die Gäste mit ihren Ansichten. Nicht selten ecken auch die Macher der jeweiligen Formate an – so wie zuletzt die Sendungen "Markus Lanz" und "Maischberger". Grund der Aufregung diesmal: Vielen Zuschauern behagte die Auswahl der Gäste nicht.

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Um das Thema Corona ging es sowohl in "Markus Lanz" als auch in "Maischberger" diese Woche eher am Rande. Ein anderes Problem hat sich in den Vordergrund gedrängt, über das es zu diskutieren galt. In den USA kommt es nach der Tötung des Afroamerikaners George Floyd durch einen weißen Polizisten bei einem Polizeieinsatz zu Massenprotesten. Auf die Straße gehen die Menschen aber nicht nur wegen des mutmaßlich rassistisch motivierten Vorfalls. Sondern weil dieser bezeichnend ist in einem Land, in dem Rassismus und soziale Ungerechtigkeit noch lange nicht überwunden sind.

Weiße Menschen reden über Rassismus

Über den Fall George Floyd, die Demonstrationen in vielen US-Metropolen und das übergeordnete Thema Rassismus ging es zuletzt in der ZDF-Sendung "Markus Lanz". Zur Diskussionsrunde gehörten die US-amerikanische Journalistin Melinda Crane, der FDP-Politiker Wolfgang Kubicki, die Filmemacherin Mo Asumang und der Epidemiologe Dirk Brockmann.

Auch die ARD-Talkshow "Maischberger" hatte "die Lage in den USA nach dem Tod von George Floyd" zum Thema, wie die Macher schon im Vorfeld auf dem Twitter-Kanal der Sendung angekündigt hatten. Dort stellten sie auch die Gäste vor: Außenminister Heiko Maas, Journalist Dirk Steffens, Kolumnist Jan Fleischhauer, Börsenexpertin Anja Kohl und die Virologin Helga Rübsamen-Schaeff.

Für viele Zuschauer war die Talkrunde in beiden Sendungen ein Problem. Der Vorwurf: Abgesehen von Mo Asumang, der Tochter einer Deutschen und eines Ghanaers, waren alle Gäste weiß. Weiße Menschen diskutierten vor der Kamera also über das Rassismus-Problem von schwarzen. Sandra Maischberger und Co. hatten deswegen mit ihrem Twitter-Vorstoß schon im Vorfeld für Aufregung gesorgt, weshalb sie im letzten Moment noch eine Volte schlugen. Sie präsentierten in der Sendung die afro-amerikanische Germanistik-Professorin Priscilla Layne, die aus den USA per Videokonferenz zugeschaltet war.

Reaktion der Zuschauer

Dass ausgerechnet Layne zu ihren lautesten Kritikern gehören wird, werden die "Maischberger"-Mitarbeiter vor der Sendung allenfalls geahnt haben. Sind doch die Umstände, wie sie in die Sendung kam, kritikwürdig. In einer Serie von Twitter-Posts brachte die Germanistik-Studentin ihre Empörung über die Vorgehensweise der Redaktion dann auch deutlich zum Ausdruck. Erst am Dienstag habe die ARD sie telefonisch angefragt, schreibt sie. Offenbar sei es ein "Last-Minute-Gedanke”, eine schwarze Person zu einer Sendung einzuladen.

Einen Mangel an Sensibilität werfen den Machern beider Talkshows auch viele Zuschauer vor. "Sollte man in Talkshows über die Lage in den USA nicht auch von Rassismus Betroffene einladen?", fragt der Deutschlandfunk in seinem Twitter-Auftritt. "Struktureller Rassismus in den Fernseh-Medien", merkt ein Nutzer auf derselben Plattform an. "Rs muss heißen: Nicht über sondern MIT uns reden." Seine Kritik verknüpft er mit einer "Forderung an die Talker*innen #Maischberger, #Lanz und die anderen". "Denn wer kann besser über #Rassismus reden, als die die davon betroffen sind.”

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Auch Mo Asumang meldete sich zu Wort. Allerdings kritisierte sie nicht die Sendung, in der sie zu Gast war, sondern das Pendant im Ersten. "Nur ne Frage: Warum spricht ausgerechnet eine durchgehend "weisse" Runde bei @maischberger über die Lage in den USA nach dem Mord an dem Afro-Amerikaner #GeorgeFloyd??", fragt sie. Laut der Nichtregierungsorganisation Neue deutsche Medienmacher*innen sollte man sich die Talkrunde bei Lanz und Maischberger "einfach mal auf der Zunge zergehen lassen". Und der Publizist Nasir Ahmad startete vor Ausstrahlung von "Maischberger" sogar eine Petition. Darin forderte er die Redaktion auf, die Gäste wieder auszuladen und Menschen einzuladen, die "von Rassismus betroffen sind, und rassistische Gewalt erlebt haben."

Das sagen ARD und ZDF

Die ARD und das ZDF haben mittlerweile auf die Kritik reagiert. Auf Anfrage des Magazins Watson räumte der für "Maischberger" zuständige WDR ein, dass sich die Redaktion nicht um Vielfalt bemüht hätte. Seit Sonntag sei diese "im Kontakt mit mehreren möglichen, auch schwarzen, Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartner zum Thema Rassismus in den USA" gewesen. Letztlich habe eine afro-amerikanische Germanistikprofessorin aus North Carolina zugesagt. Gemeint ist Priscilla Layne. Das ZDF teilte demselben Magazin mit, dass man in die Sendung am Dienstag den American-Football-Trainer Patrick Esume und den Buchautor Ijoma Mangold eingeladen hätte. Sie hätten jedoch abgesagt.

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