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Kann der Krieg im Nahen Osten auch Folgen fürs Depot haben?

Frank Rumpenhorst/dpa-tmn

Berlin (dpa/tmn) - Tod, Zerstörung und unvorstellbares Leid - all das bedeuten Kriege für die Menschen in den betroffenen Regionen und deren Angehörige. Bewaffnete Konflikte und geopolitische Krisen können sich mittel- oder unmittelbar aber auch auf den Rest der Welt auswirken - zum Beispiel wenn sie den internationalen Handel und die Kapitalmärkte ins Wanken bringen.

Ob auch der Gaza-Krieg zwischen Israel und der islamistischen Hamas das Potenzial hat, Rücksetzer in den Wertpapierdepots von Kleinanlegerinnen und Kleinanlegern zu verursachen, erklärt Guido Baldi vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung im Interview.

Frage: Herr Baldi, können die Folgen des Kriegs im Nahen Osten Kursverluste in den Depots von Verbraucherinnen und Verbrauchern nach sich ziehen?

Guido Baldi: Momentan sind die ökonomischen Folgen natürlich noch schwierig abzuschätzen. Der grausame Terrorüberfall der Hamas und die militärischen Reaktionen von Israel sind für die Weltwirtschaft zweifelsfrei ein hohes Risiko. Sofern es nicht zu einem Flächenbrand in der ganzen Region kommt - ein solcher könnte etwa mit einer weiteren Front im Norden Israels entstehen - dürften die Auswirkungen aber zumindest vorerst begrenzt bleiben.

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Eine Ausweitung des Konflikts könnte etwa die Ölpreise in die Höhe treiben. Bislang kam es ja nur zu einem sehr moderaten Anstieg der Ölpreise. Offenbar gehen auch die Märkte momentan nicht von einem Flächenbrand aus.

Doch selbst wenn es im Nahen Osten nicht zu diesem Flächenbrand kommt, werden die kommenden Jahre wohl unruhig bleiben und durch geopolitische Konflikte geprägt sein. Das dürfte die Volatilität an den Kapitalmärkten erhöhen. Bei Kleinanlegerinnen und -anlegern werden daher gute Nerven gefragt sein.

Frage: Welche Branchen sind bei geopolitischen Krisen besonders gefährdet?

Baldi: So allgemein ist das schwierig zu sagen. Geopolitische Krisen haben zweifelsfrei das Potenzial, Verbraucherinnen und Verbraucher zu verunsichern, was zu einer Konsumzurückhaltung führen kann, gerade bei Freizeitaktivitäten oder etwa dem Kauf von neuen Autos oder Möbeln. Also Gütern, auf die sich zumindest kurzfristig verzichten lässt. Bei Unternehmen führt eine höhere Unsicherheit tendenziell zu einer Zurückhaltung bei Investitionen. Hersteller etwa von Maschinen spüren dann eine Flaute schnell. Darum geraten bei geopolitischen Krisen insbesondere Titel solcher Branchen unter Druck.

Frage: Was können Verbraucherinnen und Verbraucher tun, um sich gegen solche Risiken zu wappnen?

Baldi: Viele Verbraucherinnen und Verbraucher reagieren in Krisenzeiten mit einer Konsumzurückhaltung und einer höheren Sparquote. Das ist aus individueller Sicht durchaus sinnvoll und verständlich. Die Menschen wollen sich etwa gegen Inflation oder Arbeitslosigkeit etwas absichern. Aus gesamtwirtschaftlicher Sicht ist das aber Gift für die Konjunktur. Weniger Konsum dämpft die Wirtschaft, was die Konjunktur weiter schwächt.

Was konkrete Anlageempfehlungen betrifft, sind wir als Wirtschaftsforschungsinstitut zurückhaltend. Was wir aber beobachten: Die goldenen Zeiten der Kursentwicklung am Aktienmarkt dürften zumindest vorerst vorbei sein - auch wenn sich unter Einbezug von Dividenden die Situation etwas besser präsentiert.

Langfristig sind aber Aktien immer noch eine sinnvolle Anlage. Wer breit diversifiziert aufgestellt ist, sollte kurzzeitige Rücksetzer aushalten, an seinen langfristigen Anlagezielen festhalten und keine voreiligen Entscheidungen treffen oder Verkäufe tätigen.