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In der Krise Kasse gemacht: Vier Curevac-Topmanager, einer davon ein Mitgründer, verkauften Ende Juni ihre Aktien und sind jetzt Millionäre

·Lesedauer: 4 Min.

Am 16. Juni traf zahlreiche Aktionäre, die beim anfänglichen Börsenboom des Impfstoffhersteller Curevac investiert haben, der Schock. Der Kurs der Biotech-Firma brach zwischenzeitlich um etwa 50 Prozent ein, nachdem das Unternehmen die enttäuschenden Zwischenergebnisse zur schlechten Wirksamkeit seines Vakzinkandidaten gemeldet hatte.

Vier Vorstände von Curevac hingegen verdienten kurz darauf trotzdem noch Millionen, wie Unterlagen, die Business Insider vorliegen, bestätigen. Am 21. Juni meldeten vier Top-Manager der US-Börsenaufsicht SEC den Verkauf von großen Aktienpaketen im Wert von insgesamt mehr als 38 Millionen US-Dollar (32 Millionen Euro). Weil das Tübinger Unternehmen seit August 2020 in den USA börsennotiert ist, müssen relevante Transaktionen von Vorständen der amerikanischen Börsenaufsicht gemeldet werden.

Drei Vorstände verkaufen in diesen Tagen nahezu sämtliche ihrer noch verbleibenden Curevac-Aktien. Der Mitgründer und Vorstand für die Produktion, Florian von der Mülbe, veräußerte etwa die Hälfte seiner Firmenanteile. Hatten weite Teile des Vorstands den Glauben an die Firma etwa aufgegeben?

Top-Manager verkaufen fast alle Curevac-Aktien

Dem Mitgründer und ehemaligen Vorstand Florian von der Mülbe gehörten laut dem Jahresbericht 2020, der im April 2021 bei der SEC eingereicht wurde, noch 1,16 Millionen Curevac-Aktien. Zum 21. Juni verkaufte er knapp die Hälfte (46 Prozent) seiner Anteile. Obwohl der Kurs sich da bereits halbiert hatte, durfte er mit einem Gegenwert von 33,7 Millionen US-Dollar rechnen.

Wenige Tage später, am 30. Juni, verlässt er nach 21 Jahren überraschend den Vorstand des Tübinger Unternehmens. Sein Abgang ist deswegen so spektakulär, weil die Produktion, für die er verantwortlich war, eines der Herzstücke einer mRNA-Impfstoff-Firma ist.

Mariola Flotin-Mleczek, aktuell Chief Technology Officer von Curevac, arbeitet seit 2006 beim Unternehmen. Unter ihrem Namen sind mehrere Patente zur mRNA-Technologie eingetragen. Im April 2021 führt der Jahresbericht in ihrem Namen 22.825 Aktien auf. Aus der SEC-Meldung geht hervor, dass Flotin-Mleczek 99 Prozent ihrer Aktien für 1,4 Millionen US-Dollar (1,12 Millionen Euro) abgestoßen hat.

Auch Finanzvorstand Pierre Kemula macht Kasse. Er kam 2016 zu Curevac. Kemula veräußerte 33.269 Aktien für rund zwei Millionen US-Dollar, rund 93 Prozent seiner verbleibenden Anteile.

Die vierte Top-Managerin, die verkauft, ist Ulrike Gnad-Vogt. 2011 fing sie als Leiterin der klinischen Entwicklung beim Tübinger Unternehmen an. Auch sie stößt 99 Prozent ihrer Aktien für knapp 1,4 Millionen US-Dollar (1,14 Millionen Euro) ab.

Warum machen die Vorstände jetzt zeitgleich Kasse? Theoretische Gründe dafür gäbe es. Denn ob Curevac trotz schlechter Daten zumindest eine Teilzulassung für seinen Impfstoff für Personen unter 60 Jahren bekommt, bleibt ungewiss und steht derzeit noch nicht fest.

Dass Unternehmenschefs und Vorstände immer wieder mit Aktien handeln, ist nichts Ungewöhnliches. Bill Gates, Mark Zuckerberg oder Twitter-Chef Jack Dorsey verkaufen regelmäßig Firmen-Anteile. Sie finanzieren daraus ihre Wohltätigkeitsprojekte oder strukturieren ihr Vermögen neu. Bei solchen Transaktionen geht es aber um vergleichsweise geringe Volumen, deren Verkauf keine unmittelbare Auswirkung auf das Unternehmen hat.

Anders wirkt es, wenn Vorstände sowie ein Mitgründer, die jahrelang für den Erfolg des Unternehmens gearbeitet haben, gleichzeitig einen bedeutenden Anteil ihren Aktien abstoßen. Verkaufen die Vorstände in einem Zeitraum, in dem das Unternehmen ohnehin eine schlechte Nachricht nach der anderen verkünden muss, wird es für das Unternehmen schwierig, den Anlegern eine glaubhafte Erfolgsgeschichte zu vermitteln. Genau das ist bei Curevac der Fall.

Um Aktien eines am New Yorker NASDAQ gelisteten Unternehmens mit Sitz in Europa zu verkaufen, müssen die Vorstände diese Transaktion vorher anmelden. Sie dürfen ihre Anteile nur nach strengen Regeln veräußern. Zum einen ist dies nur zu bestimmten Zeitpunkten, sogenannten Handelsfenstern, möglich. So ein Handelsfenster öffnet sich zum Beispiel nach der Veröffentlichung der Quartalsergebnisse. Zudem verkaufen die Vorstände ihre Anteile nicht selbst, sondern beauftragen frühzeitig einen Broker.

Die Regeln sind deswegen so streng, damit ausgeschlossen werden kann, dass Top-Führungskräfte einer börsennotierten Firma ihr Insiderwissen benutzen, um Gewinne zu machen.

Die „Rheinische Post“ hatte am 21. Juni berichtet, dass die deutsche Finanzaufsicht (BaFin) beim Tübinger Unternehmen mögliche Fälle von Insiderhandel prüft. Die Finanzaufsicht geht dem Verdacht nach, ob Mitarbeiter von Curevac und Bayer, die im Besitz von Insider-Informationen über die Studienergebnisse waren, ihre Aktien noch rechtzeitig verkauft haben sollen. Bayer ist einer der Partnerunternehmen, mit denen Curevac den Impfstoff herstellen möchte. Die BaFin hat sich zu dem Stand der Untersuchung gegenüber Business Insider nicht geäußert. Curevac reagierte nicht auf unsere Fragen.

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