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Adler springen bis zu 64% nach Finanzierungs-Deal mit Gläubigergruppe

(Bloomberg) -- Die Adler Group SA hat mit wichtigen Gläubigern eine Einigung erreicht, durch die der kriselnde Vermieter frisches, aber teures Geld erhält und die Fälligkeiten für existierende Schulden verlängert. Die Aktie sprang angesichts der Atempause am Montag um bis zu zwei Drittel nach oben.

Mit an Bord des Finanzdeals sind informierten Kreisen zufolge einige der größten Investmentfonds der Welt: Angeführt wird die Gläubigergruppe demnach von BlackRock, der Allianz-Tochter Pimco und Sculptor Capital Management. Wie zu hören ist, sind auch Schroders, Silver Point Capital und Taconic Capital Advisors dabei. Sprecher der Fonds wollten sich entweder nicht äußern oder reagierten nicht sofort auf Anfragen.

Trotz des Rekordanstiegs auf bis zu 2,92 Euro sind die Adler-Aktien immer noch weit entfernt von den Kursen um 11 Euro, die noch zu Jahresbeginn gehandelt wurden. Adler kämpft um sein Überleben, seit der Leerverkäufer Viceroy Research in einem vernichtenden Bericht letztes Jahr schwere Vorwürfe erhoben hat.

Den sechs Fonds, die hinter der Einigung stehen, gehören 45% von Adlers Schulden. Im Rahmen des Deals haben sie Adler ein besichertes Darlehen in Höhe von bis zu 937,5 Millionen Euro zugesagt, mit dem die nächsten fälligen Anleihen zurückgezahlt werden könnten. Das Darlehen wird laut Adler mit 12,5% verzinst und die Gläubiger erhalten eine Option auf einen Aktienanteil von bis zu 25%.

“Die vorgeschlagene Umstrukturierung verschafft ihnen vor allem eines - Zeit”, sagte Mark Benbow von Aegon Asset Management, der selbst Anleihen von Alder im Portfolio hat. Wenn die Vereinbarung unterzeichnet wird, “erlaubt sie ihnen, die kurzfristigen Fälligkeiten zu bewältigen und beseitigt das Risiko eines Notverkaufs der Vermögenswerte.”

Adler hat in diesem Jahr unter großem Druck Vermögenswerte verkauft, um seine Schulden von derzeit etwa 6,3 Milliarden Euro zu reduzieren. Erschwerend kam die aktuelle Schwäche des deutschen Immobilienmarktes hinzu, dessen jahrelange Boomphase wegen der Zinswende zu einem Ende zu kommen scheint.

Außer dem hohen Zinssatz und der Option auf den Aktienanteil führt die neue Finanzierung auch noch zu einer Kupon-Erhöhung um 2,75 Prozentpunkte bei den ausstehenden Anleihen der Adler. Der Finanzdeal soll bis Mitte 2025 laufen.

“Der Deal ist nicht ganz einfach, der ist komplex, der ist teuer, der muss erst umgesetzt werden”, sagte Verwaltungsratspräsident Stefan Kirsten in einer Telefonkonferenz am Freitagabend. Er schneide tief ins Fleisch der Aktionäre. “Das ist vollkommen klar. Aber dadurch erhalten wir einfach dieses Unternehmen für alle seine Stakeholder”, so Kirsten.

Die Einigung mit 45% der Anleihegläubiger reicht für eine Genehmigung des Deals nicht aus: Adler braucht die Zustimmung von 75% der Eigentümer jeder von Adler begebenen Anleihe, um die Bedingungen zu ändern. Gelingt das nicht, wird eine Restrukturierung nach dem neuen deutschen Unternehmensstabilisierungsgesetz erwogen, so Adler.

Viceroy und ein ehemaliger Mitarbeiter des österreichischen Geschäftsmanns Cevdet Caner beschuldigen Adler seit Oktober letzten Jahres, den Konzern zum Vorteil von Caner und gewissen Geschäftspartnern zu führen und andere Investoren zu benachteiligen.

Adler und Caner bestreiten die Anschuldigungen. Eine im Auftrag von Adler von KPMG durchgeführte Sonderprüfung sprach die Firma zwar vom Vorwurf systematischen Betrugs frei, konnte aber nicht alle Behauptungen von Viceroy widerlegen. KPMG legte im Anschluss ihr Mandat als Adlers Wirtschaftsprüfer nieder, was zu einem weiteren Abverkauf der Aktie beitrug.

Die im Januar 2029 fällige 800-Millionen-Euro-Anleihe der Adler-Gruppe stieg um 10 Cent auf 49,3 Cent je Euro und steht damit laut von Bloomberg ermittelten Kursen vor dem größten Anstieg seit Ausgabe der Anleihen im Jahr 2021. Die Aktien standen um 10:26 Uhr in Frankfurt noch mit einem Zugewinn von 51% auf dem Kurszettel.

Die Finanzspritze steht unter dem Vorbehalt eines positiven Sanierungsgutachtens, einer Anpassung der Anleihebedingungen, der Bereitstellung der vereinbarten Sicherheiten sowie weiterer marktüblicher Vollzugsbedingungen, teilte die Adler mit.

Die nächsten Schritte zum Abschluss des Deal sind laut mit der Transaktion vertrauten Personen die folgenden:

  • 29. Nov.: Adler berichtet Ergebnisse für das dritte Quartal

  • 29. Nov.: 119,6 Millionen Euro Consus-Anleihen werden fällig

  • 2. Dez.: Frist für die Teilnahme an der Finanzspritze; Frühbucherprämie von 100 Basispunkten

  • 31. März 2023: Spätester Termin für das Inkrafttreten der neuen Anleihebedingungen

  • 27. April 2023: Fälligkeit der 500-Millionen-Euro-Anleihe von Adler Real Estate

Überschrift des Artikels im Original:Adler Agrees on ‘Expensive, Complex’ Debt Deal With Bondholders

(Neu: Namen wichtiger Gläubiger)

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